«Ich erwarte, dass jeder von uns sein Bestes gibt», sagt Ayhan Karakas, Trainer, Fussballer und Präsident des Kurdischen FC Solothurn in Personalunion, jeweils zur Einstimmung auf die anstehenden Spiele.

Die Teamsitzungen des neu gegründeten Vereins hält er auf Deutsch ab. «Wenn wir gut spielen und trotzdem verlieren, dann kann ich das akzeptieren. Aber ich will gewinnen, und das können wir nur, wenn jeder seine Rolle erfüllt und mit ganzem Einsatz spielt.» Das könnte bei jedem anderen Verein genau gleich klingen. «Ja, wir sind alle bestens integriert», erklärt Karakas, «die meisten Mitglieder sind hier aufgewachsen und haben als Junioren in einem der städtischen Vereine gespielt.»

Irgendwann fanden sich viele der Kurden in der zweiten Mannschaft des FC Post Solothurn wieder. Andere waren noch Mitglied beim seit 2008 nicht mehr aktiven ATEES Solothurn. So entstand die Idee, den Verein wieder zum Leben zu erwecken und neu zu taufen.

Problem: heimatlos

Die Kurden versprachen sich davon, die Gewohnheitsrechte des reaktivierten Vereins übernehmen zu können. Doch die Sportkommission der Stadt tut sich – nicht zum ersten Mal – schwer damit, auf die Ansprüche eines Ausländervereins einzugehen. Das Problem kennen auch die Albaner von Iliria, und Marigona ist deswegen nach Derendingen gezügelt.

Trainieren müssen die Kurden beim Schulhaus Brühl, und sie müssen auch alle Heimspiele auswärts austragen. Nun kämpfen sie mit einer Beschwerde bei der Stadt gegen den Entscheid der Sportkommission. Sie fühlen sich benachteiligt und bestehen auf ihrem Recht, wie jeder andere städtische Fussballverein auf dem Mittleren Brühl einen Platz und Kabinen für die Heimspiele zugeteilt zu bekommen.

Keine Heimspiele – da könnte man Parallelen zum Osten der Türkei erkennen, wo die Sprache und die Kultur der Kurden unterdrückt werden. «Unsere Eltern können besser Türkisch als Kurdisch. Das macht es für die zweite Generation schwierig, die Muttersprache richtig zu beherrschen», erklärt Karatas. Deshalb sei Deutsch die wichtigste Sprache im Kurdischen FC. «Umso schöner ist es nun für die Jugendlichen mit kurdischen Wurzeln, auf dem Fussballplatz Farbe zu bekennen.»

Erste Erfolge

Rot, Grün und Gelb. Das Dress zeigt die Nationalfarben Kurdistans. Aber über die Probleme der Heimat zu sprechen, das will man im FC vermeiden. «Wir sind ein Sportverein. Die Politik lassen wir beiseite», so Karakas. Vor Spielen gegen den türkischen Sportklub müsse man keine Angst haben. «Wir werden uns fair und sportlich verhalten. Mehrere unserer Spieler haben früher beim türkischen SC gespielt. Wir sind alle befreundet.»

Sogar den ersten Erfolg konnte der FC schon feiern: Im Solothurner Cup eliminierten die Kurden im Penaltyschiessen den Drittligisten FC Selzach. Nun dürfen sie den FC Bellach aus der 2. Liga empfangen – und müssen trotzdem in Bellach antreten, weil sie von der Stadt keinen Platz bekommen.