Filmrollen einspannen, Projektor anschmeissen – das war einmal. Wer früher als Operateur zuständig war, dass an einem Kinoabend im wahrsten Sinne alles rund läuft, hat heute einen neuen Beruf, der eher wie der eines IT-Fachmanns aussieht. Mit der Entwicklung des DCP-Formats (Digital Cinema Package) hat die Filmbranche definitiv in der digitalen Abspieltechnik Fuss gefasst.

Von dieser Entwicklung zeugen auch die Filmtage, die 2007 erstmals digitale Streifen zeigten. Mittlerweile stapeln sich Festplatten und USB-Sticks im Transport-Depot bereits höher als die guten alten Filmrollen: 2011 waren es noch 18 DCP-Filme, die im Hauptprogramm («Panorama Schweiz») zu sehen waren, 58 waren es letztes Jahr und heuer 125. Im selben Zeitraum ging der Anteil an Magnetbändern und analogen 35-Millimeter-Filmen zurück. Aktuell sind im Hauptprogramm gar keine analogen Filme mehr zu sehen – insgesamt sind es noch rund zehn Prozent.

Kaum Sorgen mit Digitalfilmen

Einer, der die Branche und seine technischen Umwälzungen seit Jahrzehnten an vorderster Front mitverfolgt, ist Patrik Engler der Firma Protronic AG, die als Pionierin die ersten Kinos in der Schweiz digital ausgerüstet hat. An den Filmtagen sind sein Team und er jeweils dafür zuständig, die Reithalle, das Landhaus und neu auch den Konzertsaal mit der nötigen Technik auszustatten, sowie die bestehenden Kinos auf den Filmtage-Betrieb umzurüsten. «Ausserdem fällt das Pikett in meinen Zuständigkeitsbereich.» Doch in diesem Ämtli gibt es für ihn dank DCP wenig zu tun: «Auch in absoluten Zahlen hatte ich heuer bisher weniger technische Pannen mit dem digitalen Material als mit 35-Millimeter-Filmen.» Wobei eine bekannte IT-Devise auch hier gilt: Fehler sind meistens menschlicher Natur. «Beim angelieferten Material, das aus Steuerungs- Film-, Ton- und Untertiteldateien besteht, ist dann beispielsweise der Untertitel nicht richtig eingerichtet. Aber das sind alles Lerneffekte.»

Doch auch intuitiv muss man sich mit der neuen Technik anfreunden können: «Natürlich gibt es Zuschauer, die das digitale Bild zu bissig, zu klinisch, zu ‹clean› finden», weiss Engler, der selbst 30 Jahre «intensiv und mit Herzblut» mit dem 35-Millimeter-Format gearbeitet hat. «Andererseits ist es nur der Wandel der Zeit, mit dem man umgehen können muss.» Doch tot ist der analoge Film deswegen noch lange nicht: «Ebenso wie die Schellackplatte nie ganz verschwunden ist, wird auch der 35-Millimeter-Film als Nischenprodukt weiterexistieren.» Auch könne man das Material aus über hundert Jahren Filmarchiven nicht in null Komma nichts digitalisieren.

Richtig auf den Zeitgeist reagiert

Ein Vorteil, den Engler dem analogen Format, zugesteht, ist die Archivierung: «Diese lassen sich in geschützter Umgebung lange lagern. Digitale Daten hingegen müssen dazu ständig gepflegt werden.» Herausforderungen, denen sich nach seiner Einschätzung Filmarchivare in naher Zukunft oft stellen werden. «Doch fürs tägliche Geschäft ist die Umstellung auf digitale Projektion das einzig richtige», so Engler. Kleine Kinos können dank besserer Kopierbarkeit optimal bedient werden, ohne Verteilungskämpfe um Filmrollen auszutragen. «Auch die Filmtage haben im richtigen Moment damit begonnen, auf die digitale Technik umzustellen.»