Der letzte Blumenstein-Erbe, Rittmeister Josef Glutz-Ruchti, war pleite. Und seine Frau Mathilde Pfyffer von Heidegg zuvor mit einem Grossteil des Mobiliars, darunter auch das Altarbild der Hauskapelle, ausgezogen. Was beim Konkurs übrig geblieben war, wurde versteigert. «Für die übrige Einrichtung der Hauskapelle fand sich kein Käufer», so Blumenstein-Konservator Erich Weber. Das kam Fritz Hirt- Baumgartner zugute: Er erwarb das Schloss Blumenstein 1933. Der wohlhabende Inhaber eines Kohle- und Benzinwarenhandels war in seiner Freizeit Konservator der historisch-antiquarischen Sammlung des Museums Solothurn. Hirt hatte ein Ziel und damit eine Lebensaufgabe: Das Blumenstein wieder im alten Glanz einzurichten. Erich Weber: «Er kaufte damals bei Mathilde Pfyffer und im Auktionshandel alles, was tatsächlich oder angeblich einmal im Schloss gewesen war.» Nach und nach fand das Schloss wieder seinen alten Glanz. Aber nun zogen familiäre Schatten über dem Blumenstein auf.

Das fehlende «von»

Beim Einrichten des Hauses hatte Fritz Hirts Tochter tatkräftig mitgeholfen. Doch die Erwartungshaltung ihrer Eltern wollten die Geschwister Lucie und Fritz nicht erfüllen – sie heirateten bürgerlich, und ohne ein «von» im Namen machte das Schloss für die Kinder keinen Sinn. So verkaufte Fritz Hirt Senior 1953 Schloss Blumenstein für einen Freundschaftspreis an die Stadt Solothurn. Die Auflage: Es musste ein wohnhistorisches Museum bleiben. «Für die Tochter Lucie war dies ein Stich ins Herz», fasst Erich Weber die Erinnerung ihres Bruders Fritz zusammen, der wie Lucie inzwischen verstorben ist. «Nie mehr hat sie einen Fuss in ihr ehemaliges Elternhaus gesetzt, obwohl sie nur gut zwei Steinwürfe entfernt gewohnt hat», weiss der heutige Konservator.

Webers Vorvorgänger, Konrad Glutz von Blotzheim, musste dagegen Anfang der sechziger Jahre mit der frustrierten Tochter eine unangenehme Erfahrung machen: Sie hatte die Kapellen-Einrichtung der Stadt entzogen, offenbar auch auf das Betreiben ihrer Mutter Lucie Hirt-Baumgartner.

Völlig überrumpelt

Der damalige Konservator war laut Weber «völlig überrumpelt und höchst unzufrieden.» Hatte die Stadt doch von Mathilde Pfyffer nach dem Kauf 1953 das Altarbild erhalten und die Kapelle wieder eingerichtet. Bis die Hirt-Tochter die Ausstattung zurückforderte, weil diese Teile nicht explizit im Kaufvertrag aufgeführt worden seien. Glutz-Blotzheim konnte dagegen nichts machen, rechtlich war die Lage klar. Und so musste er die ganze Kapellenausstattung bis auf das Altarbild herausrücken – die Rache der Tochter an der neuen Blumenstein-Besitzerin, der Stadt Solothurn, war geglückt. Und es sollten ganze 54 Jahre verstreichen, bis alles sich wieder am ursprünglichen Ort, oben im Schloss Blumenstein, zusammenfand.

«Ich war völlig baff»

Zwar wurde um das verbliebene Altarbild herum wieder eine Art Kapelle eingerichtet, «die aber nicht zu überzeugen wusste», erklärt Erich Weber. 1999 wurde dann die «Pseudokapelle» wieder ausgeräumt und das Altarbild eingelagert. Doch vor rund zehn Jahren habe ihm Markus Hochstrasser von der kantonalen Denkmalpflege eher beiläufig mitgeteilt, dass Altarteile vom Blumenstein als Legat von Hirts Tochter Lucie (Hüsler) in die Neu-Bechburg ob Oensingen gelangt seien. Erich Weber hatte die Info schon fast vergessen, bis sich abzeichnete, dass der Erker der ehemaligen Hauskapelle saniert werden musste. Erst jetzt erinnerte sich der Konservator wieder an Hochstrassers Aussage, nahm alte Fotos wie jene aus den zwanziger Jahren (Bild oben) hervor und – und sah sich in der Bechburg um. «Ich war völlig baff», so Weber, «denn dort war tatsächlich alles vorzufinden, was auf dem Bild zu sehen ist: Gebetsstühle, Bibel, Bibelständer, Gebetstafeln, Reliquare, Kerzenständer und die hölzernen Altarteile.»

Die Stiftung Neu-Bechburg, die eben das Schloss neu möblieren liess, hatte für die Gegenstände, die nicht ins Haus passten, keine Verwendung. Und überliess sie dem Blumenstein als Dauerleihgabe unter der Bedingung, dass die Kapelle wieder «auf unsere Kosten» eingerichtet und alles restauriert werde. Sehr zur Freude von Erich Weber, denn nun konnten nicht nur der Erker renoviert und wieder mit den ehemaligen bunten, neugotischen Fenstern bestückt werden. Auch das Altarbild und die Altarteile wurden restauriert, die Reliquare wieder mit rotem Samt bezogen. Und so hat sich für Erich Weber «ein abenteuerlicher Kreis geschlossen».

Vernissage: Dienstag, 28. Oktober, 19.30 Uhr im Blumenstein, danach Apéro.