Solothurn
Wieder in der Kritik: Das Palais Besenval soll mehr für die Öffentlichkeit zugängig sein

Ein Postulat der SP fordert, dass die Betreiber des Palais Besenval eine Strategie einreichen, bei der die breite Öffentlichkeit auch einen Zugang zu dem «Haus mit nationaler Bedeutung» hat. Der Betreiber verteidigt sich.

Judith Frei
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Das Palais Besenval prägt das Solothurner Stadtbild seit dem 18. Jahrhundert.

Das Palais Besenval prägt das Solothurner Stadtbild seit dem 18. Jahrhundert.

Hanspeter Bärtschi (5. März 2019

Durch den weissen Kalkstein und seine prominente Lage direkt an der Aare gehört das Palais Besenval zu den augenfälligeren Gebäuden der Stadt. «Als ich diesen Sommer bei einem Bier in der Hafebar sass, ist mir wieder aufgefallen, wie schade es ist, dass es wie ausgestorben ist», erklärt Matthias Anderegg. Das gab ihm den letzten Impuls, das Postulat «Quo vadis Palais Besenval?» im Gemeinderat einzureichen.

«In diesem Gebäude müsste sich eigentlich das volle Leben abspielen», so Anderegg. Aber dies sei schon seit Jahren nicht der Fall. Die Betreiber seien nicht fähig, den Ort so zu bespielen, dass er auch für die breite Öffentlichkeit zugängig ist. So fordert er, dass die Betreiber der Stadt eine Strategie vorlegen, wie das Palais wieder der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden kann. «Wenn nötig, sind die bestehenden Verträge anzupassen, damit eine Nutzung wieder möglich ist», fordert Anderegg im Postulat.

Das Palais ist Teil der Seminarmeile

Das Palais Besenval wird vom Hotel H4 betrieben und seine Räumlichkeiten können für Seminare und für Feste gemietet werden. Für einige Zeit gab es auch ein à la carte Restaurant, das im März 2019 zum letzten Mal Speisen servierte. «Wir hatten nicht genügend Resonanz, so haben wir entschlossen, das à la carte Restaurant zu schliessen», erklärt der General Manager des «H4», Sven Holnaicher. Das kulinarische Angebot in der Stadt sei überwältigend, dass es schwierig sei, ein Restaurant im Palais zu betreiben.

Man brauche ein originelles Konzept, um die Leute anzuziehen. So wurde vor einiger Zeit diskutiert, in Richtung Erlebnisgastronomie zu gehen und eine Show-Küche einzubauen. Doch dafür müsste noch viel Geld investiert werden. «Es wurde auch die Qualität des Essens bemängelt», sagt Holnaicher. Das sei zum grossen Teil daran geschuldet, dass der Palais nicht für ein Restaurant ausgestattet sei.

Es muss Geld investiert werden

Die Küche sei im Untergeschoss und bis die Speisen auf den Tisch der Gäste waren, seien sie oft schon kalt gewesen. «Momentan sehen wir als realistische Möglichkeit, einen Biergarten zu machen», gibt Holnaicher Auskunft. Es sei aber nicht so, dass die Öffentlichkeit keinen Zugang zum Gebäude habe, denn das stehe normalerweise immer offen.

Seit Anfang November ist das aber nicht mehr der Fall. Wegen der Coronapandemie und der fehlenden Buchungen ist es geschlossen. Sobald die Lage wieder entspannter sei, wird er wieder geöffnet. «Corona hat unsere Überlegungen über den Palais unterbrochen», erklärt General Manager. So sei es für das «H4» wichtig, die jetzige Krise zu überwinden, und dann werde man sich um den Palais kümmern.

Das Palais Besenval gehört nicht der Stadt

Nicht nur Matthias Anderegg ist mit der jetzigen Situation unzufrieden. «Es ist ein Jammer, dass das Palais Besenval nicht besser genutzt wird», sagt Stadtpräsident Kurt Fluri. Die Stadt habe schon vier bis fünf Mal das Gespräch mit dem Betreiber gesucht und ihre Unzufriedenheit ausgedrückt. Das letzte Mal habe er den «H4» Gastronomen vermittelt, die nach seiner Erfahrung fähig sein sollten, an diesem Standort ein Restaurant wirtschaftlich zu betreiben.

«Leider haben wir rechtlich keinen Einfluss auf den Betreiber», sagt Fluri. Denn das Haus gehöre dem Kanton und das Baurecht sei bei der Credit Suisse Funds AG. Die Stadt könne nicht mehr machen, als das Gespräch mit den Betreibern zu führen und ihnen die Wichtigkeit des Gebäudes für Solothurn aufzuzeigen.

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