Filmtage-Treffpunkte
Wie ein Tsunami strömen Filmtage-Besucher in die Restaurants

Während den Filmtagen wimmelt es in den Beizen und Bars in Solothurn. Zumindest zwischen den einzelnen Filmblöcken brummt der Laden. Das hinterlässt rund ums Landhaus zufriedene Gesichter.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Im «Salzhaus» könnten Filmtage-Gäste sogar draussen dem Sightseeing frönen – sofern Zeit da wäre.

Im «Salzhaus» könnten Filmtage-Gäste sogar draussen dem Sightseeing frönen – sofern Zeit da wäre.

Wolfgang Wagmann

22.30 Uhr, Filmtage-Freitag. Einen dümmeren Moment, ein Häppchen im «Kreuz»-Saal zu verkosten, gibt es nicht. Denn im Landhaus ist der Film aus, und die ganze Meute ergiesst sich in das wesentlich kleinere «Kreuz». Die Kollegen winken schon im Treppenhaus ab – keine Chance, da raufzukommen. Dafür hätte es in der Aarebar nebenan Platz. Oder oberhalb des «Filmtage-Äquators», der Hauptgasse, die den quirligen Süden Solothurns vom ruhigen Norden trennt. Wie etwa dem Stalden.

Doch immer öfter schwappt die Welle auch über die magische Grenze hinaus. «Es ist jeweils wie ein Tsunami», freut sich im Zunfthaus zu Wirthen Geschäftsführer Chris van den Broeke. Tatsächlich: Am Montagabend werden die zwei, drei Stammtische mit Solothurner Herrschaften plötzlich von gehetzten «Filmtägelern» umspült. Hektik kommt auf. «Das Angebot ist jedoch das gleiche wie ausserhalb der Filmtage. Und personell haben wir nur mittags die Küche verstärkt.» Einen Trick hat van den Broeke dennoch auf Lager: Die eine Speisekarte ist eine «schnelle», bei den Gerichten auf der anderen heisst es etwas warten.

Und so sind die Renner in der «Wirthen» klar «Flammkuchen und Schnipo». Zweimal am Abend breche der «Tsunami» für 45 Minuten über die Servicebrigade herein, «wir merken schon, dass es an den Filmtagen im Restaurant anzieht», so der Gastgeber, der das Traditionslokal im fünften Jahr betreut. «Mittags ist jeweils ohnehin voll, und das Hotel war schon immer ausgebucht. Schön ist aber, dass Leute, die an den Filmtagen hier waren, nun auch an die Literaturtage kommen.»

«Unsere Lage ist perfekt»

«Wir haben viel mehr Leute von den Filmtagen oder solchen, die beim Anlass mithelfen», freut sich auch Sabrina Knittel, Geschäftsführerin des «Salzhauses» am Landhausquai. Am Freitag und Samstag seien die Gäste «schubweise» eingetrudelt, und «am Sonntag standen die Filmtage-Freaks vom Landhaus her Schlange bis zu uns. So wurden wir wahrgenommen, denn in solchen Situationen ist unsere Lage perfekt.» Zudem sassen einige hart gesottene Gäste auch schon an den vier Tischen draussen am Aarestrand. «Die Küche ist über die Filmtage etwas länger geöffnet, aber später war auch die Bar jeweils sehr gut besucht.» Und sogar im dritten Filmtage-Jahr des «Salzhauses» stellt Sabrina Knittel noch immer Kiebitze im Restaurant fest, die sich «ganz einfach die Architektur hier ansehen wollen».

«Härzigi Lütt»

«Ich finde die Filmtage von Donnerstag bis Donnerstag viel besser. Früher war am Sonntag jeweils nur noch eine ‹Abzüglete› im Gang», meint Beni Steiner, Mitinhaber des Bistros Heaven Bar. Genau in der Ein- und Ausfall-Achse des Landhauses gelegen, musste Steiner am Sonntag «sehr viele Leute» draussen vor seiner Bar feststellen, doch seien er wie die Barfrau Margot mit Grippe «flachgelegen». Doch im nächsten Jahr werden wir «auf jeden Fall offen haben». Denn im «Heaven» sei die Stimmung stets «sehr gut und positiv» gewesen, «wir hatten viele ‹härzigi Lütt›, und unsere Stammgäste mischten sich unter sie – die lassen sich nicht vertreiben». Oder wie Steiner zu den Filmtagen bilanziert: «Das war für uns die Fasnacht!»

In der «Grünen Fee» sind sich Inhaber Roger Liggenstorfer und Barkeeper Ulf einig: «Der Donnerstag war noch tot, doch dann gingen zeitweise gar nicht mehr alle Leute in unsere Bar rein. Wir müssten für die Filmtage ausbauen.» Trotzdem: Liggenstorfer sah im ehemaligen Filmtage-Zeitplan auch Vorteile: «Alles baute sich schön aufs Wochenende auf. Jetzt ist der Peak vorbei, aber es sind noch immer Filmtage.» Die in der «Grünen» Fee» übrigens stilecht begossen werden: oben gelber Eierlikör mit Absinthe, unten schwarzer Espressolikör und – fertig ist der «Trailer».