Das Geschäftsjahr 2014 ist für die Regiobank Solothurn «ganz positiv» verlaufen, doch für Verwaltungsratspräsident Felix Leuenberger und CEO Markus Boss ist das bereits Geschichte. Denn seit die Euro-Untergrenze gefallen ist, herrscht auch bei den Banken eine andere Zeitrechnung. Doch von Nervosität war am Freitag an der Westbahnhofstrasse wenig zu spüren: Natürlich würde die Ertragssituation mit den Negativzinsen schwieriger, was die Marge anbelangt.

Natürlich könnten einzelne KMU Probleme bekommen. «Aber bisher war es erstaunlich ruhig an der Kundenfront», so Boss, «viele Firmen waren darauf vorbereitet. Sie haben sich vertraglich abgesichert und für sie ist das Jahr schon fast gegessen – aber das gilt nicht für ewig», sieht der CEO doch Schwierigkeiten am Horizont, falls sich der Euro-Kurs mittelfristig bei einer Franken-Parität einpendeln sollte. «Wir haben in der Region Solothurn und Grenchen sehr viele gute Betriebe», verströmte auch Felix Leuenberger Zuversicht, zumal man nicht in Grossfirmen mit hohen Risiken engagiert sei. Bei Problemen werde man die Kunden unterstützen, doch mochte Leuenberger Härtefälle nicht ganz ausschliessen.

Weiter stellte der VR-Präsident fest, dass mit der Einführung der Negativzinsen die Hypothekarzinsen leicht angezogen hätten. «Die Banken haben gerechnet. aber das Ganze wird sich jetzt wohl einpendeln.» Und für den Immobilienmarkt sieht Markus Boss kaum grosse Auswirkungen: In den Regionen, wo eine Hausse in Sachen Immobilienpreise stattgefunden habe, könne es zu grösseren Einbrüchen kommen, «aber in unserer Region war der Preisanstieg sehr moderat und entsprechend sind die Risiken eher gering.»

Risiken vermeiden

Das gegenüber den Vorjahren sehr geringe Wachstum der Bilanzsumme führten die beiden Bank-Verantwortlichen auf die ganz bewusste Drosselung bei den Hypothekarvergaben zurück. Man habe die Politik «extremer Dumpingpreise», die teilweise bei der Konkurrenz» zu beobachten sei, bewusst nicht mitgemacht, versicherte Markus Boss. Die Tiefzinsphase mit neuerdings sogar Negativzinsen stelle die Banken vor extreme Herausforderungen, denen einige mit einem aggressiven Expansionskurs begegnen wollten. «Doch das führt zu hohen Bonitätsrisiken, wenn beispielsweise die Zinsen wieder ansteigen sollten», zeigte der CEO auf, warum die Regiobank eine solche Geschäftspolitik nicht beschreiten wolle.

Eine Immobilienblase sieht Boss weniger denn je am Horizont aufsteigen. «Der Markt ist infolge der regen Bautätigkeit teilweise gesättigt.» So lege man grossen Wert auf die Diversifikation bei den Hypothekar-Vergaben. Von 2,07 Mrd. Ausleihungen beträfen 1,89 Mrd. Franken Wohnbaufinanzierungen, davon seien 52 Prozent Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. «Die durchschnittliche Hypothek in diesem Segment beträgt bei uns 370 000 Franke, die durchschnittliche Belehnung 65,5 Prozent des Verkehrswertes. Die Finanzierungen können als sehr risikoarm angesehen werden.» Weiter verwies Boss auf den Bezug zur Region, nur gerade 13 Prozent der finanzierten Objekte «liegen ausserhalb des Kantons Solothurn.»

Nicht im US-Steuerprogramm

In der Orientierung zum Geschäftsjahr ging Felix Leuenberger auch vertieft auf die schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen für die Bankenwelt ein. Zum US-Steuerproramm habe sich die Regiobank entschieden, nicht mehr im Programm 4 mitzumachen sondern sich unter dem Punkt 5 registrieren zu lassen – «wir machen also gar nicht mehr mit.» Die immer grössere Regulierungsflut seitens der Finma und weitere Vorgaben beschäftigt auch die Regiobank Solothurn. So werde man am Programm Basel III 2017 teilnehmen. «Es wird Auswirkungen auf unsere Eigenmittelanforderungen haben», meinte Markus Boss. Und führte drastisch vor Augen, wie der Aufwand für die Banken gestiegen sei: «Basel I hatte nocheinen Umfang von 100 A4-Seiten, Basel II von 300 Seiten und Basel III ganze 3000 Seiten. Aber wir werden auch dieses regulatorische Monsterwerk verarbeiten können», gab sich der Regiobank-CEO gelassen und optimistisch.

Jubiläum in der Eishalle

Für die Aktionäre – es sind 75 mehr und die Aktie stieg 2014 von 3100 auf 3775 Franken an – hatte Felix Leuenberger einige erfreuliche Nachrichten bereit: So wird die Dividende von üblicherweise 66 Franken um 21 Prozent auf 80 Franken erhöht. Der Grund: Dieses Jahr feiert die Regiobank das 150-jährige Bestehen ihrer Vorläuferin, der Solothurnischen Leihkasse. «Da wir einen grossen Zustrom von Aktionären erwarten (in normalen Jahren sind es schon über 1000), haben wir sowohl das Datum wie auch den Ort der Generalversammlung geändert. Diese findet neu am 11. Juni zwar nach wie vor in Zuchwil statt. Aber nicht in der Sporthalle, sondern in der grösseren Eishalle.» Auch werde es etliche Attraktionen geben, versprach Leuenberger. Insgesamt zählt die Regiobank 5718 Aktionäre, Hauptaktionärin ist nach wie vor die Stadt Solothurn.

2010 soll dann nicht mit den Aktionären sondern mit der Kundschaft das nächste Jubiläum, 200 Jahre Regiobank zurückgeführt auf die Gründung der Ersparniskasse, gefeiert werden.

Im weiteren gab Felix Leuenberger bekannt, dass die Geschäftsleitung ab März um Thomas Meuli, Leiter Privatkunden, auf neu vier Köpfe ausgebaut wird.