Nach 33 Jahren in der UNO und davon 8 als Umzugschef hat Pius Rüegger seine offizielle Fasnachtskarriere beendet. «Ich stehe aber nach wie vor zur Verfügung, wenn man mich braucht.» Und meint damit vor allem seinen Nachfolger als Umzugschef, Yves Hauri. Der 30-jährige Disponent, wie Rüegger nie aktiv in einer Zunft gewesen, ist nämlich der verantwortliche «Kopf» für die beiden grossen Umzüge am nächsten Sonntag, 19., und Dienstag, 21. Februar.

Das heisst, während rund zwei Stunden einen 1100-köpfigen, bunten Tatzelwurm mit vielen aktiv mitmachenden Kindern sicher über die Route vom Bieltor über den Märet- und Kronenplatz und durch die Vorstadt zu bringen. Pièce de Résistance dabei sind die oft tonnenschweren, bis zu 40 Meter langen Umzugswagen, Gesamtkunstwerke, die den Solothurner Umzug jeweils zu einem einzigartigen Erlebnis machen.

Sichere Bremsen

Den Hut, die Plakette und Glocke des Umzugschefs hat Rüegger zwar Hauri abgegeben, aber damit auch die Verantwortung für die Sicherheit und einige immer wieder aufflackernde Umzugsthemen. Der Kronenstutz bleibt weiterhin für das Publikum gesperrt, bestätigt Yves Hauri, «obwohl alle Wagen nun mit durchgehenden (hydraulischen) Bremsen ausgerüstet sind».

Denn dass die Gefährte die Vorschriften der Motorfahrzeugkontrolle MFK erfüllen müssen, ist für den Umzugschef klar. «Die Zusammenarbeit mit der Behörde in Bellach ist übrigens sehr angenehm und pragmatisch.» Und Pius Rüegger fügt an, dass die MFK den Sicherheitsstandard in Solothurn als sehr hoch erachte – im Gegensatz zu anderen Fasnachtsregionen im Kanton.

Übrigens: An jedem Umzug steht für den Fall der Fälle auch ein Ersatz-Zugfahrzeug des Werkhofs auf Pikett bereit.

Und das Thema Lärm

Ein anderes Thema bleibt auch Yves Hauri erhalten: der Kampf gegen zu viel Lärm auf einzelnen Umzugswagen. «Es gibt keine Obergrenze bei der Beschallung», ist zwar der Tenor, aber trotzdem schritt der Umzugschef auch schon ein, damit neben den Lautsprecher-Dezibel die Guggen überhaupt noch hörbar bleiben.

«Und einmal war es so laut, dass die Wagenbesatzungen den Funkverkehr gar nicht mehr hörten.» Was zwingend notwendig ist, damit die Anweisungen von Funkerchef Hansruedi Flückiger, seines Teams und die von Yves Hauri überhaupt «durchkommen». Denn «für mich ist der Wagenfahrer entscheidend, wenns brenzlig wird», betont Hauri.

Attraktiv muss er sein

Mitte Januar hat Yves Hauri zusammen mit UNO-Ober-Ober Max Kaeser und Guso-Chef Thomas Nyffenegger seine erste Umzugseinteilung vorgenommen. Auch für ihn gilt: «Der Umzug muss möglichst attraktiv sein.» Das heisst, keine zu langen Blöcke nur mit Guggen und Kostümgruppen, sondern immer wieder eingestreut die «Eyecatcher» der Umzugswagen.

Dabei gilt es, althergebrachte Sonderrechte zu beachten: Der erste Wagen ist derjenige der Fasnachtszunft Vorstadt, der letzte jener des Hauptgassleists. Wobei dieses Jahr das Verhältnis zugunsten der Wagen etwas besser als auch schon aussieht: Die Kostümgruppe Risnagu und die Gugge Söidorblambber pausieren nämlich.

«Nicht diskriminierend oder rassistisch»

Doch auch die Sujets beschäftigen zunehmend auch den Umzugschef, spätestens nach dem «Balanceakt mortalis» der «Wüude» im Vorjahr, die einen Leichenzug mit Sarg durch die sonst so heil-bunte Narrenstadt Honolulu inszenierten.

Beide Umzugschefs sehen das Ganze aber pragmatisch: «Nicht diskriminierend oder rassistisch» dürften die Umzugsgruppen auftreten, aber sonst liege die Verantwortung für die Umsetzung des gewählten Sujets bei den Zünften und Guggen. Bis jetzt sei ihnen dieses Jahr auf ihrer Inspektionstour – jede Umzugsgruppe wird besucht – nichts Negatives aufgefallen. «und letztes Jahr gingen die ‹Wüüde› das Risiko eines geschockten Publikums bewusst ein», blickt Pius Rüegger nochmals auf die Episode seines letzten Umzugs als «Scheff» zurück.