Solothurn
«Wir singen und sprechen mit allen, die in der Schweiz leben – egal woher sie kommen»

Der Chor der Nationen Solothurn und der Weltchor Baden luden zum Gemeinschaftskonzert in den Konzertsaal Solothurn.

Silvia Rietz
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Gemeinschaftskonzert Chor der Nationen Solothurn und Weltchor Baden
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Die zwei Chöre aus Baden und Solothurn sangen sich in die Herzen des Publikums.
Zwei Chöre - ein Konzert Chor der Nationen
Zwei Chöre - ein Konzert Chor der Nationen
 Chor der Nationen
 Weltchor Baden
 Weltchor Baden
 Weltchor Baden
Cellistin Alma Hernán Benedi
Der italienische Klarinettenvirtuose Filippo Riccardo Biuso
Der italienische Klarinettenvirtuose Filippo Riccardo Biuso
Zwei Chöre - ein Konzert
Der aus Marokko stammende Perkussionist Samir Essahbi
Zwei Chöre - ein Konzert
Zwei Chöre - ein Konzert Weltchor Baden
Zwei Chöre - ein Konzert Weltchor Baden
Zwei Chöre - ein Konzert Weltchor Baden
Zwei Chöre - ein Konzert Weltchor Baden

Gemeinschaftskonzert Chor der Nationen Solothurn und Weltchor Baden

michelluethi.ch

Der aus Marokko stammende Perkussionist Samir Essahbi und der italienische Klarinettenvirtuose Filippo Riccardo Biuso sind Spitzenmusiker, die mit Cellistin Alma Hernán Benedi und Pianist Seren Stevenson für die Internationalität, kulturelle Vielfalt und mitreissende Musikalität des gemeinsamen Konzerts der zwei «Integrationschöre», den Chor der Nationen Solothurn und Weltchor Baden, standen. Das tänzerische Volkslied «Tafta Hindi» aus Arabien faszinierte genau so wie der plattdeutsche Klassiker «Dat du min Leevsten büst».

Mitten unter den schwarzgewandeten Sängerinnen und Sänger mit den farbenfrohen Schals strahlte Franziska Hasler in der Festtagstracht der Stadt Baden. Die Deutschlehrerin für Flüchtlinge singt seit eineinhalb Jahren im Weltchor, engagiert sich für Integrationsprojekte.

Dem von Daniel Pérez geleiteten Gastchor brandeten beim jiddischen Lied vom tanzenden und singenden Rebbe Begeisterungsstürme entgegen. Klezmer-Musik ist ja die in Töne gefasste, zwischen Melancholie und Fröhlichkeit schwankende Sprache der Seele. Entsprechend sorgten Filippo Riccardo Biuso mit fröhlich jauchzenden und traurig schluchzenden Klarinettenphrasierungen und der temperamentvolle Weltchor für Gänsehaut-Feeling.

Durchs Singen aufgeblüht

Wie alle Übergänge war der Auftritt der Solothurner Sängerschaft choreografiert: Während sich die aus vielen Nationen zusammengesetzten «Badener» auf die oberen Treppenstufen zurückzogen, erklang von den Seitenbalkonen ein «Andachtsjodler», zu dessen Melodie die «Solothurner» auf die Bühne strömten.

Der goldglänzende Sari von Shobhara Prakash zog dabei die Blicke auf sich. Die junge Inderin stammt aus Chhattisgarh, der Hauptstadt des Bundesstaates Raipur, und lebt seit 14 Jahren in Subingen. «Früher fühlte ich mich oft einsam, suchte meinen Platz in der fremden Gesellschaft. Trotz Unterricht war mir die Sprache nicht sehr geläufig», erinnert sie sich. Seit sie im Chor der Nationen mitsingt, blühte sie auf, spricht sehr gut Deutsch.

Sie besitzt den roten Pass und ist voll integriert. Verblüffend auch, wie gut sich der Spanier Antonio Planelles Gallego nach drei Jahren an der Hochschule der Künste in Zürich (und seit kurzem Chorleiter in Solothurn) in Deutsch ausdrückt. «Schliessen sie die Augen und lassen sie die Musik auf sich wirken. Aber schlafen sie nicht ein», fotzelte er, bevor die Chorsänger für einmal nicht mit der Stimme, sondern mit Hände reiben, auf die Knie klatschen und auf den Boden stampfen eine eigene Klangkaskade intonierten. Man meinte, Regentropfen ans Fenster klopfen zu hören, Donnergrollen und das Auflösen des Gewitters.

Nicht minder eindrücklich der Appell eines Afghanen, der den Text und den Solisten von «Sarzamine Man» vorstellte. Der Rocksong «Wind of Change» steht für gesellschaftlichen Wandel und passte thematisch zum vereinigten Grosschor, der das Publikum zu stehende Ovationen hinriss. Auch Melody Makwand aus Simbawe genoss das Konzert. Ihre Freundin, Chorsopran Sabine Elsener aus Derendingen, lernte durch den Chor auf Migranten zuzugehen, schätzt die Vision des Projektes. Albert Weibel, ehemaliger Solothurner Integrationsbeauftragter, nahm das Konzertmotto zur Begrüssung: «Wir singen und sprechen mit allen, die in der Schweiz leben, egal woher sie kommen.» Fazit: gelungene Integration mit einem harmonisch klingenden Liederstrauss aus aller Welt.