Hauptbahnhof Solothurn
Wie aus dem Schandfleck in naher Zukunft ein Filetstück werden soll

Erste Entwicklungen zur Aufwertung der Südseite des Solothurner Hauptbahnhofes finden statt, weitere Belebungspläne reifen heran.

Andreas Kaufmann
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Die Südseite des Bahnhofs mit den Blöcken Zuchwilerstrasse 41 und 43 ist keine Augenweide. Doch mit vereinter Kraft soll hier Grosses entstehen.

Die Südseite des Bahnhofs mit den Blöcken Zuchwilerstrasse 41 und 43 ist keine Augenweide. Doch mit vereinter Kraft soll hier Grosses entstehen.

Andreas Kaufmann

Bahnhöfe können Visitenkarten für Zugreisende sein. Orte, die einen ersten – guten oder schlechten – Eindruck einer Stadt vermitteln, noch bevor man angekommen ist. Im Fall von Solothurn muss man nicht zweimal fragen, welches die Schokoladenseite des Hauptbahnhofes ist. Keinen Zweifel an seinem Ärger lässt ein Anwohner: «Ein einziger Schandfleck» sei sie, die weniger präsentable Südseite. «Ich schäme mich richtig, wenn ich Besuch empfange, der mit dem Zug an- oder abreist.» Doch dann werden seine Erfahrungen handfester: «Unserer Familie wurden zwei Fahrräder, eins davon elektrisch, geklaut.» Und Velodiebstähle kommen hier im Tagestakt vor, erzählt er.

Ebenso legt er den Finger auf die klaffende Wunde leerer Ladenflächen, an denen man an der Zuchwilerstrasse 41 und 43 vorbeigeht. Unlängst hat mit dem Ballett-Studio A nach 42 Jahren im Haus 43 Annemarie Knobel Paternos Tanzschule den Betrieb eingestellt. Gleichzeitig wurden auch beim Café Mozart die Rollläden heruntergelassen. Schon einiges länger stehen andere Liegenschaften an der Zuchwilerstrasse 41 leer. Beispielsweise «René’s Bahnhof Metzg», die vor mehr als vier Jahren die Pforten schloss. Oder die Ladenfläche nebendran, die sporadisch für Kunstanlässe genutzt wird.

«Es ist besser als früher»

Weniger prekär sieht die Lage Peter Gloor: Er ist seit 21 Jahren Wirt des Restaurants Passage und hat in der letzten Zeit positive Entwicklungen beobachtet. «Dank vieler Polizeikontrollen ist beispielsweise das Problem des Drogenhandels kleiner geworden. So macht es zumindest den Eindruck.» Und auch der Kontakt mit umliegenden Geschäften habe sich verbessert. Seitdem nebenan ein Cabaret sei und keine Disco mehr, halte sich auch der Lärmpegel in Grenzen. «Geblieben ist halt die Unordnung», betont Gloor das allgemeine Littering-Problem.

Eine merkliche Besserung erlebt hat auch Sarah Burri, die seit drei Jahren im Kiosk der Unterführung arbeitet. «Ich fühle mich heute sicherer, die Polizeipräsenz hat zugenommen.» Am Anfang habe sie aber einige Zwischenfälle als Beobachterin erlebt. Die Installation von Überwachungskameras trägt aus ihrer Sicht weiter zur Sicherheit bei. «So habe ich die Gewissheit, dass ich jene darauf hinweisen kann, die etwas stehlen wollen.» Dennoch gebe es immer Passanten, die im Vorbeigehen Ware mitlaufen lassen. Generell hält sich Burri an die Devise, zuvorkommend höflich zu sein, «meistens kommt Höflichkeit zurück». Lediglich betrunkene Kunden, die an den Kioskstand kommen, seien manchmal problematisch.

Peter Heri, Fachverantwortlicher Lokale Sicherheit der Kantonspolizei, sind mit Blick auf die Statistik ebenfalls keine nennenswerten Auffälligkeiten bekannt. «Im 2014 hatten wir 20 Velodiebstähle, was nicht sonderlich hoch ist.» Weiter zählt er für die Südflanke seit Anfang Jahr vier Betäubungsmittelmissbräuche, zwei Sachbeschädigungen und in letzter Zeit null Reklamationen von Betroffenen. Aus Sicht des Bahnhofs-Sicherheitszirkels, der aus Vertretern der Kantons-, Stadt-, und Transportpolizei sowie Securitrans, Gewerbetreibenden und weiteren Akteuren besteht, habe sich die Lage verbessert.

Zukunftspläne werden geschmiedet

Ein Player, der auf dem Areal als Mitbesitzer seinen Einfluss geltend machen will, ist die Firma Espace Real Estate. Wie Isaak Meyer, Leiter Finanzen, auf Anfrage informiert, läuft bis voraussichtlich Ende Jahr ein Vorprojekt. Damit soll die Ausgangslage für künftige Ziele eruiert werden. «Wir wollen den Bahnhof zur Adresse machen, der durch einen typischen Bahnhof-Branchenmix für den täglichen Bedarf der Leute besticht.» In den beiden Blöcken gehört dem Immobilienverwalter bereits jeweils rund die Hälfte der Stockwerkeinheiten, darunter auch das ehemalige Ballettstudio und das Café Mozart, ferner einige Geschäfte in der Unterführung.

Statt in vorhandene Leerbestände punktuell zu investieren, will man eher ein ganzheitliches Vorhaben anpeilen. «Deshalb haben wir das Feld nun ausgeweitet: Wir stehen mit dem Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS in Kontakt und werden auch mit der den Behörden von Solothurn und Zuchwil Gespräche führen.» Es sei aber so, dass einige Stockwerkeigentümer der Liegenschaften 41/43 mit dem Status quo entweder zufrieden seien oder für eine Aufwertung selbst keine Mittel zur Hand haben. «Es wäre aber zu hoffen, dass alle Stockwerkeigentümer ihren Beitrag für eine gute Situation leisten könnten», so Meyer. Denn Erfolgspotenzial gebe es durchaus: «Die Frequenzen rund um den Bahnhof sind gut. Nur verweilen die Leute nicht hier, weil es nicht zum Verweilen einlädt.» Gerade die Nähe zum Gemeinde-Eck Solothurn-Biberist-Zuchwil könnte den Ort zu einem zentralen Punkt werden lassen – falls die Fusion «Top 5» zustande kommt.

Die Pläne, die der RBS hegt, bestärken die Espace Real Estate. Direktor Fabian Schmid stösst ins gleiche Horn: «Der Bahnhof Solothurn hat für den RBS grosse Bedeutung. Unser Interesse an einer langfristig attraktiven Bahnhofsanlage ist gross. Eine sorgfältige Planung unter Einbezug der Stadt Solothurn und der Gemeinde Zuchwil ist uns wichtig.» Konkret beabsichtigt der RBS für 2015 die Verbreiterung des südseitigen Perrons und den Ausbau und die Neuordnung der Abstellplätze für Velos und Mofas. Noch längerfristig sind die Pläne, die von Caspar Lösche, Kommunikationsspezialist bei RBS, lediglich grob umrissen werden: «Zentrales Element ist die Verlängerung der Perrons auf 180 Meter», dies, weil zu Stosszeiten die Kapazitäten bei Zuglängen von 120 Metern ausgeschöpft seien. Abhängig sei der Ausbau aber von Aufwertungsmassnahmen, die der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms vorsehen könnte.