Solothurn

«Wir hatten stets ein Super-Team»: Frontfrau verlässt «Alten Stephan» nach 25 Jahren

Roberta Zaugg freut sich auf neue Herausforderungen nach der Zeit im «Alten Stephan».

Roberta Zaugg freut sich auf neue Herausforderungen nach der Zeit im «Alten Stephan».

Nach 25 Jahren beendet Roberta Zaugg im Restaurant Zum Alten Stephan ihre Rolle als Gastgeberin.

«Hinter einem starken Mann steht eine starke Frau.» Ein Beweis dafür ist sicher Roberta Zaugg. «Andy war stets im Vordergrund und ich im Hintergrund», gibt sie sich bescheiden. Was nur bedingt stimmt: Ihr Mann Andy Zaugg hatte sich auf dem «Alten Stephan» am Friedhofplatz zwar einen Michelin-Stern und 17-Gault-Millau Punkte erkocht und wurde in der Gastro-Welt entsprechend gewürdigt.

Frontfrau und Seele des Haus war aber bis jetzt Robert Zaugg gewesen – zwei Jahre nach ihrem Mann zieht sie sich nach einem Vierteljahrhundert auch im «Stephan» zurück. Der Betrieb geht nun definitiv vollumfänglich ans Pächter-Ehepaar Tamara und Stefan Bader über. «Es ist ein grosses Glück, dass wir so eine tolles Paar als Nachfolger haben. Das ist nicht selbstverständlich.» Für sie wäre es «schade um das Haus» gewesen, in das Roberta und Andy Zaugg viel Geld und Herzblut gesteckt haben. Und das auch weiterhin im Besitz der Familie bleibt.

Beim Kochen kennen gelernt

Roberta O’Brien wuchs im südirischen Cork auf, wo ihre Eltern zwei Hotels führten. «Als Mitglied einer Hoteliersfamilie hatte ich in der Küche nichts verloren.» Die junge Frau absolvierte zunächst die Hotelfachschule in ihrem Heimatland, ehe sie erst mit 19 ihre Faszination fürs Kochen entdeckte. In einem englischen Relais Château verdiente sie ihre ersten Küchen-Sporen ab. «Ich war begeistert» – und offenbar sehr talentiert. Denn schon mit 23 hatte die junge Köchin den Sprung nach Schaffhausen, in André Jegers Topadresse «Fischerzunft» geschafft. Allerdings konnte sie nicht ganz ihren Wunschjob als Saucière, zuständig für Fisch und Fleisch, ausüben. «Der Patissier hatte gerade gekündigt, und so musste ich halt ein halbes Jahr lang für die Desserts sorgen», erinnert sich Roberta Zaugg.

Ein halbes Jahr war damals auch der junge Andy Zaugg bei Jeger in der Ausbildung. Am gemeinsamen Kochherd begann auch ihre gemeinsame Zukunft. «In der Küche kam es nicht infrage, eine Beziehung zu haben», schildert Roberta Zaugg die harten Bräuche der Koch-Zunft. Aufgeflogen sei das Ganze dann doch: «Wir kamen einmal beide zu spät – und zwar zusammen.» Nun, die Leidenschaft blieb, auch fürs Kochen. Und so wurde in Irland Hochzeit gefeiert: zehn Tage lang – mit 38 Schweizer sowie 520 irischen Gästen. «Danach waren wir völlig kaputt. Und ich blieb 26 Stunden im Bett.»

Lebenswerk «Stephan»

Im Herbst 1992 übernahm das Ehepaar das damals recht heruntergekommene Traditionshaus Zum Alten Stephan am Friedhofplatz. Vorerst wurde einmal die heute so prächtige Fassade renoviert, und als Andy Zauggs Vater 1999 verstarb, erwarb das Ehepaar das Haus und baute es sukzessive aus und um. Punkt um Punkt mehr im «Gault Millau» erkochte sich nun Andy Zaugg, bis auch noch der Michelin-Stern dazukam.

Unumwunden räumt Roberta Zaugg ein: «Es war schon sehr stressig. Jeder Service musste exakt stimmen. Und das in einem kleinen Haus auf zwei Stockwerken.» Dazu wurde stets grosser Wert auf die Ausbildung von Nachwuchs im Service und in der Küche gelegt. «Aber wir hatten stets ein Super-Team», blickt die Fachfrau anerkennend auf all die Jahre im «Stephan» zurück.

Der Tradition verbunden

Gesellschaftliches Leben, verbunden mit einer Küche auf höchstem Niveau – auch das Ehepaar Bader steht bereits wieder bei 14 Gault-Millau-Punkten – war für Roberta und Andy Zaugg Programm. Der «Stephan» ist eine Fasnachtshochburg seit über 150 Jahren: Hier eröffnet die Narrenzunft Honolulu am 13. Januar, dem Hilari-Tag, die Fasnacht und beschliesst sie am Aschermittwoch mit dem Löschen der Narrenlaterne.

«Ich habe sieben Zunft-Ober erlebt», schaut Roberta Zaugg auch auf diese oft intensive Facette ihrer 25 «Stephan»-Jahre zurück. «Zweimal war ich am Hilari hochschwanger im Einsatz», lacht die Mutter von Fabienne und Brian. Und hofft, dass das Traditionsrestaurant während der Fasnacht weiterhin lebt, auch durch den Besuch von Schnitzelbänken.

«Noch viel Energie»

Auch wenn nun Roberta Zaugg ab Jahres-ende nicht mehr als «guter Geist» zwischen Buffet und den Tischen auftaucht, «langweilig wird es mir sicher nicht.» Aktiv bleibt sie im ZA-Catering ihres Mannes und im Coaching, zudem gibt sie Kochkurse im Rahmen des «Smart living lab» in Oensingen, wo für diesen Zweck in Zusammenarbeit mit «bonacasa» eine Musterküche eingerichtet worden ist. «Ein spannendes Projekt. Wir bringen älteren und jüngeren Menschen bei, wie sie länger oder besser vernetzt in ihren vier eigenen Wänden leben können», erklärt Roberta Zaugg. Die 54-Jährige sprüht regelrecht vor Aufbruchstimmung: «Ich bin keineswegs pensioniert und habe noch Energie für viel mehr.»

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