Stadtbummel

Willkommen in der Bumann-freien Zone

Blick auf die Stadt Solothurn vom Ramada.

Wenn diese beiden zum Bewerten unterwegs sind, müssen auch Solothurner Gastronomen vor Verrissen und Punkteabzügen zittern. Nur noch übertrumpft wird die Angst vor dem «Go» und dem «Mio», sobald der Bumann kommt. Selbst wenn der medienwirksame Restauranttester mit einem «Ich mach euw nix!» stets friedliche Absichten signalisiert, kehrt er nicht selten nach der übernächsten Werbepause zurück, um mit einem «Chumm, lemmers la sy» bei Klaviermusik in moll zur sofortigen Geschäftsaufgabe zu raten.

Tatsächlich fiel schon mal ein Solothurner Wysüppli (und im Gefolge auch ein ganzes Restaurant) im Bumann-Test durch. Doch die Ehre der Stadtgastronomie bleibt unbesudelt: Es handelt sich um ein «auswärtig» fabriziertes, sprich nicht-städtisches Wysüppli. Ist es dann überhaupt ein echtes, wenns nur ein Kantonalsolothurner und kein Stadtsolothurner Wysüppli ist? Egal, der Tatort war anderswo. Ehre gerettet. Denn tatsächlich blieben die Stadtsolothurner Betriebe bisher von den Besuchen und den Bewertungen des Sternekochs aus dem «Wollisch» verschont. Bisher.

Bewertet wird derzeit auch am Familien- oder am Stammtisch. Nicht das Essen, dafür aber die bunten Flyer und Broschüren, die aus den Wahlcouverts purzeln. Damit nicht genug: Wer sich noch mehr informieren will, stösst auf den fleissigsten Parlamentarier oder den schönsten oder modebewusstesten Kandidaten. Oder es werden – kein Witz! – «Studien» darüber aufgestellt, bei welchen Parteifreunden die Intimrasur eine höhere Akzeptanz geniesst – oder bei welchen sie als «Must» betrachtet wird.

Wechseln wir den Blickwinkel. Auch wenn derzeit Schulferien sind: Wo seit je die Bewertung als numerisches Mass aller Dinge dazugehört, ist das Klassenzimmer. Doch auch hier gerät die Tradition regelmässig ins Wanken, wie beispielsweise in einer Wasserämter Kreisschule. Eine Frage der Zeit, dass vielleicht auch in der Stadt Noten abgeschafft werden? Durch Standortgespräche ersetzt? Oder durch Punkte? Und in zehn, fünfzehn Jahren vielleicht durch Herzli, Daumen und Likes? Das überlassen wir mal schön den Erziehungswissenschaftern.

Widmen wir uns doch lieber den schönen Ratings. Dem grössten Kürbis? Oder dem schönsten und wärmsten Aussensitzplatz im Goldenen Oktober des (noch) Bumann-freien Solothurns?

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