Solothurn

Wie kann ich im Alter zu Hause leben?

Möglichst lange selbstständig zu Hause zu wohnen ist der Wunsch der meisten älteren Menschen. Wichtig ist allerdings, diese Phase des Lebens rechtzeitig und richtig zu planen.

An 26 Messeständen im Alten Spital konnten sich Betroffene und Angehörige am Samstag informieren. Eine zweite Auflage davon gibts am nächsten Samstag, 20. Oktober, ab 14 Uhr im Stadttheater in Olten.

«Es ist ein grosses Glück, wenn Paare gemeinsam alt werden und sich der eine um den anderen kümmern kann», kommentierte Organisator David Aegerter die kurze Videoeinspielung zu Beginn des Podiumsgesprächs. Sie zeigte eine alte Frau, die - trotz gesundheitlicher Beschwerden - noch immer zu Hause leben kann, weil sie von ihrem Mann und Angehörigen gepflegt wird.

«Doch nicht immer ist es so, wie im Video. Der Ehepartner ist tot, die Kinder leben weit entfernt oder können sich aus zeitlichen Gründen nicht um ihre Angehörigen kümmern», so Aegerter. «Das Leben im Alter will frühzeitig geplant werden.»

Leben mit Demenz

Welche finanziellen Möglichkeiten gibt es und wie geht man vor? Wie erkennt man Demenz und ist es möglich, damit zu Hause zu leben? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind zu treffen und was passiert nach einem Spitalaufenthalt?

Auf unterhaltsame Weise führte Dani Fohrler von Radio DRS1 durch den Nachmittag und unterhielt sich vor einem grossen Publikum mit Direktbetroffenen und Fachpersonen. Nadja Bertoli etwa berichtete vom Alltag mit ihrer 78-jährigen demenzkranken Mutter.

Alleine könne sie die Betreuung nicht bewältigen, weshalb ihre Mutter jeden Morgen Besuch von den Betreuungspersonen von Home Instead erhalte. Home Instead Seniorenbetreuung, ein weltweit tätiges Unternehmen mit 20 Betrieben in der Schweiz, versteht sich als Ergänzung zur Spitex und führt vor allem nicht-medizinische Dienstleistungen aus.

«Etwa gemeinsames Erledigen von Einkäufen oder Unterstützung bei Hausarbeiten», erklärt David Aegerter, Messeorganisator und Geschäftsführer von Home Instead Solothurn-Oberaargau sowie Thal-Gäu-Olten. «Für meine Mutter sind das einfach die lieben Frauen, die guten Feen, die jeden Morgen kommen», so Nadja Bertoli.

Wer bezahlt?

Bezahlt werden solche Leistungen teilweise vom Kanton. Dazu informierte Michel Goetschi, Abteilungsleiter Ergänzungsleistungen bei der Ausgleichskasse Solothurn: «Im Jahr 2011 hat der Kanton 200 Millionen Franken Ergänzungsleistungen ausbezahlt, und zwar an 8500 Bezügerinnen und Bezüger.»

Viele ältere Leute wüssten gar nicht, dass es das gebe, so der Fachmann. Detailliert beschrieb Nadja Bertoli, wie ihre demenzkranke Mutter dank entsprechender Unterstützung alleine zu Hause leben kann. Die Diagnose Demenz bedeute schliesslich nicht, dass man ins Pflegeheim müsse. Dies betonte auch Fachfrau Franziska Burkhalter, Präsidentin der Alzheimervereinigung Kanton Solothurn. «Es heisst aber, dass man die richtige Begleitung braucht.»

Auch Eva Kohler hat ihr Arbeitspensum reduziert, um sich um ihre 92-jährige Mutter, mit der sie unter einem Dach wohnt, kümmern zu können. Neben der Betreuung sei aber auch wichtig, Gespräche über Sicherheit zu führen. Es sei wichtig, dass sich alte Menschen am Telefon richtig verhalten und vor Trickbetrügern gewarnt sind, so Kohler.

Nicht erst um fünf vor zwölf

«Über die Vielfalt an Angeboten und Möglichkeiten wissen viele Senioren gar nicht Bescheid. Sie müssen sich an x verschiedenen Orten informieren», sagt David Aegerter. Dem wollte er Abhilfe schaffen, deshalb organisiere er die Messe nun schon zum dritten Mal. Es brauche einen Ort, wo man sich breit informieren könne - und zwar rechtzeitig. «Viele kümmern sich nämlich erst darum, wenn schon fünf vor zwölf ist.»

Vor und nach der Podiumsdiskussion konnten sich Besucherinnen und Besucher an 26 Einzelständen in Messeform über das vielfältige Angebot informieren. Ob über bauliche Anpassungen am eigenen Haus, Rollstühle und Rollatoren, Spitex-, Besuchs- und Fahrdienste oder finanzielle Angelegenheiten wie Erbschaften oder Ergänzungsleistungen:

Das Spektrum war enorm breit. Die zahlreichen Besucher waren sehr interessiert in Gespräche vertieft, stellten Fragen und sammelten Broschüren ein. «Da es hier platzmässig knapp wird und wir sogar Anbieter abweisen mussten, suchen wir für nächstes Jahr eine andere Lokalität, möglicherweise das Landhaus», betont Aegerter. Organisieren will er die Messe nämlich auf jeden Fall wieder.

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