«Nur ja niemandem wehtun!» Mit diesem Titel nimmt die Architektur-Fachzeitschrift Hochparterre die laufende Ortsplanungsrevision der Stadt Solothurn unter die Lupe – und aufs Korn. Offensichtlich dient «Hochparterre» mit der Auslegeordnung zu diesem Thema dem 2012 gegründeten Verein Masterplan Solothurn als Sprachrohr.

Der Verein übt seit seiner Gründung scharfe Kritik an der offiziellen Stadtplanung wie -entwicklung, und wiederholt diese auch im jetzigen Artikel von Autor René Hornung. «Die Architekten des Vereins Masterplan prüfen nun rechtliche Schritte», schreibt er – und bezieht sich auf die zweite Etappe der Ortsplanungsrevision, die eigentliche Testplanung. In dieser war unter anderem ein Büro für die dritte Etappe, die eigentliche Ortsplanungsrevision, gesucht und auch gefunden worden.

Das auch in Solothurn vertretene Planteam S erhielt den Zuschlag statt das Büro Ecoptima, was dem Verein Masterplan gar nicht gefällt. Dessen Sprecher Daniele Grambone meint denn auch im «Hochparterre»-Artikel dezidiert: «Wir fanden den Vorschlag von Ecoptima als Basis für den weiteren Planungsprozess wesentlich geeigneter.» Der Vorschlag habe das Gewicht «auf einen urbanen Neuanfang» gelegt und berücksichtige das Masterplan-Hauptanliegen viel besser, als das von der Jury bevorzugte Team: eine konsequente Verdichtung nach innen, statt bauen auf der grünen Weise wie auf dem stadteigenen Weitblick-Areal. Denn, so argumentieren die Masterplan-Leute seit eh und je: Innerhalb des Stadtgebiets sei noch ebenso viel eingezontes Bauland vorhanden wie im 18 Hektaren umfassenden Weitblick-Areal.

«Fall Laubscher» thematisiert

Aufgenommen wird von «Hochparterre» auch der «Fall Laubscher», die Trennung der Stadt von ihrem Planer im vergangenen Sommer (wir berichteten mehrmals). Wegen «inhaltlicher Differenzen» habe Daniel Laubscher den damaligen Jury-Entscheid zugunsten des Planteams S nicht mittragen mögen. Der zu Stillschweigen verpflichtete Laubscher wird dazu im «Hochparterre» nicht zitiert. Doch habe er Forderungen zur Vorgehensweise bei der Team-Selektion an die Jury gestellt, die diese nicht erfüllen wollte.

Ein Nachspiel gabs dann zum Juryentscheid, weil das Planteam S den Zuschlag erhalten hatte, ohne dass der Gemeinderat den Jurybericht gesehen hatte. Bekanntlich führte dies zu einer SP-Interpellation, die den Stadtbehörden ein «undurchsichtiges Vorgehen» vorwarf. «Dieses Vorgehen sei nicht nur ungenügende Informationspolitik, es sei auch widerrechtlich», lässt «Hochparterre» wiederum den Verein Masterplan zu Wort kommen. 

Dieser prüfe deshalb eine Verwaltungsbeschwerde (vgl. Kasten). Denn verwunderlich sei, so die Architektur-Fachzeitschrift, dass Stadtpräsident Kurt Fluri als Präsident des Städteverbandes in einem ETH-Leitfaden bei Planungen zwar einer intensiven Partizipation und Bürgerbeteiligung das Wort rede, aber (Zitat «Hochparterre») «in der eigenen Stadt die schönen Worte nicht umsetzt».

Diskussion geht weiter

Immerhin lässt man auch Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, zu Wort kommen. Sie verweist auf die ordentliche Submission bei der Auftragsvergabe nach dem Jury-Entscheid, und dass der Gemeinderat im Dezember über den Stand der Dinge in Sachen Ortsplanungsrevision informiert worden sei (auch darüber berichteten wir ausführlich). Die Diskussion dazu sei noch längst nicht abgeschlossen, und der Verein Masterplan habe sich ja auch im Mitwirkungsverfahren geäussert. Allerdings – so «Hochparterre» – sei es bisher zu keinem direkten Austausch zwischen dem Stadtbauamt und dem Verein Masterplan gekommen.

«Wir werden bei der Ausarbeitung von Zonenplan und Bauordnung weiterhin auf die bauliche Verdichtung drängen und uns damit unbeliebt machen»; kündigt deshalb Daniele Grambone an. Und sieht für den Verein Masterplan eine Kultur in Solothurn, wo sich keiner getraue, dem anderen auf die Füsse zu treten. Auch sei beispielsweise eine Stadtbildkommission nötig, wird eine weitere Forderung in «Hochparterre» laut. Denn es sei «kein gutes Zeichen», so die Fachzeitschrift, dass seit neun Jahren kein Neubau in der Stadt mehr einen SIA-Architekturpreis erhalten habe.

«Weitblick» im Visier

Die Baulandzone sei mit dem «Weitblick» grösser als dies das Raumplanungsgesetz zulasse, greift «Hochparterre» auch eine im Vorjahr gegenüber dieser Zeitung geäusserte Kritik aus dem kantonalen Raumplanungsamt auf. Eine Rückzonung sei allerdings derzeit kein Thema, und Andrea Lenggenhager verteidigt die Einzonung als möglich, weil es sich um eine langfristige, etappierte Entwicklung über dreimal 15 Jahre hinweg handle. Und dann greift «Hochparterre» nochmals eine Kritik des gewesenen Solothurner Stadtplaners Daniel Laubscher auf: Für das Weitblick-Areal habe es bereits zwei Testplanungen von Investoren gegeben, die aber bedauerlicherweise weder publiziert worden seien noch Aufnahme in den Masterplan gefunden hätten. Was Andrea Lenggenhager nicht nachvollziehen kann. Sei doch der «Weitblick»-Stand der Dinge mehrfach vom Begleitgremium mit fachlichen wie politischen Vertretern diskutiert worden. Jetzt werde man die Infrastruktur planen sowie die Nutzungskonzepte und die Verkaufsgrundlagen erarbeiten, lässt «Hochparterre» der Leiterin des Stadtbauamtes zu diesem Thema das letzte Wort.