Die Möwen-Eltern fliegen nervös herum und schreien lauthals. Ihr Kleines hüpft derweil auf dem Parkplatz neben dem Medienhaus an der Zuchwilerstrasse und über die Strasse. Es ist aus dem Nest auf dem Dach des Medienhauses gefallen und kann noch nicht fliegen. Wobei: So klein sieht das graue Federvieh gar nicht aus. 

«Das Jungtier kann sehr bald fliegen», schätzt Arnold Netzer, der der Lachmöwe auf der Spur ist. Er ist Wildhüter im Schongebiet Stadt Solothurn und wurde angerufen, um das herumflatternde und hilflose Tier einzufangen. 

Er folgt dem grauen Federkleid, das reiss aus nimmt, knappt vor einem vorbeifahrenden Lieferwagen durchflattert und sich in Richtung der Ladezone bei der Blauen Post begibt. Netzer nähert sich langsam, drängt die Möwe langsam in eine Ecke. Diese versteckt sich unter einer Gittertreppe. Doch der Wildhüter schafft es, das Jungtier zu greifen und festzuhalten. 

Wildhüter fängt in Solothurn eine junge Möwe ein, die aus dem Nest gefallen ist.

Wildhüter Arnold Netzer fängt die Möwe ein

Mit einer stark blutenden Hand und der Möwe fest im Griff kommt er zurück. Hat da etwa der Jungspung gepickt? «Die Wunde kommt vom Gitter an der Treppe und nicht vom Vogel», erklärt Netzer. Picken würden die Möwen aber schon. «Sie haben richtig Kraft.»

Das Blut läuft die Hand herunter. Mangels Taschentuch und in Anbetracht des Vogels in den Händen wird die Hand erst beim Auto abgewischt. 

Zu den Eltern zurück kann die Möwe nicht. Arnold Netzer bringt sie in einer abgedeckten Kiste in die Vogelpflegestation des Natur- und Vogelschutzvereins Zuchwil. Ornithologen kümmern sich dort um das Jungtier. Für seltene Tiere oder schwere Fälle ist die Tierstation Landshut Ansprechpartner. (ldu)