Solothurner Wetter 2013
Winter an Ostern und Frühling an Weihnachten

Der Dezember brachte grüne Weihnachten und kaum Schnee in tiefen Lagen. Über weite Strecken war der sogenannte «Frühling» 2013 weisser ausgefallen – und hatte Solothurn eines der kältesten Jahre seit langem beschert.

Wolfgang Wagmann
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Eher weiss zeigte sich Solothurn am Gründonnerstag, dem 28. März 2013.

Eher weiss zeigte sich Solothurn am Gründonnerstag, dem 28. März 2013.

Wolfgang Wagmann

Unter 10 Grad, nämlich bei nur gerade 9,8 Grad, liegt die Jahres-Durchschnittstemperatur von Solothurn 2013. Womit das zweitkälteste Jahr seit dem Jahrtausendwechsel Tatsache wurde – nur 2010 war es noch ein zehntel Grad kälter gewesen.

Auch recht nass blieb das vergangene Jahr: Mit 1418 Millimetern oder Liter Regen pro Quadratmeter fiel die Jahresgesamtmenge im Wallierhof Riedholz so hoch aus wie nicht mehr seit dem Rekordjahr 2007 mit damals über 1700 Litern.

Der Dezember: Grün war es nicht nur an Weihnachten – es bleibt auch Dabei

Die letzten richtigen weissen Weihnachten gehen aufs Jahr 2001 zurück, 2009 wars zwar weiss, aber bereits am Tauen. 2013 blieb es gar den ganzen Dezember über grün, sieht man von ein paar Schneeresten Anfang Monat ab. Denn die erste Dezemberhälfte blieb es unter einer kompakten Nebeldecke überwiegend frostig, während auf den Jurahöhen prächtigstes Bergwetter herrschte. So lag die monatliche Durchschnittstemperatur in Solothurn mit 1,2 Grad nur unwesentlich über den langjährigen Werten, auf 1000 Metern jedoch um einige Grad darüber. Die fast dreiwöchige Trockenperiode - nur unterbrochen durch einen tückischen Eisregen am 14. Dezember - führte auch dazu, dass der Monat mit 97 Liter Regen pro Quadratmeter im Wallierhof Riedholz und 89 Litern in Solothurn etwas zu trocken ausfiel. Der kälteste Morgen war übrigens der 10. Dezember mit einer Frühtemperatur unter fünf Grad minus.
Der Wettercharakter änderte sich am 19. Dezember grundlegend mit einem veritablen Regentag. Südwestlagen brachten zudem die Sonne ins Flachland zurück und am 23. Dezember wurden gar zweistellige Tagesmaxima erreicht. So zeigte sich der «Göiferlätsch» auf den Heiligabend hin fast völlig ausgeapert von der grünen Seite und wurde erst am Weihnachtstag mit einer ergiebigen Kaltfront, die den Rekordregentag des Dezembers markierte, wieder zugeschneit. Auch der Stephanstag zeigte sich von der nassen Seite und der Rest des Jahres brachte zumindest kaum mehr Frost und schon gar keinen Schnee mit sich. Immerhin konnten sich die immer mehr überhandnehmenden Silvester-Feuerwerker über einen trockenen und nicht gerade kalten Jahreswechsel freuen.
Im Unterschied zum Vorjahr - am 9. Dezember 2012 lagen in Solothurn 40 cm Neuschnee - brachte der Dezember 2013 noch gar keine Wintergefühle mit sich. Das lässt aber keineswegs den Schluss zu, der Winter 2013/14 sei damit schon gelaufen. Zwar zeigen die Modelle nächste Woche mit Föhntendenz konstant Warmluft im Alpenraum an. Doch auch im Vorjahr hatte der Winter ab Mitte Dezember bis weit in den Januar pausiert, um dann mit aller Macht zuzuschlagen. Tatsächlich zeigt der Langzeittrend etwa ab Hilari, dem 13. Januar, eine erste Kälteperiode gröberen Kalibers an. Es wäre nicht das erste Mal, dass genau dann, wenn die Narren den Winter vertreiben wollen (oder sollen), der Winter sich austobt. (ww)

In Solothurn wurde immerhin fast das langjährige Mittel des Wallierhofs von 1255 Litern erreicht. Damit wurde der «Trocken-Trend» der letzten Jahre gebrochen, denn 2013 brachte kaum Ausreisser nach unten. Noch am wenigsten Regen verzeichnete man im Januar, März und August, doch wurde die 50-Liter-Marke jeweils deutlich geknackt. Am nassesten war es im Juni, September und November mit jeweils über 150 Litern im Wallierhof.

Der Frühling, der keiner war

Hatte sich der Winter anfangs 2013 noch nicht blicken lassen, so gab er ab Mitte Januar alles. Der Februar war sogar noch gut ein Grad kälter als der Vormonat, und die Fasnacht fand bei Schnee und Frost statt. Der März brachte nur vorübergehend ein gefühltes Winterende, denn in der zweiten Monatshälfte «pflotschte» es fast jeden Tag, und die Karwoche war dominiert durch Schneeschauer. Erst am 10. April gabs nach ständigem Hochnebel zweistellige Temperaturen, dann aber nochmals Schnee bis Oberdorf. Auch im Mai wiederholte sich das Trauerspiel: Immergrau und kühl präsentierte sich der Wonnemonat und die ganze letzte Maienwoche fiel immer wieder Neuschnee auf dem Weissenstein.

Der Juli als Seelenretter

Eine erste Hitzewelle im Juni brachte den schon leicht depressiven Sonnenhungrigen ein Durchatmen, auch wenn der erste Sommermonat noch (zu) kühl und feucht endete. Dafür entschädigten der deutlich zu heisse und sonnige Juli sowie ein ebenfalls überdurchschnittlich sommerlicher August für viele gehabte Leiden und bescherten der Badi die besten Frequenzen seit Jahren.

Von den Unwettern am 13. und 20. Juni, die das Eidgenössische Turnfest in Biel arg betrafen, blieb Solothurn verschont, sieht man vom Hagelschlag am zweiten Unwetter-Donnerstag ab, an dem es der Bürgergemeinde die Weinernte 2013 fast völlig verhagelt hatte.

Ruhiger, schön und warm liess es der Herbst angehen, wobei der September doch ungewöhnlich ergiebige Regentage mit sich brachte. Zu trüb zeigte sich der mitunter goldene Oktober, und schon bald war Solothurn wieder dort, wo es erst tief im «Frühling» aufgehört hatte: beim ersten Schnee. Dieser fiel am 21. November, ohne aber richtig liegen zu bleiben. Denn im Spätherbst zeigte sich die Sonne öfter als im Mai.