Solothurn

«Wir sind sehr traurig»: Am Freitag ist endgültig Schluss im Hotel Astoria

In drei Tagen wird das Hotel Astoria in Solothurn definitiv geschlossen. Filmtage-Gäste und Mitarbeiter erinnern sich an Wehmut.

Am Donnerstagabend – einen Tag nach der Eröffnung der Filmtage – ist das Dachrestaurant im sechsten Stock des Hotel Astoria mit Panoramablick auf die Altstadt und den Jura bis auf den letzten Platz besetzt. In der Küche herrscht Hochbetrieb. Im Service haben Hedi Strübi und Luigi Farese alle Hände voll zu tun. Auch Signore Antonio Farese schreitet mit gefalteten Händen auf dem Rücken und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht durchs Lokal. Er vergewissert sich, dass es seinen Gästen gut geht. Auch an diesem Abend geniessen die Stammgäste zum Beispiel die feinen Rumpsteaks mit der sensationellen Kräuterbutter und die Pommes frites.

Gäste sind «schockiert und sehr traurig»

Nun denn: Am Freitag, 31. Januar, schliesst das Hotel Astoria nach über 50 Jahren unwiderruflich seine Pforten. Die Besitzerin der Liegenschaft an der Wengistrasse 13, die Genossenschaft Migros Aare, will dort Wohnungen bauen.

Rückblende: Am 1. Oktober 1967 übernahmen Antonio und Rosmarie Farese-Rösch als Pächter das Hotel Astoria. Hier logierten viele Gäste aus dem In- und Ausland. Vor allem während der Solothurner Filmtage im Januar war das Astoria eine überaus beliebte und kostengünstige Unterkunft. Die gute bürgerliche Küche schmeckte einem breiten Publikum. Der Service war aufmerksam und stets freundlich, jederzeit mit einem offenen Ohr für spezielle Wünsche und Anliegen. Vor anderthalb Jahren bekam die Réception im Zusammenhang mit dem Umbau der Migros sogar noch ein neues Gewand.

Unter den vielen Gästen weilen Therese und Georges von Büren: «Wir sind schockiert und sehr traurig, dass das Hotel geschlossen wird.» Sie bedauern, dass die Stadt Solothurn nicht mehr unternommen habe, um das Hotel zu erhalten. «Wir können uns gut vorstellen, dass es hier nur um den Profit geht, denn Wohnungen bringen eben mehr Einnahmen als eine Pacht», sind sie überzeugt. Für sie sei dies kein Glanzlicht für die Migros. Vis-à-vis sitzen Cornelia und Carmelo Mancuso mit Tochter Jaqueline: «Mit der Familie und mit dem Geschäft haben wir hier sehr viel erlebt.» Einmal wollte Vater Carmelo geschäftlich zu mittagessen. Da sei das Restaurant ganz voll gewesen. «Da kam Padrone Farese und bot uns im Säli im fünften Stock Plätze an. Mit Stolz haben wir hier auch die Berufsmatur unserer Tochter gefeiert.»

Und Tochter Jaqueline sagt: «Auch an anderen familiären Anlässen haben wir in diesem herzigen Restaurant gemeinsam gegessen. Ich bedaure sehr, dass diese Ära jetzt zu Ende geht.»

Meistgesehen

Artboard 1