Verantwortung tragen heisst, für seine Handlungen geradestehen oder anders gesagt: Wer Verantwortung übernimmt, muss sich auch der Konsequenzen seines Handelns bewusst sein. Doch das sei nicht immer einfach, befanden die zahlreichen Gäste am Sonntagmorgen in der Cafébar Barock. Zu philosophischen Gesprächen eingeladen hatte, wie jeden Monat einmal, der Verein CaféPhilo. Es war die letzte Veranstaltung zum Thema «Ist es alleine einfacher?» in diesem Herbst. Befassen tat sie sich mit der gewichtigen Thematik «Verantwortung». Als Gesprächsleiter gewonnen werden konnte Kurt Fluri.

«Es ist wichtig, dass man sich auch im Alltag über Philosophie unterhalten kann», leitete der Solothurner Stadtpräsident nach einer kurzen Begrüssung zu einer überaus interessanten Diskussion über, die in der Folge intensiv genutzt wurde. Stoff dazu war in Mengen vorhanden, denn wer für was wann verantwortlich ist, prägt unser Leben und Handeln in sämtlichen Bereichen. Zweifelsohne muss Verantwortung auch gelernt werden: «Wenn dies den Kindern nicht im Elternhaus vermittelt wird, werden sie später auch keine Verantwortung übernehmen können», brachte es eine Gesprächsteilnehmerin auf den Punkt.

Diffizile Fragen gestellt

Doch die Fragen, mit denen sich die Gäste auseinandersetzten, waren weit komplexer als die, die sich in frühen Jahren stellen. Ist Neutralität ein Schutz vor sich selbst oder eine Flucht vor einer Entscheidung? Ist der Soldat dafür verantwortlich, wenn er im Krieg auf den Abzug drückt? Oder: Müssen die Stimmbürger in die Verantwortung gezogen werden, wenn die Folgen der Abstimmung schwerer wiegen als erwartet? Nicht leicht haben es Exportkonzerne, die mit ethischen Fragen konfrontiert werden: Auf den Export von Waffen verzichten oder Arbeitsplätze sichern? Letzteres auch immer eine Frage der Selbstbeschränkung, die Entscheidungen schwierig machen können.

Wie Fluri betonte, befand sich bereits Wilhelm Tell im Dilemma, als er Gessler an den Kragen ging. Ist er im Rückblick nun einer, der vorsätzlich tötete, oder ein Held, der der Tyrannei ein Ende gesetzt hat? Und hätte er für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen werden sollen? Selbst eine Verkehrsampel, die auf Rot geschaltet ist, kann uns bezüglich der Verantwortlichkeit in Verlegenheit bringen, vor allem, wenn weit und breit kein Auto in Reichweite ist. Darf das Verbot missachtet und auf die Selbstverantwortung gepocht werden oder ist die Vorbildfunktion wichtiger?

«Was können andere Länder von der Souveränität der Schweiz lernen», fragte sich ein Gast mit ausländischen Wurzeln. «Das hat mit der Bedeutung unserer Alpenübergänge zu tun», beantwortete Fluri die Frage. «Die Schweiz ist eine Willensnation und musste sich früh schon zusammenraufen und Verantwortung übernehmen, die nicht ohne freien Willen möglich ist.» Es sei nicht auszudenken, wenn die welsche Schweiz sich plötzlich zu Frankreich, das Tessin zu Italien und die Deutschschweiz zu Deutschland schlagen würden, brachte er die sonst ernst und engagiert diskutierende Gesprächsrunde zum Lachen.

«Ich bin ein glühender Befürworter der direkten Demokratie und unseres Systems», liess Fluri im Lauf des Morgens immer wieder durchblicken. Eine Demokratie, die in Sachen Verantwortlichkeit manchmal ihre Tücken hat, die auch den Anwesenden nicht entgangen sind.