Solothurn

«Wir gehören nach Solothurn»: Die Glutz AG ist der Stadt seit 150 Jahren treu

Fast keiner weiss es, aber fast jeder Schweizer hat täglich mehrmals ein Produkt der Solothurner Firma Glutz in seinen Händen. Der Traditionsbetrieb fertigt Türschlösser und Türgriffe, und das nun seit 150 Jahren. Gestern wurde gefeiert.

Es ist etwas widersprüchlich. Einerseits produziert die Solothurner Glutz AG an vorderster technischer Front, passt sich laufend veränderten Marktbedingungen an, rüstet die Universität Singapur mit 3000 Türen und entwickelt hochtechnologisierte Schliesssysteme, die erst nach dem Scannen des Fingerabdrucks Zugang zum Tresor gewähren.


Auf der anderen Seite scheinen Veränderungen überhaupt nicht zum Unternehmen an der Segetzstrasse hinter dem Westbahnhof zu passen. Der Firmensitz ist noch immer am gleichen Standort, an dem der Solothurner Ratsherrensohn Viktor Glutz-Blotzheim 1863 die Schlossfabrikation begann. Die Fundamente der alten Stadtmauer, die man damals aus Kostengründen als Wand nutzte, sind noch immer sichtbar. Und auch nach 150 Jahren sind noch immer mehr als 98 Prozent der Aktien im Besitz der Gründerfamilie, die nicht daran denkt, diese zu veräussern.

Über 190 Angestellte in Solothurn

Das Statement der Gründerfamilie sei es, die Firma gesund in die nächste Generation zu geben, sagt Geschäftsführer Peter Riedweg. Ein Verkauf sei weder in dieser noch in der nächsten Generation vorgesehen. Über 190 Angestellte beschäftigt die Firma in Solothurn, 270 sind es weltweit.

Maschinen laufen in den Produktionsräumen, es riecht nach Oel und Metall. In der Schleiferei werden die Türgriffe von den Mitarbeitern noch immer von Hand poliert. Und in der Handarbeit sieht Geschäftsführer Riedweg einen von zwei Firmenzweigen, die künftig noch stärker entwickelt werden können. Bei der Sanierung historischer Gebäude will die Glutz eine starke Rolle spielen.

«Der Renovationsmarkt ist interessant», sagt Riedweg. 12 000 alte Muster aus dem Fundus der Kunstgiesserei und Metallwarenfabrik Kohler in Riedtwil hat die Glutz übernommen, die in Kleinserien hergestellt werden können. Auch Spezialteile für Oldtimer und Glocken für Schwingfeste werden in der Giesserei gegossen. Dort stehen auch noch immer die Anlassöfen aus der Gründungszeit.


U-Bahn in Bangkok und Tate Modern als Kunden

61 Mio. Franken Umsatz hat das Unternehmen 2012 erwirtschaftet. Mit über 60 Prozent Marktanteil ist sie Schweizer Marktführerin. «Wir sind international, nicht global tätig», sagt Riedweg. «Erfolgreich sind wir in vergleichbaren Märkten», sagt Riedweg. Singapur, Norwegen, Holland und Oesterreich gehören dazu. Im wichtigen deutschen Markt seien dagegen Anpassungen vorgenommen worden. Künftig wird nicht mehr über ein Handelsunternehmen vertrieben. Die Glutz AG will sich laut Riedweg mit eigenen Leuten auf die Ballungszentren konzentrieren.

Die Solothurner Firma kann international namhafte Kunden vorweisen. Die U-Bahn in Bangkok, die neue Oper in Oslo und die Tate Gallery in London sind einige der prominenten Kunden.

«Wir gehören nach Solothurn»

Neben den antiken Schlössern soll ein weiterer Firmenzweig die Firma in die nächsten Jahre führen: Eines der innovativsten Produkte derzeit ist das elektronische Schliesssystem, das einen temporären Zugang erlaubt. Eingesetzt werden soll es bei Spitälern. Geht der Notruf aus einem Altersheim oder einer Seniorenresidenz ein, wird für das Rettungsteam automatisch ein Code generiert, mit dem es während eines bestimmten Zeitfensters Zugang zum Gebäude erhält. Damit entfällt, dass in den Rettungsfahrzeugen Schlüssel aufbewahrt werden müssen.

Die Elektronik in Verwaltungsgebäuden komme zunehmend auch im privaten Wohnen zum Tragen, sagt Riedweg. Auch Software und Entwicklung sind in der Schweiz. Sie befinden sich in Wallisellen. Trotzdem: Solothurn soll auch künftig Haupt- und Produktionssitz bleiben. «Wir haben vor drei Jahren eine Standortanalyse durchgeführt», sagt Riedweg. «Das Ergebnis war: Wir gehören hierhin.»

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