Kurt Fluri
«Wir hatten immer Hoffnung, dass die Wasserstadt halt doch möglich ist»

Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri hat immer vor den Stolpersteinen gewarnt. Trotzdem freut er sich nicht über das Aus für die Wasserstadt. Seine Solothurner müssen vielleicht bald mehr für «Ghüdersäcke» zahlen.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Hat die Stolpersteine früh gesehen: Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri.

Hat die Stolpersteine früh gesehen: Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri.

Michel Lüthi

Kurt Fluri, nun ist klar, dass die Wasserstadt wohl nie kommt. Sind Sie traurig?

Kurt Fluri: Ja. Wir hatten immer Hoffnung, dass es halt doch möglich ist. Ich bin selbst auch nicht juristischer Experte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass alles nicht so einfach ist, wie es dargestellt wurde. Seit heute habe ich Gewissheit, dass es wohl nicht gehen wird. Es ist ein Gutachten. Vielleicht finden andere Juristen ja, dass es trotzdem geht.

Sie haben schon 2012 so ziemlich alle Stolpersteine genannt, die jetzt auch der Gutachter sieht. Aber es gab nie ein ganz klares Nein von Ihnen. Hat man mit den Investoren zu wenig deutlich geredet?

Wir haben die Investoren nie im Ungewissen gelassen. Aber die Investoren sind erfahren. Sie bauen nicht zum ersten Mal. Wir konnten nicht einfach abklemmen. Bevor nicht das ganze Planungsverfahren durch ist, können wir ihnen nicht abschliessend sagen: «Das geht nicht».

Oder hat man einfach nicht «Nein» sagen wollen? Es gab schliesslich viele Fans – auf allen politischen Ebenen.

Nein. Wir haben uns ja sogar darum bemüht, dass das Projekt in den Richtplan aufgenommen wird, weil wir die Idee genial fanden. Es wäre sehr interessant gewesen, die Stadtmistsanierung mit der Wasserstadt gegenzufinanzieren. Das war die Verlockung, der wir erlegen sind.

Die Investoren argumentierten jeweils: Wenn die Politik nur wollte, wäre die Wasserstadt bald gebaut. Als Sie früher auf die Stolpersteine hinwiesen, wurde Ihnen vorgeworfen, das Projekt zu verhindern. Nun wird wieder der Vorwurf kommen, Visionäres sei nicht möglich.

Na gut, wer gesagt hat, wir wollten nicht, der ist einfach naiv. Und wer nun sagt, die Stadt wolle nicht, nimmt die kantonalen, vor allem aber die bundesrechtlichen Rahmenbedingungen nicht zur Kenntnis. Es wäre eine Art Realitätsverlust, nun zu sagen, die Stadt wolle nicht. Aber ich rechne schon mit diesem Vorwurf. Irgendjemand muss ja nun den schwarzen Peter erhalten.

Sie werden damit leben können?

Ja. Weil mir die Argumentation von alt Bundesrichter Aemisegger einleuchtet. Aber man sagt manchmal ja: 10 Juristen, 20 Meinungen. Vielleicht findet jemand ja das Gelbe vom Ei, findet eine Kompensationsfläche oder kann den Gewässerschutzartikel entkräften.

Was kommt finanziell nun auf die Stadt zu?

Wir haben die Vorschätzung des Bundes, der gesagt hat, die Totalsanierung koste fast 300 Mio. Franken. Der Kanton sagt, dies könne man auf 150 Mio. Franken zusammenschrumpfen. Davon würden Bund und Kanton je 40 Prozent tragen. Wir hätten die restlichen 20 Prozent. Im besten Fall würden 30 Mio. an uns hängen bleiben. Das ist etwas, das die Stadt nicht unter den Boden bringen würde. Es gäbe eine langfristig angelegte Spezialfinanzierung, möglicherweise über die Abfallfinanzierung, also den «Ghüdersack».

Am 23. Dezember lag das Gutachten bereits vor. Erst jetzt wird es vorgestellt, wenige Tage nach der Fusionsabstimmung. Wollten Sie nicht damit belastet in die Abstimmung?

Nein. Ich glaube, dass ich den Zuchwilern schon immer zu spüren gegeben habe, wie ich die Chancen einer Wasserstadt beurteile. Sie haben sich von dieser nicht blenden lassen. Es ging einfach terminlich nicht früher. Da waren Fasnacht, Ferien und Session.