Stadtbummel Solothurn
Wir schreiten zur «Tabula grasa»

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Von den Bikedays her hatte das Gras im Schanzengraben ganz schön gelitten. (Archiv)

Von den Bikedays her hatte das Gras im Schanzengraben ganz schön gelitten. (Archiv)

zvg/Simon von Gunten

Gras gewachsen ist über das, was einst Gras war und dann nicht mehr. Wir reden vom «Mayday» des Schanzengrabens. Jeden Mai kommt aus ihm nach den Bike Days der Notruf: «Schaut her, wie ich geschunden bin, tut etwas für mich!» Das tun sie auch, die Werkhof-Mannen von Patrick Schärer. Wer noch vor kurzem den ehemaligen Fuss- und heute Velo-Fussweg entlang der Bastion zu begehen getraute, staunte: Wie war das Grün ins Kraut geschossen! So hoch wie die Säuli, die bald wieder – allerdings auf Holzspänen – unten ihre Runden drehen.

Gras von gestern also, wenn die zweite Urkatastrophe nach den Bikern über den Grabengrund hereinbricht: das Heso-Tag- und Nachtleben. Dafür soll zwischenzeitlich grünen, was grünen kann. Das Bord ist zugunsten eines ungestörten Wachstums – wir sahen gar dem «Gras» ähnliche Gräser – neuerdings mit einem komischen Häägli abgesperrt. Holzpföstli und ein langes Hanfseil sichern die Plantage und damit auch den Grabengrund vor unerwünschtem Betreten. Was irgendwie irritiert. Früher konnten wir Buben dort noch tschutten, im Winter schlitteln oder uns sonst wie amüsieren. Jetzt dürfen dies nur noch rund zwei Wochen lang «Speichenlecker», Säuli und Hesoisten. Moderne Dreifelderwirtschaft: 14 Tage Nutzung, sonst angesäte Brache und Wachstumsphase. Immerhin, nun wurde alles radibutz gemäht. Somit könnte man dort unten drei Grümpelturnier-Plätzli oder Volleyball-Feldli einrichten. Jetzt, wo uns die EU den Kunstrasen verbieten will!

Ins Gras beissen kann derzeit, wer einen Aare-Schwumm riskiert. Denn riesige Grasschwaden treiben Tag für Tag sachte Richtung Flumenthal, wo ihrer der Rechen harrt. Der unbarmherzig für sich behält, was so durch Solothurn schwimmt: PET-Flaschen, Treibholz, das verkohlte Skelett des Bööggs, zum Glück ganz selten gar eine echte Wasserleiche. Und eben das Gras. Irgendwo oberhalb von Bellach – geben wir wieder einmal den Grenchnern die Schuld – müssen sie sein, die cheibe Ramseiers. Die, wo «wöi go gra-aha-aase»...