Solothurn
«Wir machen die Welt, wie sie uns gefällt» – auf den Quartierspielplätzen gibts viel Action

Auf den drei Solothurner Quartierspielplätzen Güggi, Tannenweg und Villa 41 verbringen rund 80 Kinder eine spannende Ferienwoche mit viel Action. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kindercoaches.

Wolfgang Wagmann
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Herbstferienaktion 2019 in Solothurn Auf dem Tannenweg-Areal hinterlassen Raubkatzen ihre Spuren auf dem Boden.
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Herbstferienaktion Solothurn
 Im Güggi ist die Kinderschar vor Sonne wie Regen geschützt.
 "Deine Spuren ar Wand, die ich gestern noch fand."
 Im Güggi fehlt es an nichts.
 So entsteht eine ganze Burg aus Korkzapfen.
 LIs Dreier, die Bauunternehmerin auf dem Areal der Villa 41.
 Sie eifert Pippi Langstrumpf nach.
 Hauptsache blau.
 Die Arbeit mit Pinsel und Farbe macht sichtlich Spass.
 Am Tannenweg gibts blaue Finger.
 Auch die Farbe Rot hat ihre Fans.
 Basteln mit Hingabe im Güggi.
 Für sie hält das neue Dach neben der Villa 41, was es verspricht.
 Das war einmal ein ganz normaler Velo-Anhänger.
 Bald gibts ein feines Zmittag im Garten der Villa 41.
 Der "Kochherd" steht bereit.

Herbstferienaktion 2019 in Solothurn Auf dem Tannenweg-Areal hinterlassen Raubkatzen ihre Spuren auf dem Boden.

Wolfgang Wagmann

«Und wer will T-Shirts bedrucken?» Es war zu erwarten gewesen. «Iiiiig!» Die Hälfte aller Hände im Güggi-Versammlungsraum fliegen in die Höhe. Milena Adamo, die Leiterin des Vorstadt-Quartierspielplatzes, überlässt das Gros der Kinder der Obhut von Zoë Althaus. Die junge Frau hat schon tags zuvor am Tannenweg für T-Shirt-Euphorie gesorgt. Doch es gibt noch genug anderes zu tun für die 27 Kinder und 7 Kindercoaches sowie die Assistentin Nora Steffen.

Zum Beispiel die grosse, blaue Holzrakete auf dem Spielplatz zu bemalen oder die Korkzapfen-Burg fertig zu bauen. Für Milena Adamo soll aber keineswegs alles streng nach Programm verlaufen. «Es bleibt genug Zeit zum Tschutten oder um Spiele zu machen.» Ist doch das grosse Vorbild für die Aktivitäten der Aktionswoche das schwedische Kinderidol Pippi Langstrumpf, das stets nach dem Motto gelebt hat: «Wir machen die Welt, wie sie uns gefällt.»

Auf Spurensuche in der Weststadt

Etwas philosophischer ist der Ansatz von Gina Kirchner, die im Weststadt-Quartierspielplatz eine äusserst lebendige Schar von 25 Kindern leitet. «Damit sind wir an der oberen Grenze.» Zumal der ganze Betrieb recht dezentral aufgestellt ist. Gilt es doch Spuren zu entdecken - aber auch Spuren zu hinterlassen. Das darf die eine Gruppe an der Barackenwand, eine andere auf dem Boden des Eingangsbereichs, wo bald einmal gelbe Acryl-Raubkatzenpfoten per Schablone den Teer zieren. «Ein Jahr lang halten die mindestens», ist ein Bub überzeugt.

"Spuren kann man aber auch hören», verweist Kirchner auf eine andere Gruppenaktion, bei der Kinder mit verbundenen Augen Laute, ausgestossen von den Gspänli, identifizieren müssen. Aber auch ausserhalb des Spielplatzes geht es um das Beseitigen von Spuren – «zum Beispiel Abfall» – und um die Spurensuche etwa auf einer Schnitzeljagd. Und nicht zuletzt werden Naturspuren in Gipsreliefs verewigt.

Die Grossbaustelle an der Weissensteinstrasse

«Villa 41». Benannt ist der Quartierspielplatz Nummer drei an der Weissensteinstrasse nach der dortigen alten Villa in Stadtbesitz. Viel um die Ohren hat Leiterin Lis Dreier, denn ständig braucht ein Kind Werkzeug für die vielen Baustellen auf dem Areal. «Die Hütte dort drüben hat ein Dach erhalten, die Buben wollten unbedingt eins.» Nebenan erhebt sich ein raffinierter Kuppelbau, auf einem Tisch stapeln sich Eierkartons zur Umsetzung des Themas Turmbau. Auch eine Holzeisenbahn mit Harass-Wagen nimmt Formen an.

Der Regen am Dienstag? «Das war kein Problem», verweist Lis Dreier auf das grosse Metalldach, das die Stadt an der Villa-Wand angebaut hat. Ein Indiz für die seit 20 Jahren aktive Spielplatzleiterin, dass das einst befürchtete Ende der Villa noch nicht in Sicht ist. Vor ihr, im weitläufigen Garten, künden der Pizzaofen und die Brätelstelle von einer intakten Kinder- und Erwachsenengemeinschaft. Lis Dreier: «Wir kochen immer auf dem Feuer - auch wenn es mal regnet.»

Wenn aus Kindern Coaches werden

Nach den Herbstferien wird Milena Adamo, Leiterin des Quartierspielplatzes Güggi, in einem Kurs 15 Kindercoaches für alle drei Spielplätze ausbilden. «Die Kids sind sehr motiviert», weiss sie aus Erfahrung. Sieben unterstützen sie nun bei der Herbstferienaktion. Dylan war schon als Kind immer im Güggi, und Laura erklärt ebenfalls: «Ich bin schon seit dem Chindsgi ständig da gewesen.» Ähnlich tönts bei den Andern. Pauline ist in der 6. Klasse auf den Geschmack gekommen und engagiert sich seither als Kindercoach. «Ich wollte im Güggi bleiben», und «es ist schön, den Kindern helfen zu können», sind auch die Motivationen von Lionel, Cedric oder Sara. Tim meint: «Ich arbeite gerne mit Kindern, und es macht ganz einfach Spass.» Nur über zwei Coaches verfügt dagegen Gina Kirchner auf dem quirligen Quartierspielplatz Tannenweg – es sei nicht einfach, in der Weststadt geeignete 13- bis 15-jährige Jugendlichen zu rekrutieren, «sie haben in diesem Alter oft andere Interessen». Fünf Kindercoaches hat dagegen in der Villa 41 Lis Dreier zur Hand; auch Eltern unterstützen sie. «Am Montag half uns ein Mann beim Hüttenbau», schätzt sie solche Unterstützung sehr.

Die Eltern müssen übrigens nur 30 Franken Beitrag pro Kind entrichten. «Die übrigen Kosten laufen über unser ordentliches Budget», weiss Monika Roth als Geschäftsführerin der Quartierspielplätze die Unterstützung der Stadt zu schätzen. (ww)