Kulturfabrik Kofmehl
«Wir sind Berner, aber das ist wie ein Heimspiel»

«Open Season», die Berner Band um Frontmann Santosh Aerthott brachte beim Auftakt zur Deutschschweizer Klubtour die volle Halle zum Kochen.

Christoph Neuenschwander
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Konzert Open Season im Kofmehl Solothurn
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Konzert Open Season im Kofmehl Solothurn
Konzert Open Season im Kofmehl Solothurn
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Konzert Open Season im Kofmehl Solothurn

Solothurner Zeitung

Es gibt Bands, die sind richtig Klasse im Gute-Laune-Verbreiten. Da gibt es diejenigen, die heizen die Stimmung im Publikum ganz langsam an – wie ein alter Elektroherd einen Topf voll Wasser – und erreichen irgendwo in der Mitte des Konzerts die Siedetemperatur. Andere Bands, die Gaskocher unter den Musikern, sind etwas effizienter: Sie bringen einen Saal schnell und ohne Umschweife zum Brodeln. Und dann sind da natürlich noch die Tauchsieder: Bands, die vom Intro bis zur Zugabe auf Hochtouren laufen und ihr Publikum unvermittelt und unablässig mit ihrer fieberhaften Leidenschaft infizieren.

Dass «Open Season» eine solche Band ist, hat die Berner Gruppe um Frontmann Santosh Aerthott am Samstag in der Kulturfabrik Kofmehl unter Beweis gestellt. Die ausgelassen tanzende, mitsingende und Hände in die Luft werfende Menge liess daran keinen Zweifel – und das, obwohl die Stilrichtungen Reggae, Rocksteady und Ska, denen sich «Open Season» verschrieben hat, nun ja nicht mehr gerade als die trendigsten aller Klub- und Party-Sounds gelten.

Ska wiederbelebt

«Kennt ihr diesen Stil noch?», fragt Aerthott etwas selbstironisch, als die Band ein Ska-Stück anspielt. Man kennt ihn noch, auch wenn der Stil nicht mehr denselben rastlosen, leicht nervösen Charakter hat wie einst die mit Punk fusionierte Version, welche die Jugend der 80er und 90er zum Pogo animierte. Die Musik von «Open Season» ist klassischer, ursprünglicher und gemächlicher. Sie erinnert mehr an die Anfänge des Ska und Rocksteady in den 50er- und 60erJahren, besitzt aber mit ihren Elektrosounds und Dancehall-Einflüssen durchaus auch moderne Elemente.

Tanzbar ist sie allemal. Ebenso die Musik der Vorgruppe «Alaska», die mit ihrem Ska weit genug in die Vergangenheit reist, um auch die damaligen Einflüsse des Stils nicht zu vernachlässigen. So weisen einige ihrer Lieder die Struktur klassischer Rhythm-and-Blues-Kompositionen auf. Auch die Gitarren- und Keyboard-Soli der Band sind deutlich an die Jazz- und Blues-Musik angelehnt, was dem Sound von «Alaska» Farbe und einen Hauch Nostalgie verleiht.

«Louder» zum Jubiläum

Nostalgisch geht es auch bei «Open Season» zu und her, als Aerthott sagt: «Es gab viele Liebeslieder in den 60ern; heute gibt es viel zu wenige davon.» Dem Missstand entgegenwirkend gibt die Band das eher sanfte «Rock Me Tonight» von ihrem gerade erst erschienen neuen Album «Louder» zum Besten. Doch spätestens beim gleichnamigen Titelsong wird wieder frenetisch getanzt – vor und auf der Bühne (beeindruckend sind die Choreografien der Bläser).

Tanzen bis zum Morgen

Denn die Musiker haben Grund zum Feiern: Nebst der neuen Platte und dem Auftakt zur Deutschschweizer Klubtour im Kofmehl zelebriert die Band ihr zehnjähriges Jubiläum. Die Kulturfabrik in Solothurn scheint dafür der ideale Ort. «Wir sind zwar Berner, aber das hier fühlt sich an wie ein Heimspiel», lobt Aerthott das Publikum und fährt fort: «Genau aus diesem Grund machen wir diesen Scheiss seit zehn Jahren: wegen Abenden wie diesem.»

Die überschäumende Stimmung ist sicherlich zu einem grossen Teil das Verdienst des energiegeladenen Frontmanns, der das Publikum immer wieder zum Tanzen und Singen anspornt. So hallt auch die Hymne des Abends aus den vollen Kehlen der versammelten Zuschauer: «We dance until the morning comes.»

Kühle für überhitzte Halle

Schliesslich testet Aerthott, ob Solothurn dem «Berner Helikopter» gewachsen ist, bei dem alle Anwesenden einen Gegenstand wie einen Ventilator über ihren Köpfen wirbeln und den überhitzten Saal etwas herunterzukühlen versuchen. Selbst hierbei machen die Solothurner eine ausgesprochen gute Figur. Einige gekonnte Soloeinlagen auf Posaune, Saxofon und Gitarre sowie philosophische Erkenntnisse Aerthotts, wie etwa «Man muss einmal ‹uf d Schnure gheie›, erst dann erlebt man etwas», runden das Konzerterlebnis ab.

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