«Es ist in erster Linie eine Ausstellung, die aufzeigt, wie sich die Gesellschaft in der Schweiz während des Ersten Weltkrieges veränderte und wie diese Veränderungen bis heute nachwirken. Es ist weniger eine militärgeschichtliche Ausstellung», erklärt Co- Museumsleiterin Claudia Moritzi gleich zu Beginn einer kurzen Präsentation der neuen Sonderausstellung im Museum Altes Zeughaus in Solothurn. Initiiert bereits im Jahr 2013 durch den Verein «Die Schweiz im Ersten Weltkrieg», macht diese Wanderausstellung nach mehreren Orten in der Schweiz nun in Solothurn Halt.

Hier wird die Ausstellung mit interessanten regionalen und lokalen Objekten aus den Sammlungen des Museums selbst und weiterer Institutionen erweitert. «Die Zeit von 1914 bis 1918 erschütterte die Welt in ihren Grundfesten, denn obwohl die Schweiz von Kampfhandlungen verschont geblieben ist, waren die Folgen des Krieges für die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse unseres Landes enorm», heisst es im Einleitungstext zur Präsentation.

Film, Hörstationen, Fundstücke

So startet die Ausstellung gleich mit einem Solothurner «Hingucker»: Eine Büste des damaligen General Ulrich Wille, der – da deutsch-geprägt – in der Schweiz umstritten war. Geschaffen hat diese charaktervolle Büste der Solothurner Leo Berger. Zudem zeigt ein zeitgenössisches Foto den General beim Verlassen des Hotels Krone in Solothurn.

Die Ausstellung setzt sich chronologisch fort. Die Kriegsmobilmachung wurde vom 3. auf den 4. August 1914 ausgerufen. 220'000 Mann und 45'000 Pferde wurden rekrutiert. Zu sehen ist auch eine 5-minütige Sequenz aus dem ersten Film über die Schweizer Armee, welche die Mobilmachung in Bern zeigt. An Hörstationen werden die damaligen politischen Verhältnisse geschildert, zum Beispiel auch der sogenannte «Burgfrieden» zwischen dem rechten und dem linken Lager.

Soldatenuniformen, Gasmasken und andere Utensilien zeigen, wie ein Soldat damals ausgerüstet wurde. Ergänzt wird dieser Bereich mit der restaurierten Fahne des Füsilierbatallions 51, aus dem Fundus des Museums, dessen Restaurierung der Verein «Freunde des Museums Altes Zeughaus» veranlasst hat. Zudem ist erstmalig ein sogenannter Papierballon ausgestellt. Es handelt sich dabei um ein Propagandainstrument der Deutschen, das mit französischsprachigen Zeitungen «beladen» wurde, und das französisches Gebiet überflogen hatte. Dieses Exponat wurde vom Füsilierbataillon 90 im jurassischen Bure abgefangen und von dessem Kommandanten Emil Zetter nach Solothurn gebracht.

Kriegsgewinner und -Verlierer

Doch was hat eine überdimensionierte Solothurner Torte in dieser Ausstellung zu suchen? Claudia Moritzi erklärt: «1915 wurde diese Torte von Confiseur Albert Studer erfunden, was beweist, dass die Versorgungslage der Bevölkerung in den beiden ersten Kriegsjahren in der Schweiz noch nicht dramatisch war.» Und auch die Solothurner Wirtschaft florierte: Uhrenunternehmer verlegten sich aufs Produzieren der damals noch erlaubten Munitionsbestandteile, Bally exportierte weiterhin Schuhe für und die Papierindustrie konnte sich aufgrund der über 1000 Notverordnungen des Bundes über die Nachfrage nach Druckpapier nicht beschweren.

Doch je länger der Krieg dauerte, je dramatischer spaltete sich die Gesellschaft in Reiche und Arme, Kriegsgewinnler und ausgebeutete Arbeiter, Rechte und Linke. Im Jahr 1917 mussten die Lebensmittel rationiert werden, und es kam immer öfter zu Demonstrationen, was im Landesstreik von 1918 mit den Schüssen in Grenchen und drei Toten seinen traurigen Abschluss fand.

Die Ausstellung stellt diese schwierigen Jahre so dar, als dass diverse Schautafeln nun schräg gestellt werden. Ein weiteres Thema, das die damalige gesellschaftliche Schieflage augenfällig macht, war die grosse Epidemie der Spanischen Grippe, welche damals vor allem junge Männer – auch in der Schweiz - zu Hunderten hinwegraffte.

Nach dem Krieg

Schliesslich fanden einige der Forderungen des Landesstreiks des Oltener Aktionskomitees ihren Niederschlag, der unsere Gesellschaft bis heute prägt. Darunter das Frauenstimmrecht (zwar erst 1971), die AHV oder die 48-Stunden-Woche. Nach 1918 sollten die Lehren aus dem Grossen Krieg gezogen werden. Der Völkerbund wurde gegründet. Und ein Soldatendenkmal mit den Namen der Gefallenen dem 1. Weltkrieg (heute sind darauf jedoch auch die Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges zu finden), welches 1922 geschaffen wurde, schmückt bis heute den Park an der Werkhofstrasse in Solothurn. Das Model dazu ist in der Ausstellung zu sehen.

www.museum-alteszeughaus.ch. Viele Rahmenveranstaltungen oder Führungen (auch für Schulen) bis 2. Dezember.