Solothurner Sommerfilme

Wie ein Kinoimbiss Begegnungen schafft

Seit 14 Jahren ist der «Insieme Träff» mit Menschen mit Beeinträchtigungen fixer Teil des Verpflegungsangebots bei den Solothurner Sommerfilmen.

Wenn ab Dienstag auf der Krummturmschanze wieder Sommerfilme über die Leinwand flimmern, fehlen auch die Gaumenfreuden abseits der cineastischen Arena nicht. Und sobald es nach Älplermagronen und Raclette, nach Kaffee und Kuchen duftet, ist der Kinofreund mit knurrendem Magen dem Verpflegungsstand von «Insieme Träff» nicht mehr fern.

Hinter dieser Bezeichnung steht eine ehrenamtliche Untergruppe von Insieme Solothurn, der Vereinigung für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Obwohl: Eva-Maria Fischli, die seit langem tatkräftig und prägend mitwirkt, lieber von Menschen mit Handicap spricht. Und für jene Menschen will sich der Träff gezielt einsetzen: konkret für den sonst eher als zweitrangig eingestuften Lebensbereich der Freizeitgestaltung. «Dabei ist gerade der Zweig der Freizeit gegen die Vereinsamung und fürs Knüpfen von Kontakten extrem wichtig», so Fischli.

Dank Älplermagronen nach Barcelona

Das umfangreiche Jahresprogramm mit Aktivitäten, die die Teilhabe am öffentlichen Leben fördern sollen, spricht für sich: Schneeweekends, Naturführungen, Museumsbesuche, Motorradausflüge, Betriebsbesichtigungen und sogar Reisen ins Ausland. «Solche werden vom Bundesamt für Sozialversicherungen aber nicht mitfinanziert, obwohl sie für die Teilhabe ebenso wichtig sind», erklärt Fischli. Dies ist mit ein Grund, weswegen man für die Finanzierung der Aktivitäten des «Insieme Träff« auch selbst die Ärmel nach hinten krempelt. Rund 20 Personen packen bei der Präsenz auf der Krummturmschanze mit an, darunter auch Mitglieder des «Insieme»-Vorstandes.

«Diesmal geht es nach Barcelona», freut sich Stefan Hof angesichts der nächsten «Träff»-Reise. Er arbeitet sonst in der Vebo Langendorf, hat sich aber für den ehrenamtlichen Einsatz an der Kasse extra freigenommen. Das gleiche gilt für seine Lebenspartnerin Barbara Spiess, die im Zentrum Oberwald arbeitet und für die Zubereitung der Älplermagronen zuständig ist. «Dieses Engagement rührt mich», sagt Fischli, die dabei ist seit 1983 – als der «Träff» noch unter dem Namen Freizeitclub der Pro Infirmis angegliedert war.

Während der Sommerfilme herrscht jeweils auch im Hauptquartier des «Insieme Träffs» im benachbarten Alten Spital ein emsiges Treiben. Hier finden sich Lager und Produktionsstätte für die feilgebotenen Annehmlichkeiten. «Ich sage nach jedem Mal ‹nie wieder!› und freue mich doch immer wieder aufs Neue auf die Sommerfilme», sagt Barbara Spiess.

Barbara Spiess, Eva-Maria Fischli, Stefan Hof und Markus Fischli (v.l.) sind in den Startlöchern für die «Sommerfilme». Bild: Andreas Kaufmann

Barbara Spiess, Eva-Maria Fischli, Stefan Hof und Markus Fischli (v.l.) sind in den Startlöchern für die «Sommerfilme». Bild: Andreas Kaufmann

Gemäss der Devise: «Vom Rand in die Mitte»

Der ganze Standbetrieb wird in kleine Teilaufgaben aufgeteilt und den Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen nach ihrer eigenen Möglichkeiten zugewiesen. Piktogramme unterstützen, wo die Lesefähigkeit der Helfer nur schlecht oder gar nicht ausgebildet ist. Dabei komme es vor, dass einzelne «Sommerfilme»-Besucher gar nicht merken, dass sie am «Insieme Träff» von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigung bedient werden. Und so ist neben dem Effekt der Einnahmequelle auch die integrative Wirkung nicht zu vernachlässigen.

«Das Engagement bestärkt die Menschen in ihrem Selbstwert», sagt Eva-Maria Fischli. «Ich verdiene hier etwas für unsere Gemeinschaft, für unsere Ausflüge», sagt Stefan Hof, der auch bei der Planung des Jahresprogramms mitentscheiden kann.

«Durch die Mitsprache und Inklusion lösen sich die Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen teilweise gar auf», sagt Markus Fischli, Ehemann von Eva-Maria Fischli und Leiter des «Insieme Träffs». Nicht zuletzt sorgt der Stand auf der Krummturmschanze für Sichtbarkeit: «Es ist Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir darauf hinweisen können, was Insieme ist», so Markus Fischli.

Doch wie lange bleibt der «Träff» dem Open-Air-Kino noch treu? Bereits zum 14. Mal ist er fester Bestandteil der «Sommerfilme» des Alten Spitals. «Vorschläge, diesen Punkt im Jahresprogramm nach langen Jahren durch andere Aktivitäten zu ersetzen, werden von den Menschen mit Handicap grundsätzlich abgelehnt», sagt Fischli schmunzelnd.

Meistgesehen

Artboard 1