Chronologie
Wie die Geschichte der Wasserstadt begann – und endete

Ein raumplanerisches Gutachten sieht viel zu viele Hürden für das Projekt Wasserstadt Solothurn. Der Traum bestand schon seit Jahren.

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Wasserstadt Solothurn: Erstes und zweites Modell und die Stadtmist-Sanierung.

Wasserstadt Solothurn: Erstes und zweites Modell und die Stadtmist-Sanierung.

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Badestege, Bootshäuser, Restaurants; 130 Bauparzellen, 530 Wohnungen, und eine öffentliche Promenade. Das war die Vision Wasserstadt; eine künstliche Aareschlaufe in der Solothurner Weststadt, gebaut auf dem früheren Stadtmist, dessen Totalsanierung die steuerkräftigen Wasserstadteinwohner nebenbei ausfinanzieren.

Doch seit Donnerstag ist klar: Es bleibt bei der schönen, über Jahre aufgebauten Vision. Investor Ivo Bracher muss seine Idee eines Klein-Venedig am Stadtsolothurner Aareufer beerdigen. Mit einem raumplanerischen Gutachten haben Stadt und Kanton dem Projekt den Todesstoss versetzt.

Vorgestellt wurde das «Klein-Venedig» im Jahr 2006. Was geschah bisher? Wir blicken zurück.

2006

Das Architekturbüro Herzog & de Meuron erarbeiten ein erstes Projekt zur Wasserstadt. Es wird im Januar 2008 vorgestellt.

Das erste Modell der «Wasserstadt»

Das erste Modell der «Wasserstadt»

Zur Verfügung gestellt

September 2009

Die wasserstadtsolothurn AG wird mit dem Ziel gegründet, das Projekt Wasserstadt voranzutreiben.

Juni 2010

Eine Modell zeigt: Die Qualität des Badewassers im künftigen See der Wasserstadt wird gut sein.

Mai 2011

Das Projekt «Wasserstadt» würde Stadt und Kanton in den nächsten 40 Jahren rund 190 Millionen Franken einbringen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag der «Wasserstadt»-Promotoren und der kantonalen Wirtschaftsförderung.

Dezember 2011

Erste Sondierungsbohrungen auf dem Stadtmist werden durchgeführt.

Bagger auf dem Stadtmist. (Archiv)

Bagger auf dem Stadtmist. (Archiv)

Wolfgang Wagmann

Februar 2012

Architekt Robert Hösl stellt das vom Architekturbüro Herzog & de Meuron vollständig überarbeitete Projekt vor. Dieses wurde an die aktuellsten Erkenntnisse und Bedürfnisse angepasst. Die Siedlung baut sich aus zwei ringförmigen Strassen und vier niedrig gehaltenen Gebäudereihen entlang des Wassers auf. Im Vergleich zum ersten Entwurf enthält das neue Modell mehr Wohnungen, das Quartier ist mit zahlreichen Freiräumen und Plätzen versehen. Das Modell sieht ebenfalls eine über ein Kilometer lange Seepromenade.

Visualisierungen der Wasserstadt Solothurn
3 Bilder
So könnte die Uferpromenade aussehen
Blick aus dem Hotel über die Wasserstadt

Visualisierungen der Wasserstadt Solothurn

Herzog & de Meuron

November 2012

Der Kanton nimmt das Wohnbauprojekt «Wasserstadt» in den Richtplan auf und signalisiert damit grundsätzlich Unterstützung.

Juni 2013

In einer Motion fordert FDP-Gemeinderat Beat Käch, die Stadt müsse «sofort alle Vorkehrungen und Massnahmen ergreifen, um dem Kanton die Einzonung zu beantragen.» Zudem fordert er eine Totalsanierung des Stadtmistes – «unabhängig vom Grad der Sanierungspflicht».

Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri sieht noch zahlreiche Stolpersteine für das Grossprojekt, wie aus seiner Antwort auf Kächs Motion hervorgeht. Einige der Stolpersteine: Das neue Raumplanungsgesetz verfolgt eine Siedlungsentwicklung nach innen. Die Stadt Solothurn hat genügend Bauzonenreserven bis ins Jahr 2025. TCS müsste als Betreiber des Campingplatzes mit einer teilweisen Neuplatzierung seiner Anlagen einverstanden sein. Ein Grossteil der Wasserstadt befindet sich in der Witi, die zur Schutzzone gehört oder Landwirtschaftsland ist.

