Kaum ein Planungshorizont
Wie sich der Lockdown bei Region Solothurn Tourismus manifestiert

Bei Region Solothurn Tourismus sieht Direktor Jürgen Hofer kaum einen Planungsbereich für das verlorene Jahr 2020. Es gibt immerhin einen kleinen Lichtblick.

Wolfgang Wagmann
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Das Tourist Office in Solothurn hofft im Sommer wieder auf Gäste, die sich die schönste Barockstadt der Schweiz ansehen möchten.

Das Tourist Office in Solothurn hofft im Sommer wieder auf Gäste, die sich die schönste Barockstadt der Schweiz ansehen möchten.

Andreas Kaufmann

Der Mai wäre «GV-Zeit». Auch für Region Solothurn Tourismus. Doch Präsident Michael Hug und Tourismusdirektor Jürgen Hofer können keine der fast 600 Vereinsmitglieder persönlich im Landhaussaal begrüssen. Wie alle Generalversammlungen derzeit läuft auch ihre über den Vernehmlassungsweg. Trotz wenig spektakulärer Traktanden wie der Wiederwahl der Vereinsspitze oder einer Statutenänderung seien schon viele Feedbacks eingegangen, betont Hofer. Beigelegt war den Unterlagen die dringliche Bitte mit Einzahlungsschein: «Wir sind wegen der Liquidität auf Ihren Jahresbeitrag angewiesen!»

Noch sei diese gewährleistet, so der Tourismusdirektor. «Wir verfügen noch über Rückstellungen.» Und wichtig sei auch die Unterstützung durch die Stadt – 430'000 Franken jährlich lässt sie sich jährlich die Tourismus-Organisation kosten. «Wir versuchen mit den Mitteln möglichst haushälterisch umzugehen, und wir möchten möglichst nicht oder spät ein Gesuch für eine Erhöhung des Beitrags stellen.»

Doch im Vorjahr wies Region Solothurn Tourismus bei einem 1,5 Mio.-Haushalt gerade mal 1731 Franken Gewinn aus. Und das Budget für dieses Jahr sieht einen Aufwand und Ertrag in gleicher Höhe vor. Da muss auch Jürgen Hofer einräumen: «Budgetieren? Das ist im Moment ein absoluter Blindflug.» So habe er im März in einem ersten Not-Budget erst einmal alle Erträge halbiert, doch viele Unwägbarkeiten würden bleiben.

Wo überall wenig bis nichts mehr geht

Unmöglich beziffern kann Hofer beispielsweise den Ausfall der Kurtaxen – seit Mitte März geht bekanntlich in den Hotels so gut wie nichts mehr; fast alle Buchungen wurden storniert. «Und einige wie das H4-Hotel oder das Hotel an der Aare machen auch nächsten Montag gar nicht erst auf», so der Tourismusdirektor. Oder angesprochen auf den Weissenstein: «Da herrschte bis jetzt Funkstille.» Im Tourist Office selbst arbeitet Hofer selbst zusammen mit täglich nur einer Person, die das Telefon besorgt; das ganze Team ist auf Kurzarbeit. Ab 8. Juni möchte man zumindest wieder zu 50 Prozent arbeiten und öffnen. «Wir versuchen auch mit Partnerorganisationen wie im Baselland, oder mit Aargau Tourismus eine Sommer-­Plattform aufzugleisen, damit wir die Leute aus dem Mittelland in unsere Grossregion holen können», hofft Hofer auf ­Tagesausflügler, welche die hiesigen Sehenswürdigkeiten besuchen möchten. So nach dem Motto: «Seid herzlich willkommen bei uns!»

Budgetieren? Das ist im Moment ein absoluter Blindflug.

(Quelle: Jürgen Hofer, Tourismusdirektor)

Auch mit den Partnerfirmen der Vermarktungsorganisation «Solothurn Services» will man nächste Woche reden und schauen, was alles möglich wäre. «Man muss von Tag zu Tag schauen», versucht Hofer die schwierige Situation pragmatisch anzugehen.

Es gibt einen Lichtblick am Horizont

Auch wenn die Solothurner Hotels wieder offen stehen, sind die Folgen des Lockdown für sie eine «riesen Herausforderung». Jürgen Hofer: «Die Problematik liegt bei den sicher tieferen Umsätzen. Da kann nichts nachgeholt werden.» So rechnet er dieses Jahr mit keinerlei Grossanlässen mehr in der Region, «wir hatten ja noch Glück, dass wir gerade noch die Filmtage durchführen konnten.»

Auch beim Geschäftstourismus macht Hofer neben einer Verlagerung von Aktivitäten in den virtuellen Raum einen hauptsächlichen Negativfaktor aus: «Solange die Grenzen zu sind, gibt es kaum Geschäftsreisen», spricht er vor allem Gruppen aus dem Medtech-Bereich an, die zuvor stets die Region Solothurn aufgesucht hatten.

Immerhin, beim Seminartourismus sieht es offenbar viel besser aus. «Im Spätherbst haben wir sehr viele Reservationen, und die Konferenzräumlichkeiten in Solothurn werden dann allmählich knapp», stützt sich Jürgen Hofer auf den Hoffnungsschimmer, dass im zweiten Halbjahr «doch noch was reinkommt». Nicht daran denken mag er an eine zweite Coronawelle mit einem neuerlichen Lockdown. Wohl nicht nur für ihn, sondern die ganze Branche schlicht «ein Horrorszenario».

Zahlen aus einer ganz anderen Zeit

Der Jahresbericht von Region Solothurn zeigt auf, was derzeit verloren geht: Mit 104 867 Logiernächten wurde 2019 der bisherige Rekord von 2018 übertroffen. Mit der Parahotellerie ergab sich eine neuer Rekordwert von 147'540 Logiernächten oder 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 20'000 Gäste wohnten 1241 Stadtführungen bei – 162 weniger als noch 2018. Dazu Tourismusdirektor Jürgen Hofer: «Die Konkurrenz durch special Trails wird stärker, das ist ein Trend auch in anderen Schweizer Städten. Spezialführungen sind jedoch weiterhin gefragt» – aber wohl erst wieder ab Juni. (ww)