Anlass im Rothus
Wie wird die Schock-Diagnose «Brustkrebs» verarbeitet?

Gegen den Brustkrebs anzukämpfen, ist kein Sonntagsspaziergang. Der im Rahmen des Brustkrebsmonats durchgeführte Anlass «Brustkrebs – was nun?» zeigte schonungslos auf, in welchem Spannungsfeld zwischen Angst und Hoffnung die Betroffenen leben.

Katharina Arni-Howald
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Rund 5500 Frauen erkranken in der Schweiz jährlich an Brustkrebs.

Rund 5500 Frauen erkranken in der Schweiz jährlich an Brustkrebs.

Keystone/ Martial Trezzini

Rund 5500 Frauen erkranken in der Schweiz jährlich an Brustkrebs. Betroffen sind auch Männer, wenn auch in geringerer Anzahl. Auf den nicht einfachen Umgang mit der Krankheit machte im Rahmen des von der Krebsliga Solothurn organisierten Brustkrebsmonats ein öffentlicher Anlass aufmerksam, der Mut machen sollte.

Im Rampenlicht standen in der Rothus-Halle die Psychoonkologin Christine Beer, die Buchautorin Corinne Danz und die Teamleiterin des Krebstelefons, Erika Gardi.

Während sich die Onkologen ganz allgemein mit der gefürchteten Geschwulstkrankheit befassen, widmet sich die Psychoonkologie der psychologischen Betreuung von krebserkrankten Menschen und ihren Angehörigen.

Christine Beer führt eine eigene Praxis in Solothurn und weiss, was die psychischen Folgen einer Brustkrebserkrankung auslösen können. «Es geht um Ängste, Traurigkeit, Sorgen und Hilflosigkeit.»

Eine grosse Belastung für die Psyche, mit der nicht alle Betroffenen und Angehörigen gleich gut umgehen können. «Die Diagnose Brustkrebs wird als Bedrohung empfunden und führt dazu, dass sich die Betroffenen auch mit dem Sterben zu befassen beginnen», so die Ärztin.

Die Angst vor dem Arztbesuch

Angst sei ein Symbol, das uns schützen wolle, und habe oft auch zur Folge, dass der erste Arztbesuch hinausgezögert werde. Je früher die Betroffenen aber Klarheit hätten, desto eher könnten sie sich mit der Krankheit beschäftigen und erkennen, wie viel Lebenswille in ihnen stecke und was ihre Stärken seien.

Innerhalb der Achterbahnfahrt mit Hoch und Tiefs, könne man lernen, die Krankheit in den Lebenslauf zu integrieren. «Jede Auseinandersetzung mit einer Krankheit setzt die Persönlichkeitsentwicklung in Gang», erzählte Beer von ihren Erfahrungen.

Eine, die weiss, wovon die Psychoonkologin spricht, ist Corinne Danz, die die verschiedene Phasen ihrer Krankheit in Buchform festgehalten hat. «Es wurde mir schwarz vor den Augen», schreibt sie im soeben erschienenen Buch «Wimpernwünsche», das anderen Betroffenen Mut machen und aufzeigen soll, dass auch eine an Brustkrebs erkrankte Frau die schweren Zeiten zwischen Hoffen und Bangen meistern kann.

Wichtig sei dabei, dass man von seinem Umfeld nicht ausgeschlossen werde und die Mitmenschen «normal» mit einem umgingen.

Es waren denn auch die beiden Söhne und das Erfüllen bisher unterdrückter Wünsche, die der Kindergärtnerin Kraft gegeben haben, den anfänglichen Schock zu überwinden und wieder gesund zu werden.

Die von der Schauspielerin Janine Frey vorgetragenen Einblicke ins Innere der Solothurner Autorin erregten die Gemüter des zahlreich erschienenen Publikums.

Wenn der Boden unter den Füssen wankt, kann auch das Krebstelefon wertvolle Dienste leisten. «Rund 6000 Anrufe gehen dort pro Jahr ein.

Rund die Hälfte kommen von Angehörigen. «Es werden hauptsächlich medizinische Fragen gestellt», schilderte die Leiterin des Krebstelefons, Erika Gandi, den Alltag des sechsköpfigen Teams.

Aber auch mit Fragen über den Sinn des Lebens, die Bewältigung des Alltags und Möglichkeiten, den Druck abzubauen, werden die neu auch per E-Mail oder im Chat erreichbaren Fachfrauen täglich konfrontiert. Wichtig sei, dass man sich Zeit nehme, erklärte Gandi.

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Nadine Studer. Das Buch «Wimpernwünsche» ist im c.f.- Portmann-Verlag erschienen und kann bei der Krebsliga Solothurn bezogen werden.

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