Nach dem Abriss der Schanzenanlagen hat 1862 der damalige Kantonsbaumeister Alfred Zschokke, Sohn des Kultur-Ministers der Helvetik Heinrich Zschokke, für das neu zu erschliessende Areal westlich der Altstadt einen Quartierplan erstellt. Seither wurde dieses Westringquartier genutzt, hat aber seinen Charakter weitgehend verloren.

Rückblickend erweist sich Zschokkes Planung in vielen Fällen auch heute noch zukunftsgerichtet. Er hat das Quartier allerdings vom (West-)Bahnhof aus geplant. «Das war für mich eine wichtige Erkenntnis, um den Plan zu verstehen», so Carmen Podberscek, die bei ihrer Masterarbeit von der Wengibrücke und der Aare aus gegangen ist.

Der Postplatz bildet demnach den Empfangsraum am nördlichen Brückenkopf, von wo sich die Leute entweder Richtung Altstadt oder eben Richtung Westringquartier bewegen. Sie hat sich mit viel Akribie ein Bild von Solothurn gemacht und festgestellt, dass der Kulturbereich sich weitgehend von der Nordseite der Wengibrücke gegen Osten erstreckt. Eine gute Massnahme zur Belebung des Westringquartiers wäre eine Fortsetzung dieser Kulturmeile gegen Westen. Im heutigen ehemaligen Postgebäude könnte ein kulturelles Zentrum geschaffen werden, allenfalls unter Einbezug der Film- und Literaturtage.

Die Wengistrasse als eine Art Boulevard angelegt, sollte zielgerichtet in diesem Sinne ausgebaut werden. Entlang der Bahnlinie könnten Wohnungen gebaut werden. Nach ihrem Masterplan würde das Bahnhofgebäude verschwinden und einer modernen Haltestelle Platz machen. Dies gab in der Diskussion zu reden. Doch weder Urs Bertschinger von der kantonalen Denkmalpflege noch Daniel Laubscher halten das Gebäude an sich für erhaltenswert, weil kaum mehr historische Substanz vorhanden ist.

Die öffentliche Diskussion fehlt

Interventionen der öffentlichen Hand können nur in der Infrastruktur und bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes erfolgen. Die Gebäude sind in diesem Quartier in Privatbesitz und deren Inhaber können nur animiert werden, Änderungen im Sinne des Masterplanes vorzunehmen. «Es ist nicht wesensfremd, was vorgeschlagen wird», meinte Laubscher zu diesem Masterplan und ergänzte, dass das Agglomerationskonzept eine grosszügige Unterführung beim Westbahnhof vorsieht, was mit der Arbeit von Podberscek kompatibel ist. Aus der Mitte des Publikums wurde bemängelt, dass in Solothurn die Öffentlichkeit kaum über solche planerische Massnahmen orientiert wird.

Es könne nicht einfach von «oben herab» etwas umgesetzt werden, sondern die breite Öffentlichkeit müsse mitdiskutieren. Dafür sei dem Architekturforum zu danken, dass hier ein offenes Gespräch stattfinden könne. Der Referentin wurde geraten, ihren Masterplan offiziell der Stadt zuzustellen, denn er könne wichtige Impulse für weitere Diskussionen liefern.

Es wäre zu wünschen, dass das Westringquartier, das wie ein Zwickel die Verbindung zwischen Altstadt und Obachquartier darstellt, aufgewertet wird. Das wäre dann ein Schritt, der unweigerlich weitere nach sich ziehen dürfte. Für die Erstellung dieser gut durchdachten Arbeit und deren Präsentation durfte Carmen Podberscek verdienten Applaus entgegennehmen.