Solothurn
«Wir hätten einen super Frühling gehabt»: Die Öufi-Flottille darf wieder auslaufen

Seit dem 6. Juni kann auch die Öufi-Flottille im Solothurner Bootshafen wieder für Ausflugs- und Gesellschaftsfahrten auslaufen.

Wolfgang Wagmann
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Die Crews der drei Öufi-Boote hoffen mit dem Betreiber-Ehepaar Brigitte und Iwan Pfyl (4. und 3. v. r.) auf eine doch noch gute Saison.

Die Crews der drei Öufi-Boote hoffen mit dem Betreiber-Ehepaar Brigitte und Iwan Pfyl (4. und 3. v. r.) auf eine doch noch gute Saison.

Wolfgang Wagmann

Die Boote dümpeln im Hafenbecken; an einer grösseren Jacht ist der Frühlingsputz im Gang. Ansonsten herrscht draussen auf der Aare bleierne Ruhe – wie schon seit Monaten. «Vor dieser Saison haben wir gedacht, jetzt können wir so richtig durchstarten.» Ywan Pfyl schaut sinnend zum Fenster des Hafenrestaurants Pier 11 hinaus. Mitten im Blickfeld das Flaggschiff seiner Öufi-Flottille, die MS Wyssestei. Seit dem Frühling 2016 betreiben er und seine Frau Brigitte als Geschäftsführerin einer GmbH das Bootsgeschäft, haben es damals mit der Anschaffung und Sanierung der grössten Einheit auf Vordermann gebracht.

Und als letztes Jahr noch mit der Regio Energie Solothurn ein Sponsor gefunden werden konnte, schien alles perfekt für diese Saison aufgegleist zu sein. «Im März beginnt normalerweise unser Frühlingsgeschäft zu laufen», so Pfyl. Doch ausgerechnet dann kam der Lockdown. Und damit gab es für das Ehepaar Pfyl ebenso nichts mehr zu tun wie für die vier Personen, welche die grösseren Boote fahren, die drei Leichtmatrosen und die sieben Schiffsführer des Öufi-Boots.

46 bestellte Fahrten wurden abgesagt

«Bis zum 6. Juni ist nun die ganze Flotte stillgestanden», blickt Ywan Pfyl auf eine Zeit zurück, die ihm wehtat. «Denn wir hätten einen super Frühling gehabt. Stets schönes Wetter und nie Hochwasser wie oft um diese Zeit.» 46 Fahrten seien abgesagt worden, «und Offerten wie Anfragen gabs gleich null». Der Bestellungseingang liege jetzt bis September auf nur gerade 30 Prozent des Vorjahres, man rechne mit vielleicht 50 Prozent des Vorjahresumsatzes. Auch die zweimal in der Woche durchgeführten Gratis-Fahrten für die TCS-Campinggäste finden derzeit noch nicht statt. «Wir können nun wieder 30 Passagiere an Bord nehmen», freut sich Pfyl immerhin auf das Wiederanlaufen des Geschäfts. Seine Hoffnung ist, dass viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien im eigenen Land verbringen wollen, «und vielleicht gibt es ja noch einen starken Herbst».

«Spätestens da kommen allen die Tränen»

Das Geschäft mit den Bootsfahren wäre an sich gut aufgestellt und breit abgestützt. Die winterlichen Fonduefahrten seien «gut angelaufen», daneben bietet das Ehepaar Pfyl Gesellschaftsfahrten bis nach Büren und Biel an, und seit dem letzten Sommer auch hinunter in den Uferpark im Attisholz. «Dafür haben wir zum Glück eine Spezialbewilligung erhalten.» Aber auch Stadtführungen per Boot, Hochzeiten wie Klassenzusammenkünfte gehören zum Repertoire. «Doch gerade diese buchen ältere Fahrgäste, die halt mehr Angst haben», weiss Yvan Pfyl.

Ein ganz spezielles Angebot sind Urnenbestattungen «auf hoher See», sprich der Aare. Dabei wird eine Urne, die sich nach rund zwei Wochen auflöst, dem Wasser übergeben. «Auch werfen wir an dieser Stelle Blumen ins Wasser, die wir dann mit dem Boot nochmals umrunden. Und wenn dazu das Schiffshorn 30 Sekunden lang zum letzten Gruss tutet, dann spätestens kommen allen die Tränen.» Doch auch diese Art Bestattungen sei dem Virus zum Opfer gefallen, bis auf eine, die verschoben worden ist.

Immerhin können Pfyls auf viel Solidarität am Wasser bauen. So sei das Verhältnis mit der grossen Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft BSG gut. «Wir sind keine Konkurrenz und können sogar ihre Stege zum An- und Ablegen benutzen», betont der Bootsunternehmer.

Die Öufi-Flottille

Die Öufi-Flottille im Solothurner Bootshafen besteht aus drei Einheiten: Das Flaggschiff ist die 2016 umgebaute und renovierte MS Wyssestei, die theoretisch 44 Passagieren Platz bietet. Das mittlere Boot, die MS Pisoni, kann 28 Fahrgäste befördern. Die Flottille wird ergänzt durch das dritte und kleinste Schiff, das Öufi- Boot. Es kann 11 bis 12 Passagiere befördern. (ww)

Buchungen sind möglich über Tel. 079 511 00 11 oder über E-Mail info@oeufi-boot.ch.