«Wir scannen die Stadt.» Die Aussage stammt von Jörg Eichhorn, Geschäftsführer der Newport Highstreet AG in Zug. Im April hatte die Firma das Geschäftshaus an der Hauptgasse 14 erworben, jetzt wird es von seinen bisherigen Mietern verlassen – auf mehr oder weniger sanften Druck, aber auch mithilfe des neuen Besitzers. Eichhorn betont die «Swissness» seiner Firma, kann aber Verbindungen zum Stammhaus in Hamburg nicht ganz dementieren.

Doch nicht nur die «Zuger Deutschen» sind aktiv in Solothurn und anderen Städten. 2012 erwarb die «Aachener Grundvermögen» Kapitalanlagegesellschaft GmbH in Köln das Wohn- und Geschäftshaus an der Gurzelngasse 20, wo «Mode Schild» eingemietet ist. Wie professionell aber Schweizer «Satelliten» von deutschen Immobilienfirmen die Einkaufsstrassen vieler Schweizer Städte «röntgen» oder eben «scannen», beweist die «Comfort High Streets Swiss AG» mit Sitz in Zürich – nicht zu verwechseln mit der erwähnten Newport Highstreet AG in Zug, aber klar deklariert ein Tochterunternehmen der deutschen Comfort-Gruppe.

Im «Comfort High Street Report» der Ausgabe 2013/14 werden 78 Einkaufsstrassen von 29 Städten in 18 Kantonen regelrecht seziert. «In Tabellen und schematischen Darstellungen erhalten Sie einen Überblick über die Bevölkerungsentwicklung, die Mieten, die Einzelhandelskaufkraft oder die Umsätze», verspricht «Comfort»-Geschäftsführer Holger Schikiera im Vorwort des Reports.

Und meint damit auch Solothurn, das wie Olten – nicht aber Grenchen – im «Shopping Ranking» zu finden ist.

Es wird monoton

Mit der Präsenz und dem Interesse dieser international aktiven Firmen an der «Boomtown» Solothurn erhält der bereits in vollem Gang befindliche Kampf um jede Immobilie in den Toplagen eine neue Brisanz. Zuletzt hatte vor allem der Solothurner Geschäftsmann Urs Rudolf reihenweise Altstadtliegenschaften erworben, sie saniert und dafür vor allem auch solvente Mieter gesucht und gefunden. Nun drängen offensichtlich neue Mitbewerber in den Markt, und die Filialisierung der Innenstadt-Toplagen wird sich damit wohl nochmals beschleunigen.

Ein Blick auf den «Flickenteppich» des Branchenmix im «Ypsilon» der Gurzeln- und Hauptgasse zeigt deutlich, wohin die Reise geht: Textil- und Schuhläden, Banken und Dienstleister der Telekommunikationsbranche dominieren die Schaufensterfronten. Die Miete machts: Für Läden zwischen 80 und 120 Quadratmetern rechnet dort der «Comfort City»-Index in Solothurn inzwischen mit 1000 bis 1200 Franken Jahresmiete pro Quadratmeter, bei grösseren Ladenflächen immer noch mit 900 bis 1100 Franken. Das ist zwar nicht die Bahnhofstrasse in Zürich (3000 bis 8000 Franken pro Quadratmeter und Jahr), aber immerhin das Doppelte, als in Olten für eine Geschäftsmiete in guter Lage zu kalkulieren ist.

Ein attraktiver Kuchen

Der «Comfort»-Report beziffert den Einzelhandelsumsatz 2012 in Solothurn auf 427,1 Mio. Franken, was im Vergleich zur Grösse anderer Städte kein schlechter Wert ist. Der Kaufkraft-Index liegt immerhin bei fast 100 Prozent, was nahezu dem Schweizer Durchschnitt entspricht, den aber längst nicht alle anderen Städte auch nur annähernd erreichen.

Auffallend dagegen ist die Spitzenposition von Solothurn bei der sogenannten Einzelhandelszentralität: Die 224,4 Prozent besagen, dass 124,4 Prozent des Einkaufvolumens in der Stadt aus dem Umland oder von noch weiter her generiert werden. Das kann in zwei Richtungen gedeutet werden: Einerseits hat die Stadt mit ihrer bescheidenen Einwohnerzahl eine vergleichsweise geringe «Eigenkaufkraft.» Andererseits ist sie für die Agglomeration und auch Touristen sehr attraktiv. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen.

Nicht ganz der Wahrheit entsprechen übrigens die im Report fein säuberlich aufgelisteten Geschäftsnamen entlang der schematisierten Gurzeln- und Hauptgasse. Einige sind veraltet, andere schlicht falsch. So wird an der Hauptgasse 36 der Begriff «Zetter» geführt, der über der Tür eingehauene Namen des gleichnamigen Firmenbegründers. Längst ist das Geschäft in andere Hände übergegangen, doch der jetzige Inhaber kann unter dem Röntgenblick auswärtiger Immobilien-Profis wohl ganz gut mit «Zetter» leben. So unter dem Motto: «Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Cherzejeger heiss!»