Solothurn

Wieder taucht viel «Swissness» im Kofmehl-Programm auf

Die Kofmehl-Crew, die an vielen Fronten aufs Wiedererwachen des Rostwürfels hinarbeitet.

Auf die neue Saison der Kulturfabrik Kofmehl, die Ende August beginnt, erscheint der Rostwürfel in neuem Licht. Ausserdem setzt man wiederum auf Schweizer Künstler.

Es sieht im Kofmehl aus, wie es jeweils Wochen vor dem Saisonstart immer aussieht. Nach Arbeit. Doch bis zur Stunde Null am 31. August dürften Werkzeug, Leitern und was sonst im Weg steht, wieder verschwunden sein. Geklappt hats noch jedes Mal. «Im Sommer passiert viel», sagt Betriebsleiter Pipo Kofmehl und weist damit in erster Linie auf die emsige ehrenamtliche Crew hin, die an vielen Fronten aufs herbstliche Wiedererwachen des Rostwürfels hinarbeitet.

Dass das Haus in Sachen Erneuerung in den vergangenen 14 Jahren nicht zur Ruhe kommt, sei Programm, sagt er. Nach grösseren Projekten wie den neuen Toiletten und einer Bühnenrevision wurde diesen Sommer im Kofmehl an mehreren, kleinen Baustellen gewirkt. «Bei der Beleuchtung haben wir einiges aufgefrischt, sowohl innen wie aussen», sagt Kofmehl. Konkret meint er damit die weitere Umstellung auf LED im Zuschauerbereich. Ebenso aber wird die Umgebung des Rostwürfels ab Saisonstart neu ausgeleuchtet, um Ambiance zu schaffen.

Rückwärtig wurde ebenfalls einiges aufgefrischt. «Gerade die logistischen Wege, über die jede Saison tonnenweise Konzertequipment rollt, haben wir erneuert.» In der vergangenen Saison waren es nicht weniger als 222 Anlässe oder rund 1300 Einzelkünstler, die die Infrastruktur der Kulturfabrik bis ans Limit strapazierten.

Freie Bühnensicht für Rollstuhlfahrer

Neu in diesem Jahr ist auch ein so genannter Lifter-Rollstuhl, den Menschen mit Mobilitätseinschränkungen reservieren können. Die Anschaffung kam auf Anregung des Vereins Selbstvertretung für Menschen mit Behinderung zustande. Durch eine Hebehydraulik erhalten sie so die Möglichkeit, ein Konzert auf der Augenhöhe stehender Konzertgäste zu geniessen.

Strategisch denken Pipo Kofmehl und sein Team bereits an die kommenden Jahre. «Wir stellen uns die Frage, wohin sich das Haus entwickeln soll.» Und der «Gestaltungsplan» für die nähere Zukunft: «Die Kulturfabrik muss logistischer werden und damit den idealen Rahmen für die Inhalte bieten.» Der Umbau des Backstage-Bereichs soll deshalb weitergehen. Im oberen Geschoss sollen neben dem Garderobenbereich durch einen Zwischenboden neue Lagermöglichkeiten geschaffen werden. Ebenfalls ist eine Küche angedacht, um allfällige Catering-Dienstleistungen selbst anzubieten. Bislang arbeitet man mit Zulieferern und Foodtrucks zusammen.

«Mehr als die heutige Zahl von maximal 250 Anlässen können wir nicht in eine Saison packen», sagt Kofmehl dazu. «Aber dafür können wir mehr rund um einen Anlass anbieten.» Es falle schon heute auf, dass sich sowohl Besucher wie auch Künstler nach den Verweil- und Verpflegungsmöglichkeiten vor und nach einem Konzert erkundigen und den Abend genau planen. «Das ist anders als früher», sagt Kofmehl. «Heute sind wir manchmal auch ein wenig wie ein Reisebüro.» Und auf diese Weise trage die Kulturfabrik – neben der geschätzten Million Franken, die man als Betrieb an regionaler Wertschöpfung generiert – auch so zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.

Schweizer Bands als neue Erfolgsgaranten

Derweil wirft Patrick Juchli als Programmleiter des Kofmehl einen inhaltlichen Blick auf die Perlen der kommenden Konzertsaison. Er nennt internationale Künstler wie «White Lies» oder «Prinz Pi». Die Programmschwerpunkte liegen aber geografisch näher: «In der hiesigen Musiklandschaft hat man Schweizer Bands als Erfolgsgaranten schlechthin jetzt erst richtig entdeckt.» Gerade an den grösseren Festivals erhielt das heimische Musikschaffen mehr Gewicht als sonst. Und auch die Radiostationen widmeten ihm mehr Sendezeit. «Patent Ochsner», die als «Programmkrönung» im Dezember ihr 20. Kofmehl-Konzert feiern, wurden am «Gurten» gar zum Headliner. Gerade die stilistische Vielfalt, die sich auf dem Schweizer Markt tummelt, sieht Juchli als Erfolgsfaktor.

Mit einem Swissness-Anteil von 60 Prozent in der vergangenen Saison sei man im Kofmehl auf gutem Kurs, findet Juchli. Für die kommende Saison, die als rollende Planung «nodisno» programmiert wird, dürfte der Anteil der Schweizer Formationen ähnlich sein. «Man darf nicht vergessen, dass Bands wie ‹Hecht› oder ‹Lo und Leduc› vor ihrem Durchbruch in der Raumbar im Kofmehl vor 25, 30 Personen oder als Vorband ihre Konzerte hatten», so Juchli. «Gerade in der Raumbar können wir Aufbauarbeit leisten: Viele kommen nach ihrem Durchbruch wieder zu uns.»

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