Im kommenden August 2017 wird auf Schloss Waldegg bei Solothurn nach einem Jahr Unterbruch wieder eine Barockoper aufgeführt. «L’Orfeo» von Claudio Monteverdi gilt als Meilenstein der Operngeschichte und setzt eine stilsichere Interpretation voraus. Der Inhalt bezieht sich auf eine Interpretation der griechischen Sage von Orpheus und Eurydike.

Das bewährte Solothurner Barock-Oper-Team um Christoph Reize (musikalischer Leiter) und Georg Rootering (Regie) ist schon seit einiger Zeit an der Arbeit. Wiederum wird ein jugendliches Ensemble und das Cantus Firmus Consort zu sehen und zu hören sein. Auf der Besetzungsliste stehen unter anderen: Jonathan Sells, Gunta Smirnova, der Solothurner Jan Börner sowie Ratis Grigalis – alles Stimmen, die schon in früheren Produktionen auf der Waldegg mitgewirkt haben.

Geplant sind sieben Vorstellungen auf der Waldegg unter freiem Himmel, zwischen dem 10. und 19. August 2017. Sollte das Wetter nicht mitspielen, kann zum ersten Mal ins Stadttheater Solothurn, dem besterhaltenen Barock-Theater der Schweiz, ausgewichen werden.

Ein paar Zahlen

Soeben wurde bekannt, dass die Organisatoren der Barockoper kürzlich per Regierungsratsbeschluss die Zusage für einen Produktionsbeitrag von 50 000 Franken zusätzlich einer allfälligen Defizitdeckungsgarantie in der Höhe von 60 000 Franken erhalten haben. Nicht wenig Geld. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 287 700 Franken budgetiert. So sind die 110 000 Franken aus dem Lotteriefonds rund 38 Prozent der Kosten, die im besten Fall gedeckt werden. Allerdings – so sind die Gepflogenheiten – wird der Defizitdeckungsbeitrag erst nach Vorlage einer Abrechnung ausbezahlt, welche 10 Prozent der veranschlagten Kosten weder übersteigt noch unterschreitet. So weit die Fakten rund um die Barockoper 2017.

Nun steht aber in Solothurn im nächsten Jahr ein weiteres Opernprojekt an, über welches man ausser dem Titel, der zur Aufführung kommt, noch nicht allzu viel weiss. Bekanntlich sind die Solothurn Classics im Jahr 2015 eine Kooperation mit der Oper Schenkenberg eingegangen. Vorgesehen ist, dass im Wechsel mit einer Aargauer Gemeinde alle zwei Jahre eine Opernproduktion in Solothurn stattfinden soll. «Tosca» soll demnach im Juli 2017 an der St.-Ursen-Bastionsmauer gespielt werden; die behördlichen Genehmigungen von Solothurn seien schon eingegangen, vermeldeten die Verantwortlichen der Oper Schenkenberg vor einigen Wochen. Sie, und insbesondere deren Intendant Peter Bernhard, leiten das Projekt in Solothurn. Doch wie weit ist man in der Planung und Finanzierung dieses Vorhabens?

Bernhard sagte vor kurzem, dass Gelder von der Stadt Solothurn gesprochen seien, und dass man im Oktober mit den Lotteriefondsverantwortlichen spreche. Auf eine weitere Anfrage teilte er nur kurz mit: «Ende Oktober gibt es mehr zu erfahren». Auf der Homepage von Solothurn Classics findet man keinen einzigen Hinweis auf «Tosca». Sowieso ist diese Site seit 2015 nie mehr aktualisiert worden.

Wo bleibt also der Enthusiasmus der Beteiligten für «Tosca»? Sänger müssten ja bereits engagiert und Aufführungsdaten bekannt sein, doch nirgends kann man etwas in Erfahrung bringen. Will man einen solchen Event gut vermarkten, müssten doch mögliche Besucher via Veranstalter so früh als möglich aufmerksam gemacht werden.

Nischen sind gefragt

Da drängt sich die Frage auf, ob überhaupt für die grosse Open-Air-Opernbühne noch genug Interesse bei Publikum und Sponsoren vorhanden ist – insbesondere in Solothurn. Denn Fakt ist: Nach der Übergabe des Gründers des Classic Open Airs Dino Arici im Jahr 2013 war es für die Nachfolger mit ihrem Solothurn Classics extrem schwierig, an alte, glorreiche Zeiten anzuknüpfen. Die Defizite stiegen; zum Schluss waren es 2015 90 000 Fr. an offenen Rechnungen. Dass solche Events finanziell ein schwieriges Unterfangen sind, beweist auch die Tatsache, dass auch der neue Partner der Solothurn Classics, die Oper Schenkenberg, nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Man weiss, dass die diesjährige Produktion «Rigoletto» finanziell kaum das einbrachte, was budgetiert wurde.

Fazit: Die Zeiten ändern sich. Während noch zu Aricis Zeiten ein Opern-Open-Air der Publikumsmagnet war, kämpfen heute auch grosse Veranstalter um Publikum. Es ist also an der Zeit, neue Formen und Nischen für einen erfolgreichen Sommerevent im Bereich Klassik zu suchen. Die Barockoper auf der Waldegg, mit wesentlich kleinerem finanziellen Aufwand scheint jedenfalls für Solothurn eine solche Nische zu sein.