«Ich habe mich auch schon geärgert, wenn ich in der Penthouse-Bar des ‹Ramada› meinen Gästen die Sehenswürdigkeiten von Solothurn erklären wollte und just in diesem Moment die Lichter ausgingen.» Stadtpräsident Kurt Fluri ist als VR-Präsident der Regio Energie Solothurn auch ein «Chefbeleuchter» der Stadt. Da dies einer der wenigen Bereiche sei, «der nicht geregelt ist», sagt er in Sachen Beleuchtung oder Anstrahlung öffentlicher Gebäude, wo s’ langgeht. So habe er veranlasst, dass das Bieltor angestrahlt wird.

Dieses ist in bester Gesellschaft mit St. Ursen – bereits seit 1933 beleuchtet –, dem Riedholzturm und der Schanze, dem Baseltor, Zytgloggeturm (Zifferblatt), dem Landhaus, Krummen Turm, der Jesuitenkirche, Peterskapelle, der Öufi-Uhr am Amtshausplatz und dem Museum Blumenstein. Warum dieses mitten in einem Wohnquartier angestrahlt werden müsse? Nur eine Frage zum Thema Streulicht und Lichtverschmutzung, aus den Reihen des Gemeinderats.

Wer ist eigentlich für die Anstrahlungen verantwortlich? Eben Kurt Fluri. Heinz Flück, Fraktionssprecher der Grünen, möchte, dass die Motion seiner Partei, die 2012 die Erstellung des Lichtkonzepts gefordert hatte, nicht abgeschrieben wird. Denn einige Themen müssten weiter vertieft werden. Da kommt er bei Fluri an den Falschen: Die Grünen hätten ein Beleuchtungskonzept verlangt, und jetzt bekommen. Basta. Die Motion wird gestrichen.

LED kommt, aber...

Für die Regio Energie hat Mitarbeiter Daniel Odermatt auf 22 Seiten akribisch aufgelistet, was hängige Fragen beantworten kann. Denn Auslöser für die Motion war das Verkaufsverbot von Quecksilberdampflampen ab nächstem Jahr. Zuerst einmal wird im Konzept festgehalten, dass die öffentliche Beleuchtung Solothurns punkto Energieeffizienz im schweizweiten Vergleich gut dastehe. Für alle 700 noch im Einsatz stehenden Quecksilberdampflampen seien in den letzten zwei Jahren Ersatz gefunden worden. Und zwar durch Sparlampen oder LED-Lampensubstitute. Mittelfristig sollen jedoch die meisten durch LED-Leuchten ersetzt werden. Mit diesem Ersatz «konnten rund 30 Prozent Energie eingespart werden, bei gleichbleibender Beleuchtungsstärke», hält Odermatt fest.

Die Altstadtleuchten werden vorerst auf Sparlampen umgestellt, denn bei LED sieht die Regio Energie in den nächsten Jahren noch Luft nach oben in der Effizienz und nach unten beim Preis. In den nächsten 20 Jahren lasse sich so der Leistungsbedarf der Strassenleuchten nochmals um 30 Prozent verringern. «Während die Kosten für die Energie bei einer reinen LED-Beleuchtung um 40 000 Franken jährlich sinken, wird der Materialbedarf jährlich um rund 28 000 Franken steigen», verweist Daniel Odermatt auf die Kosten der LED-Elektronik, die bei einer Lebensdauer der Leuchte von 25 Jahren alle 15 Jahre ersetzt werden müsse. Somit würden die jährlichen Kosten für die Beleuchtung um 10 000 bis 15 000 Franken zurückgehen. Wichtig sei aber auch die Verringerung der Typenzahl (vgl. links) und das Vermeiden von Streulicht.

Reduzieren, dimmen, ausschalten?

Das Konzept hält fest, dass das Anstrahlen öffentlicher Gebäude wegen der Lichtverschmutzung «sparsam» einzusetzen sei. Die dafür verwendeten und in den 70er-Jahren angeschafften Natrium-Dampflampen seien zwar durch LED-Leuchten ersetzbar, aber auf weite Distanzen ist LED noch zu wenig leistungsfähig. Ein Ersatz der St.-Ursen-Beleuchtung sei geprüft worden, doch hätte dies mehr LED-Strahler mit 50 Prozent mehr Leistung erfordert.

«Intelligentes Licht» ist im Konzept ebenfalls ein Thema, denn mit neuen LED-Leuchten ist das Variieren der Lichtstärken nachts oder ein Dimmen möglich. Ob gar das – technisch problemlose – Abschalten der Beleuchtung, wie in gewissen Gemeinden von 1 bis 5 Uhr praktiziert, zulässig sei, lässt das Konzept «offen». Die Polizei halte das Abschalten des Lichts in einer Stadt mit Nachtleben nicht für sinnvoll und befürchtet bei einem Unfall Schadenersatzansprüche gegenüber der Stadt.