Fluri sieht die Sanierung des Stadtmistes als Dreh- und Angelpunkt für eine Realisierung.

Alle erwähnten «Stolpersteine» seien lösbar, sagt Wasserstadt-Initiant Ivo Bracher. Bezüglich raumplanerischer Vorgaben sieht die Wasserstadt AG anders als der Stadtpräsident keine Konkurrenz zwischen «Weitblick» und Wasserstadt.

September 2013

Eine Wertschöpfungsstudie, die mit den Finanzchefs von Stadt und Kanton erarbeitet wurde, verspricht bei einer Realisierung des Projektes dank angenommenen Steuereinnahmen eine steuerneutrale Sanierung des Stadtmistes. Von den 900 künftigen Bewohnern rechnet die Studie mit 550 Steuerzahlern, von denen 44 Prozent von ausserhalb des Kantons zuziehen.

Januar 2015

Die Verzögerung des Sanierungsentscheides macht einige Personen ungeduldig. Die beiden Stadtsolothurner FDP-Gemeinde- und Kantonsräte Urs Unterlerchner und Beat Käch reichen im Kantonsrat eine Interpellation ein. Sie möchten, dass die Stadt Solothurn – und darüber hinaus gar noch die privaten Promotoren der Wasserstadt vertraulich über die anstehenden Sanierungsmassnahmen informiert werden. Und dies noch bevor der Bund und später die übrige Öffentlichkeit davon erfahren.

März 2015

In ihrer ausführlichen Stellungnahme zur überparteilichen Interpellation – lanciert von Urs Unterlerchner und Beat Käch – gibt sich die Regierung betont sachlich und erläutert im Detail die Rahmenbedingungen, welche die Realisierung des Projekts verzögern und erschweren. Eine Einzonung der für die «Wasserstadt» beanspruchten Fläche sei «unter Umständen» dann von öffentlichem Interesse, wenn eine Totalsanierung altlastenrechtlich zwingend nötig ist, betont die Regierung. Sie will den Verantwortlichen keine vertraulichen Informationen weiterleiten.

Juli 2015

Das Amt für Umwelt gibt bekannt, dass es eine Totalsanierung favorisiert – doch nicht für den Preis von 295 Mio. Franken, den die Experten vorgeschlagen haben.

September 2015

Das Projekt Wasserstadt wird im Kantonsrat diskutiert. «Es kommt nur eine Totalsanierung infrage. Der Müll darf nicht den nachfolgenden Generationen hinterlassen werden», macht Beat Käch klar. Die Fragen, die er und Urs Unterlerchner in einer Interpellation stellten, löst auch Kritik bei den Ratskollegen aus. Manche Fragen werden als «dreist» bezeichnet.

Herbst 2015

Das Bau- und Justizdepartement gibt ein Rechtsgutachten zur raumplanerischen Realisierbarkeit der Wasserstadt in Aufrag.

November 2015

Markus Graf

Markus Graf

Hansjörg Sahli

Markus Graf, Vorsitzender der Konzernleitung von Swiss Prime Site, wird zum neuen Delegierten des Verwaltungsrats der wasserstadtsolothurn AG gewählt. «Das Projekt Wasserstadt hat das Potenzial, die gesamte Region aufzuwerten und attraktiver zu machen», erklärt er.

Stadt und Kanton Solothurn schreiben die Arbeiten zur Totalsanierung der Stadtmistdeponien aus. Mit der Wahl eines Totalunternehmers sollen bis spätestens Ende 2016 die Kosten für eine Totalsanierung der drei sanierungspflichtigen Altlastendeponien «Oberer Einschlag», «Spitelfeld» und «Unterhof» verbindlich ermittelt werden.

3. März 2015

Die Fläche für die Wasserstadt Solothurn lässt sich aus rechtlichen Überlegungen nicht einzonen. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, welches vom Bau- und Justizdepartement in Auftrag gegebenen worden war. Alt Bundesrichter Heinz Aemisegger stellt das Gutachten an einer Medienkonferenz vor.