Solothurn

Wie der Verein Perspektive 500 Personen eine Perspektive bietet

Ein Rundgang der speziellen Art durch Solothurns Gassen findet immer wieder Anklang. Nämlich dann, wenn der Verein Perspektive über seine Arbeit zugunsten jener Menschen berichtet, die aus ihrem Umfeld gerissen worden sind.

Aus dem Leben gerissen, auf der Strasse gelandet, das soziale Umfeld beginnt zusammenzubrechen, und die Sucht ist der einzige ständige Begleiter geblieben. Mit Menschen, die dies ihr Schicksal nennen müssen, beschäftigt sich die Organisation Perspektive Region Solothurn.

Die Arbeit der Organisation beruht auf vier Säulen: Prävention, Beratung von Betroffenen und Angehörigen, Schadenverminderung und Repression. Insgesamt gibt es in Solothurn und im nahen Einzugsgebiet rund 500 Personen, die von mindestens einer dieser Säulen Gebrauch machen.

Die Organisation ist über weite Strecken finanziell selbsttragend. Die Mittel stammen aus Spenden und Einnahmen aus Arbeitseinsätzen, die die Organisation mit den Suchtopfern zusammen bewältigt. Die «Perspektive» ist aber auch auf die Subventionen des Kantons und die Beiträge der Gemeinden (17 Franken pro Einwohner) angewiesen, um ihre Arbeit zu bewältigen, wie dies seit vielen Jahren erfolgt. Die Opfer einer Alkohol- oder Drogensucht sind nach Statistiken der «Perspektive» zu zwei Dritteln bis drei Vierteln männlich und im Alter zwischen 20 und 65, im Durchschnitt 35- bis 50-jährig.

Vom Drogensumpf zum Vorbild

Die Zahlen sprechen für sich: In den 90er-Jahren war die Stadt Solothurn noch drittgrösster Schauplatz der schweizerischen Drogenszene, in den letzten 20 Jahren wurde der Grossteil der Alkohol- und Drogenabhängigen von der Strasse geholt und durch professionelle Betreuung und individuelle Hilfeleistungen wieder in die Gesellschaft und die Arbeitswelt eingegliedert. Bei gut einem Drittel gelingt die Wiedereingliederung vollständig, bei zwei Dritteln nur eine Teil- oder gar keine Eingliederung in die Gesellschaft.

Im sogenannten «Haus der Perspektive» werden verschiedene Hilfestellungen angeboten, zum Beispiel in einer Werkstatt für Fahrräder und Gartengeräte, die repariert werden. Tagesarbeiter erhalten eine Entschädigung von vier Franken, die ihnen zur freien Verfügung steht. Ausserdem erhalten sie einen Essens-Bon, der in der «Gassechuchi» in der Vorstadt eingelöst werden kann. Im selben Haus werden zudem Dienstleistungen wie Beratungen für Suchtbedrohte und Angehörige von Suchtopfern sowie Entzugs- und Therapieprogramme angeboten. Ausserdem hilft die Jugendberatung Personen im Alter zwischen 13 und 25, wobei es sich meistens um «Ärger zu Hause» handle, wie Schulsozialarbeiter Simon Luder erwähnt.

Überlebenshilfe «Gassechuchi»

Sibylla Motschi, Leiterin der «Gassechuchi» und der Kontakt- und Aufnahmestelle, erläuterte auf dem Rundgang die Aufgabe des «Restaurants der Suchtopfer» in der Vorstadt. Sie ist die eigentliche Stelle zur Überlebenshilfe und Schadensminderung. Durch ausgewogene und gesunde Mahlzeiten soll den Ernährungsproblemen entgegengewirkt werden. Zwischen 60 und 70 Personen nehmen diese Dienstleistung täglich in Anspruch. Motschi spricht von einer «normalerweise sehr angenehmen und anständigen Atmosphäre». Das «Restaurant Adler» ist von Montag bis Samstag geöffnet, nicht aber am Sonntag, «dies im Sinne einer Reintegration in die Gesellschaft, damit die Betroffenen wieder damit beginnen, ans Einkaufen zu denken». In die «Gassechuchi» integriert ist die Anlaufstelle, die als Gemeinschaftsraum dient, und wo die Abhängigen saubere Spritzen und sterile Werkzeuge erhalten.

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