Solothurn
Winter-Schutzbauten ohne Baubewilligung — was halten die Gastro-Betreiber vom Angebot?

Die Stadt Solothurn unterstützt Gastro-Betriebe, indem diese ohne Baubewilligung ihre Aussenbereiche schützen können. Was sagen die Betreiber?

Judith Frei
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Die engen Platzverhältnisse am Landhausquai sind eine Herausforderung für die Betreiber.

Die engen Platzverhältnisse am Landhausquai sind eine Herausforderung für die Betreiber.

fvo

Einen Kaffee auf einer Terrasse zu trinken oder am Abend noch einen Apéro unter freiem Himmel zu geniessen, wird bei den herbstlichen Temperaturen stets ungemütlicher. In den Innenräumen der Gastro-Betriebe hat es aber wegen den Corona-Schutzmassnahmen weniger Platz – möglich auch, dass einige Gäste sich wegen der Pandemie nicht in einem geschlossenen Raum aufhalten wollen.

Dem Problem will die Stadt mit einer neuen Weisung abhelfen: Letzte Woche verkündigte sie, dass man sogenannte «Witterungsschutzbauten» lediglich mit einer Bewilligung zur Nutzung des öffentlichen Raums und nicht mit einer Baubewilligung erstellen darf. Diese Massnahme wurde explizit zur Unterstützung der Gastrobranche ergriffen.

Solche Zelte oder sonstiger Witterungsschutz wären möglich:

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Die Sorge, vergeblich Geld zu investieren

«Diese Massnahme ist eigentlich super», erklärt Michel von Burg von der Solo-Gastro AG, welche die Aarebar am Landhausquai betreibt. Trotzdem: Die Aarebar wird vorerst davon keinen Gebrauch machen, da die Lage zu unsicher sei. «Wenn wieder ein Lockdown kommt, dann haben wir das Geld vergeblich investiert», erklärt von Burg das Zuwarten.

Auch sei unklar, ob die Gäste in dieser Situation noch in ein Restaurant gehen würden. Er habe einen Rückgang, insbesondere unter der Woche, beobachtet. Pläne um den Aussenbereich in den kalten Jahreszeiten gemütlicher zu gestalten, hat er aber schon. So will er einen Windschutz auf den Seiten aufstellen, die Sonnenschirme bilden das Dach. Dadurch soll die Luft noch zirkulieren können.

Stephan Marti, Betreiber des Café & Bar Barock meint, dass er von dieser neuen Regelung nicht profitieren könne, da er nur einen schmalen Streifen von 1,5 Meter zur Verfügung hat und es schwierig wird, dort etwas zu bauen. Er hat die Beobachtung gemacht, dass die Lokale von Montag bis Freitag wie leergefegt seien. «Zusätzlichen Platz zu schaffen, wenn es so oder so kaum Gäste hat, macht wenig Sinn», so Marti.

Er würde es begrüssen, wenn die Stadt den Gastrobetrieben in anderen Belangen entgegenkommen würde: «Eine Steuererleichterung oder ein Stadtgutschein Hilfsprogramm – so wie in Olten – das würde mehr bringen», erklärt er.

Fehlende Planbarkeit macht Geschäften schwierig

Das Genossenschaftsrestaurant Kreuz, einige Schritte vom Barock und der Aarebar entfernt, hat zwar mehr Platz vor dem Restaurant als das Barock, wird aber auch keine Schutzbauten aufstellen, wie es auf Anfrage heisst: «Wir haben genügend Platz in unserem Restaurant.» So habe man derzeit keinen Bedarf für zusätzliche Bauten.

Martin Volkart von der Genossenschaft Baseltor begrüsst die Massnahme grundsätzlich: «Es ist gut zu wissen, dass die Stadt in der Krisensituation Unterstützung bietet.» So wie schon im Frühling, als man unkompliziert und ohne bürokratischen Hürden im Aussenbereich Tische und Stühle aufstellen durfte. «Wenn die Rahmenbedingungen erleichtert werden, dann hilft das sehr», so Volkart weiter.

Was, wenn es wieder einen Lockdown gibt?

Die Genossenschaft Baseltor betreibt mehrere Betriebe in Solothurn. Darunter das Restaurant und Hotel Baseltor, Solheure, Salzhaus und La Couronne. Es werde jetzt überprüft, ob es für die einzelnen Betriebe sinnvoll ist, die «Witterungsschutzbauten» aufzustellen. Für Volkart ist es klar, dass in der historischen Altstadt nicht billig aussehende Zelte aufgestellt werden sollen. Aber ein gutes und ästhetisches Zelt habe seinen Preis. «Wir müssen jetzt unternehmerisch schauen, ob es sich für uns lohnt, diese Investition zu tätigen», führt Volkart weiter aus. Denn wenn das Restaurant nicht ausgelastet ist, dann müsse man auch nicht mehr Platz in den Aussenbereichen schaffen.

Im Moment wird überlegt, beim Solheure eine passende Lösung zu errichten. Auch Martin Volkart stellt sich die Frage: Was wenn wieder ein Lockdown kommt? Diese Unsicherheit schränkt die Planbarkeit ein und mache das Geschäften schwierig und die Zusatznutzung im Freien fraglich.

Ein Spaziergang durch Solothurn zeigt, dass bis jetzt noch kaum jemand die neue Weisung nutzt: Plexiglas im Innern ja, aber keinen Witterungsschutz draussen.