Solothurn

Wie der Turm zum Kult geworden ist

Man hofft, dass trotz der Verhüllung, die offiziell noch bis Ende November dauert, viele Kultur-Konsumenten den Weg in den Kulturm finden werden.

Man hofft, dass trotz der Verhüllung, die offiziell noch bis Ende November dauert, viele Kultur-Konsumenten den Weg in den Kulturm finden werden.

Der 30-köpfige Verein Muttiturm um Ivo Hutzli hat für den Kulturm wieder ein breites Kulturprogramm auf die Beine gestellt.

«Mit 41 Jahren bin ich der Opa hier drin.» Ivo Hutzli lächelt irgendwie befreit. Denn bald ist der «Opa» nicht mehr der Hauptverantwortliche für den Kulturbetrieb im massigen, verhüllten «Muttiturm». Der Verein benennt sich zwar nach diesem Sammelbegriff für die typischen Solothurner Wehrtürme, doch eigentlich möchte Hutzli, dass nur noch vom Kulturm gesprochen wird. Im Werbematerial sei der Begriff nach sieben Jahren zwar sehr gut verankert, «doch in den Köpfen dauert es etwas länger».

Der Verein Muttiturm besteht aus rund 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die den Kulturbetrieb im Turminnern durchziehen. Und auch das müsse noch in die Köpfe: «Dass wir hier alle hundertprozentig ehrenamtlich arbeiten, war vielen nicht bekannt. Wir wurden zu professionell wahrgenommen – die Leute wussten gar nicht, dass man sich hier zur Mitarbeit melden kann.» 

Das Gros der Mitglieder bewege sich im Alter zwischen 25 und 35 Jahren und oft stünden neben der Familiengründung viele unter grosser beruflicher Belastung, was die Rekrutierung neuer Kräfte nicht unbedingt erleichtere. Dabei könnten diese im Kulturm sehr viel bewegen und anreissen. «Jetzt führe ich neue Leute ein», verweist er auf den bevorstehenden Wechsel in der Führung durch ein Duo, dass ihn bald ablösen kann. «Dann werde ich in den Hintergrund treten und mich noch dem Finanz-Controlling widmen.»

Neu mit «Kultur extra»

Ein Saisonprogramm heisst im Fall Kulturm 2014/15 insgesamt 45 bis 50 öffentliche Kulturanlässe verschiedenster Art, «wobei wir in unsrem Theater mit 94 Plätzen eine Auslastung von 75 Prozent erreicht haben. Es ist eine schöne, gute Saison gewesen», blickt Hutzli nicht ohne Stolz auf das im Kulturm Geleistete zurück. «Einen möglichst guten Mix» wolle man auch mit dem Herbstprogramm, das bis zum 20. Dezember schon fix ist, bieten, betont der Noch-Kulturverantwortliche.

Neu in der Angebotspalette taucht das Label «Kultur extra» auf. «Dabei arbeiten wir auf der Informationsebene mit Kindermusical.ch zusammen, das im Konzertsaal Kindermusicals organisiert.»

Lanciert wird die Saison am Freitag mit dem Auftritt von Comedian Fabian Unteregger, gefolgt von 23 weiteren Acts bis Weihnachten – Konzerte, Kleinkunst, Kabarett und Ausstellungen, wobei für Konzerte Anja Lauper verantwortlich ist. Ivo Hutzli vertraut beim Booking auf sein langjähriges, breit gefächertes Netzwerk, in dem auch Namen wie Victor Giacobbo oder Mike Müller auftauchen. Speziell freut er sich auf die Formation Carrousel, die nach ihrem Mitwirken in der Eurovision-SongContest-Ausscheidung «schwer am Durchstarten» sei und am 31. Oktober zum dritten Mal den Kulturm beehre. Mehrfach war auch schon der deutsche Kabarettist Peter Spielbauer – «ich habe ihn vor 20 Jahren kennen gelernt» – im Kulturm zu Gast. Am 18. Dezember ist es wieder so weit. «Doch wollen wir auch eine Plattform für Solothurner Künstler sein», betont Hutzli.

Nach aussen sichtbar werden

Trotz grosser Konkurrenz im Kulturkuchen Solothurn komme man aneinander vorbei, auch wenn es ab und zu Doppelspurigkeiten gebe. «Wir tauschen uns jedoch regelmässig mit anderen Anbietern wie der Kulturfabrik Kofmehl, KreuzKultur und dem Alten Spital, aber auch mit unserer Dachorganisation Solopool aus», betont Ivo Hutzli. Auch im Turm selbst gibt es ständig Absprachebedarf, führt doch neben dem Verein auch noch die Wirk GmbH Anlässe für Private und Firmen durch.

Der Verein Muttiturm hat den Kulturm von der Stadt gemietet. Der Zins richtet sich Ende Jahr nach dem, was erwirtschaftet worden ist, meist «wenig bis nichts», wie Hutzli anfügt. Das 250 000-Franken-Budget bestreitet man mit den Einnahmen der Anlässe, Beiträgen des Lotteriefonds und «daneben können wir auf unsere Partner GAW (Gemeinschaftsantenne Weissenstein) und die Regiobank zählen.»

Ein Problem ist die Aussenwahrnehmung des Kulturms in der Öffentlichkeit. Ivo Hutzli: «Daran arbeitet derzeit eine Projektgruppe. Und wenn da die Leute mitziehen, geht schnell viel.»

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