Junges Theater Solothurn

«Wir, Räuber» beweist, dass Sturm und Drang modern geblieben ist

Die Räuberbande um Karl von Moor schwört sich auf den Kampf gegen die Ungerechtigkeit ein.

Die Räuberbande um Karl von Moor schwört sich auf den Kampf gegen die Ungerechtigkeit ein.

Ein neues Stück angelehnt an Schillers «Räuber» fordert heraus. Das Junge Theater Solothurn beweist mit dem Stück «Wir, Räuber», dass auch ein Bühnenklassiker sehr revolutionäres Gedankengut verbreiten kann.

Nichts ist für junge Leute so attraktiv wie eine Revolution und ihre Revolutionäre. Eine Gesellschaftsordnung auf den Kopf zu stellen, alles zu hinterfragen, neue Ideen voranzutreiben; das ist heute so und das war auch schon vor über 200 Jahren so. Damals gab ein gewisser Friedrich Schiller, 22-jährig, mit seinem ersten Stück über eine revolutionäre Bande sein Bühnendebüt und löste damit einen Theaterskandal aus. Der junge Schiller musste aus Mannheim, dem Ort der Uraufführung, fliehen.

Bis heute hat Schillers Drama «Die Räuber» über die Bande um Karl von Moor, die zwischen Gut und Böse hin- und hergerissen ist, nichts von ihrer Faszination eingebüsst.

«Wir, Räuber» heisst das Schiller-Stück nun, welches die zehn jungen Protagonisten unter der Regie von Christoph Oser-Meier am kommenden Sonntag in der Rythalle in Solothurn zur Uraufführung bringen. Es ist noch immer ein Stück um Schuld und Unschuld, Gruppendruck, Liebe, Familienbande, Einsamkeit und Identitätsfindung geblieben. Doch dann brechen die Schauspieler aus ihrer Theaterrolle aus, werden zu den Jugendlichen der Jetzt-Zeit und hinterfragen das Stück, seine Themen und seine Figuren. Das Team stülpt sich im Nebenstrang der Geschichte den neuen Trend «Acting Trips» über und setzt sich damit Regeln aus, um sich selbst, aber auch die Mitspieler beim Spiel zu beobachten und zu bewerten. Viel Arbeit für die jungen Schauspieler – entsprechend chaotisch wird es hin und wieder auf der Bühne.

Schillers Plot wird aber im Grossen und Ganzen beibehalten, einige Passagen jedoch ohne Hemmung weggelassen. Übrig geblieben ist damit ein Jugendstück, das heutige Schüler ab 14 Jahren begeistern soll und das beweist, dass die Gedanken-Welt des Sturm und Drang modern geblieben ist. Ein vermeintlich verstaubter Bühnenklassiker kann nach wie vor ein sehr revolutionäres Gedankengut verbreiten.

«Die Räuber» haben viel zu sagen

Der Regisseur verriet am Rande einer Hauptprobe, dass er bei der Erarbeitung des Stückes nie auf Widerstand bei den jungen Akteuren gestossen sei. «Ich hab’ selbst nicht wenig gestaunt, dass ‹Die Räuber› den jungen Schauspielern noch so viel zu sagen haben». Erstaunlich ist im Besonderen für den Betrachter, dass Schillers Sprache den jungen Leuten so natürlich über die Lippen kam. Das eine oder andere Bonmot ist im Text zu hören auch wenn auf der Bühne viel gekämpft, gerauft und gestritten wird.

In der U21-Truppe werden Männerrollen mit grösster Selbstverständlichkeit von jungen Frauen dargestellt. Das Team wird – nicht nur weil er den Räuberhauptmann spielt – von Elias Baumann als Karl von Moor angeführt. Ihm steht aber mit Fiona Fankhauser als böser Bruder Franz von Moor eine ebenbürtige Gegenspielerin gegenüber. Intensiv auch das Spiel von Nadja Bruder als Spiegelberg oder Lara Desdemona Kofmel als Amalia.

«Wir, Räuber» wird speziell auch in Schulklassen gespielt. Dazu wird den Schulen ein Workshop zur Vorbereitung, eine Vorbesprechung, sowie eine Nachbesprechung mit dem Regisseur angeboten. «Normale» Theaterbegeisterte werden sich daran erfreuen, Schillers Räuber in einer so frischen, frechen und unkonventionellen Art wiederzusehen.

Aufführungen in der Rythalle: So 18.5. 19 Uhr, Mo 19.5. 14 Uhr (Schulvorstellung); Di 27.5. 14 Uhr (Schulvorstellung); Di 27.5. 19.30 Uhr.

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