Kunstmuseum

Wie Japan die Schweizer Kunst inspirierte

Der Farbholzschnitt von Martha Cunz «Holländischer Fischerhafen» entstand 1905 und lehnt ganz an die japanische Tradition an.

Der Farbholzschnitt von Martha Cunz «Holländischer Fischerhafen» entstand 1905 und lehnt ganz an die japanische Tradition an.

Das Kunstmuseum Solothurn verweist auf die japanischen Einflüsse von Amiet, Cunz und Tröndle.

Nach langen Jahren der Isolation erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die japanische Kunst in Europa eine grosse Verbreitung. Zahlreiche Künstler begeisterten sich. Der «Japonismus» entstand – Werke europäischer Künstler beeinflusst vom japanischem Stil. Unter ihnen sind so illustre Namen wie Vincent van Gogh oder Claude Monet zu finden. Auch Schweizer Künstler liessen sich von dieser «Mode» anstecken.

Nun ist im Grafischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn die vom Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen konzipierte Ausstellung «Der japanische Farbholzschnitt als Inspiration» zu sehen. Grosse Teile der Ausstellung wurden aus St. Gallen übernommen, jedoch wurde diese in Solothurn mit wichtigen Werken aus der eigenen Sammlung ergänzt. Im Zentrum stehen die meisterhaften Blätter von Martha Cunz (1876–1961), von denen das Kunstmuseum Solothurn 2013 ein grosses Konvolut aus dem Nachlass der Künstlerin erwerben konnte.

Die gebürtige St. Gallerin entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zur eigentlichen Meisterin in der Farbholzschnittttechnik der japanischen Tradition. Doch auch bestechende Farbholzschnitte der Solothurner Künstler Cuno Amiet (1868–1961) und Oskar Tröndle (1883–1945) verweisen mit Muster, Ornament, Bildauswahl und Farbgebung auf den fernöstlichen Einfluss und erlangen durch die Vereinfachung der Form eine grosse künstlerische Kraft. Dass die stilistischen Eigenschaften des Japonismus auch in Zeichnungen und Gemälden umgesetzt wurden, wird anhand von weiteren Beispielen aus der Solothurner Sammlung bewiesen, so etwa mit Werken von Félix Vallotton (1865–1925) oder Giovanni Giacometti (1868–1933).

Am Anfang stehen die Klassiker

Ausgehend von klassischen Farbholzdrucken japanischer Meister wird in der Ausstellung das Thema erst einmal eingegrenzt. Von besonderem Zauber ist hier die berühmte «Grosse Welle vor der Küste von Kanagawa» von Katsushika Hokusai (1760–1849). In den drei Sälen des Grafischen Kabinetts wurden die Arbeiten danach thematisch gehängt. So finden sich im ersten Raum vorwiegend Tiermotive: Kraniche, Störche, Schwäne – aber auch Katzen. Die japanischen Meister zeigten Alltagssituationen, schlichte, eher stille Begebenheiten. Die hiesigen Künstler machten es ihnen gleich. Typisch sind Wasser-Spiegelungen, der Verzicht auf Schatten. Zu sehen sind auch authentische Holzdruckstöcke, die für ein Bildmotiv von Martha Cunz verwendet wurden.

In einem weiteren Saal sind vorwiegend maritime Motive zu entdecken. Eher schweizerisch sind Markt- oder dörfliche Szenen. Der dritte Raum wird von alpinen Berglandschaften beherrscht, und es ist erstaunlich zu sehen, wie künstlerisch ähnlich sich die Faszination für Berglandschaften in Japan und in der Schweiz ausdrückt.

Vernissage heute Samstag, 8. Juli, 17 Uhr. Bis 8. Oktober. www.kunstmuseum-so.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1