15 Minuten, bevor der Zug einfährt – das sollte reichen, um noch rasch einen eingeschriebenen Brief bei der Post aufzugeben oder einen neuen Bogen Briefmarken zu besorgen. Doch der scheinbar durchdachte Plan wird jäh durchkreuzt, wenn man ihn während der Mittagszeit durchführen will. Zwischen 12 und 14 Uhr hat die Poststelle am Solothurner Hauptbahnhof nämlich geschlossen. Es mag erstaunen, dass man an einem Ort, der naturbedingt den ganzen Tag eine stattliche Personenfrequenz aufweist, gerade mittags vor geschlossenem Postschalter steht.

An der Wengistrasse lohnt sichs

Jedoch gebe es Gründe dafür, wie Erich Schmid, Leiter Kommunikation Ost bei der Schweizerischen Post, auf Anfrage erklärt. «Die Schalteröffnungszeiten der Poststellen richten sich in erster Linie nach dem Kundenverhalten, sprich: nach der vorhandenen Nachfrage.» Aber auch die Geschäfte im Umfeld einer Poststelle können einen Einfluss auf die Post-Öffnungszeiten haben, die von örtlichen Verantwortlichen periodisch hinterfragt und nötigenfalls angepasst werden. «Dann prüfen wir, ob ein solches Angebot aus Kundensicht und auch wirtschaftlich Sinn ergibt», sagt Erich Schmid weiter. In grösseren Gemeinden sei dies dann öfters Grund, um das Angebot auch auf die Mittagszeit auszudehnen.

Nicht aber auf der Poststelle Solothurn 1 am Bahnhofplatz. In Solothurn ist einzig die Filiale an der Wengistrasse durchgehend geöffnet. Aus Sicht der Post scheint das aktuelle Potenzial hingegen bei den anderen drei Poststellen – also am Bahnhof, in der Weststadt und in der Altstadt – zu gering, um eine Öffnung über den Mittag zu ermöglichen. «Müsste sich ausserdem das Angebot der Poststelle Solothurn 1 tatsächlich nach den Bahnbetriebszeiten richten, würde dies unwirtschaftlich lange Öffnungszeiten von frühmorgens bis spätabends nötig machen.»

Die Filiale an der Wengistrasse hingegen befinde sich an einer guten Passantenlage, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Solothurn West und mit Geschäften in der Umgebung, die auch über Mittag offen sind, führt Schmid weiter aus. «Entsprechend weist diese Poststelle unter den vier Solothurner Filialen mit Abstand die höchsten Kundenzahlen auf.»

Was finden die Kunden?

Von Kundenseite wird der Umstand am Bahnhof unterschiedlich beurteilt: Tendenziell jüngere Menschen würden eine über die Mittagszeit ausgedehnte Öffnung schätzen (siehe Umfrage), während sich ältere Kunden durchaus mit den aktuellen Öffnungszeiten zufriedengeben. Hingegen äusserte auch ein Rentner Kritik: «Ich finde, Dienstleistungsbetriebe sollten durchgehend geöffnet sein und dürften sich nicht vollständig mit den Arbeitszeiten Berufstätiger decken.» Gerade Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind, seien auf diese Weise oft verhindert, postalische Angelegenheiten zu erledigen.

Schliesslich wendet Schmid ein, dass auch bei geschlossenem Schalter einige der Dienstleistungen möglich seien, darunter die von den SBB betriebene PickPost-Stelle, die das Abholen von Paketen und Einschreiben zwischen 6.45 und 19.30 Uhr ermögliche. Darüber hinaus hält die Post an ihren Erkenntnissen fest: Aufgrund der Nutzung der Poststelle im Tagesverlauf sowie aufgrund des Umfelds fehle aus heutiger Sicht an diesem Standort das Potenzial, die Öffnungszeiten zu verlängern.

Mitarbeit: Lea Schreier