Stadtbummel Solothurn
Willkommen im Eispalast

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Es ist eisig kalt in Solothurn.

Es ist eisig kalt in Solothurn.

Lea Durrer

Während Väterchen Frost gerade dabei ist, Solothurn zum veritablen Eispalast umzugestalten, ist der Umbau des Städtchens zur Metropole des Schweizer Films längst vollzogen. Lächelnd, mit Rollkoffer und in polyglotte Gespräche vertieft, überqueren Gästescharen die schockgefrorene Kreuzackerbrücke.

Bald kommen die Filmtage-Fans am kunterbunt scheinwerferbestrahlten Palais Besenval vorbei. Zu bunt, möchte man meinen – ist das Lokal eben nicht gerade durch vortrefflichen Service zum Gesprächsthema geworden. Und so wurde es beispielsweise auch der hungrigen quietschfidelen Fasnächtlerschar zu bunt, die sich dort verköstigen wollte.

Dafür kommt die Solothurner Gastfreundlichkeit an anderen Orten umso stärker zur Geltung, beispielsweise im neuen Klosterhotel oder in all jenen Wohnungen, die während der Filmtage spontan zu «Pop-up»-Hotels werden. Und jetzt, da in Davos jeder private Geräteschuppen zum Preis eines durchschnittlichen Handwerkerlohns als Junior Suite vermietet wird, halten die Solothurner einfach so einen Platz auf dem Sofa frei.

Aber Gelegenheit macht nun mal Diebe, besonders wenn Geld den Charakter verdirbt. Wer weiss, wie es wäre, wenn das WEF am Jurasüdfuss läge? So oder so: Solothurn braucht mehr Hotelzimmer, findet der abgesetzte Stadtpräsident.

Mittlerweile haben sich die Filmtage-Gäste am Klosterplatz um ein Häuschen geschart. Gibts dort Marroni? Kaum, denn der Cheschtelemuni ist anderswo. Gibts vielleicht Glühwein? Auch nicht. Filmtage-Tickets sind es, die hier zum Publikumsmagneten werden. Einen Cineasten lassen dafür selbst stattliche Frostbeulen kalt.

Irgendwann wird die besagte Gästeschar dann wohl wieder den umgekehrten Weg über die Brücke gehen müssen, was durchaus etwas Biblisches an sich hat: Wenn nämlich der eiskalte Aarewind an die rechte Wange peitscht, kommt man nicht umhin, zu einem späteren Zeitpunkt auch die linke Wange hinzuhalten. Auf jeden Fall zückt auf dieser Brücke zurzeit niemand ein Handy, um zu simsen oder um ein Selfie mit einem Filmpromi zu knipsen. Und auch von den sonst hartnäckigen Unterschriftensammlern fehlt hier jede Spur – zum guten Glück.