Solothurner Filmtage
«Wie eine tanzende Eins»: Solothurner Künstler hat die Skulptur für den neuen Preis «Opera Prima» entworfen

An den Solothurner Filmtagen werden zum ersten Mal Erstlingswerke geehrt: Opera Prima heisst der Preis. Gestaltet hat ihn Felix Flury.

Judith Frei
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Felix Flury gibt in seinem Atelier dem Preis den letzten Schliff.

Felix Flury gibt in seinem Atelier dem Preis den letzten Schliff.

Bilder: Module+

Heute Abend wird im Rahmen der Solothurner Filmtage zum ersten Mal die Auszeichnung Opera Prima verliehen (siehe Box unten). Eine Preisverleihung braucht auch eine Trophäe, einen Gegenstand, den die Gewinnerin oder der Gewinner noch auf der Bühne in der Hand halten kann und den ihn oder sie später an seinen Erfolg erinnert. Es ist ein Objekt, das wie ein Kunstwerk ausgestellt wird.

Für den neuen Wettbewerb der Filmtage musste natürlich auch eine neue Trophäe gemacht werden. Die Organisatoren des Filmfestivals setzten hier auf einen lokalen kreativen Kopf. Dem Solothurner Künstler Felix Flury wurde die Ehre zugeteilt, eine Skulptur für den Sieger herzustellen. «Es hat mich sehr gefreut, dass Anita Hugi, die Direktorin der Solothurner Filmtage, mich angefragt hat, den Preis zu gestalten», sagt Flury.

Die Skulptur, die er gestaltet hat, ist 21 cm hoch und aus Bronze. Die vertikal aufgeschichteten Parallelogramme haben etwas Spielerisches, Leichtes. «Für mich sieht es aus wie eine tanzende Eins», sagt Flury treffend. Das sei aber keine offizielle Interpretation, sondern seine Betrachtungsweise.

Die Trophäe besteht aus Bronze und ist 21 cm gross.

Die Trophäe besteht aus Bronze und ist 21 cm gross.

Bilder: Module+

«Mir haben die rechteckigen Löcher längs der Filmstreifen den Anstoss für die Arbeit gegeben», erklärt der Künstler. Diese Löcher seien dafür verantwortlich, dass die Bilder sich aneinanderreihen, transportiert werden und so ein bewegtes Bild entsteht, «ein Moving Image», wie er sagt. Dass es gerade sieben aufeinandergewürfelte Elemente sind, ist nicht zufällig. Mit dieser Anzahl verweist er darauf, dass der Film als Septième Art – die siebte Form künstlerischen Ausdrucks ist – wie es Hegel schon im 19. Jahrhundert formuliert hat.

Alles eine Frage der Perspektive

Wenn man die Skulptur betrachtet, dann sieht sie je nach Blickwinkel anders aus. Der Schattenwurf verändert sich und dadurch erscheint die Skulptur ganz anders. Es gibt eine andere Dramaturgie, ähnlich wie bei einer sich wechselnden Kameraeinstellung. «Alles ist auch immer eine Frage der Perspektive», sagt Flury.

Die Filmkunst zeige dem Zuschauer stets eine andere neue Welt oder die gleiche Welt aus einer anderen Perspektive. Mit den verschiedenen Elemente und Ansichten will er zudem zeigen, dass die Filmkunst eine mehrstufige Disziplin ist. Jedes Parallelogramm soll einen Aspekt des Filmemachens ehren: Ton, Schnitt, Regie sind einige wenige Elemente, die zum Schluss einen Film ausmachen.

Dass seine Skulptur ein Erstlingswerk würdigen wird, freut Flury: «Ich hoffe, dass der Preis die Person motivieren wird, weitere Filme zu machen.» Er hofft aber auch, dass seine Bronzeskulptur nicht in einer Schublade verschwindet oder in einem dunklen Keller verstaubt.

Kunst aus Solothurn für Solothurner Filmtage

Der Solothurner Künstler besucht schon seit den späten 1970er-Jahren die Solothurner Filmtage. Dass er dieses Jahr einen Preis für das Festival machen durfte, ehrt ihn. Da er seine Galerie wegen der behördlichen Bestimmungen geschlossen halten musste, war das Timing für den Auftrag auch ideal.

Er führt seit 2003 in der Altstadt die Galerie S O. In diesem Ausstellungsraum können – unter normalen Umständen – Schmuck- und Objektkünstler ausstellen. Wann er wieder die Türen öffnen wird, sei unklar. Jetzt geht es aber zuerst darum, Kopien von dem Original herzustellen, damit auch die zukünftigen Gewinnerinnen und Gewinner eine Erinnerung an ihr geglücktes Erstlingswerk haben.

Opera Prima - Ein Erstlingspreis

Zum ersten Mal in diesem Jahr wird die Auszeichnung «Opera Prima» vergeben. Damit werden zum ersten Mal im «Schweizer Film einen Preis für Debütfilm vergeben», wie es auf der Website heisst. Der Wettbewerb umfasst alle Schweizer Langfilmdébuts der offiziellen Auswahl.

Die Filme wurden von der Regisseurin Anja Kofmehl, dem Festivaldelegierten Paolo Moretti und dem Verleiher Patrick Sibourd juriert. Die neue Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 20000 Franken dotiert. Preisstifter des Regiepreises sind die Kulturfonds der Urheberrechtsgesellschaften SUISSIMAGE und SSA. Die Preisverleihung findet heute Dienstagabend um 18 Uhr statt. Dabei sein werden die Jury, Stadtpräsident Kurt Fluri sowie Filmtage-Direktorin Anita Hugi. (jfr/mgt)

Hinweis: Die Feierlichkeiten der Preisverleihung kann man auf der Website www.solothurnerfilmtage.ch mitverfolgen.

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