Kürzlich war im Kino «The Happy Prince» – so heisst eine Märchensammlung von Oscar Wilde – zu sehen, die das traurige Lebensende des einst von der Londoner Gesellschaft gefeierten Autors zeigte. Oscar Wilde (1854 – 1900) gehörte zur Spezies der Dandys, war willkommener Gast in den Salons, obwohl ihn immer ein Hauch von Extravaganz umgab. Die Aufführungen seiner Theaterstücke gehörten zu den Höhepunkten des Theaterlebens.

Weil er in seinen Werken verschlüsselt Gesellschaftskritik übte, vermochte er auch zu polarisieren. Als er nach einem Verleumdungsprozess wegen homosexueller Unzucht ins Gefängnis wanderte, liess ihn diese Gesellschaft fallen wie eine heisse Kartoffel, und er musste nach Paris emigrieren, wo er verarmt starb. «Lady Windermeres Fächer» ist das früheste noch oft gespielte Werk seiner insgesamt sieben Theaterstücke. Es wurde mehrmals verfilmt, so beispielsweise auch von Ernst Lubitsch.

Bezeichnend ist auch der Untertitel «A Play about a good Woman». Obwohl im viktorianischen England Ehebruch in den meist arrangierten Ehen häufig vorkam, wurde darüber der Mantel des Schweigens gebreitet und die Fassade gewahrt. Dieser Umstand lieferte Oscar Wilde den Stoff für seine Komödien.

Sprachwitz und Ironie

Die Inszenierung im Garten des Schlosses Blumenstein unterhält aufs Trefflichste. Es ist den Mitwirkenden gelungen, den Sprachwitz und die ironischen Momente so zu gestalten, dass das Publikum oft zum Lachen kam. Das Besondere an diesem Stück ist vielleicht, dass eigentlich nur das Publikum die Zusammenhänge erfasst, aber nicht die handelnden Personen.

Die Herren im schwarzen Anzug mit Fliege und die Damen in geschmackvollen und zeitlosen Roben gekleidet, liessen durchaus eine landadelige Gesellschaft glaubhaft scheinen. Samira Oulouda überzeugte als Lady Windermere in ihrer Zerrissenheit zwischen Liebe und Enttäuschung.

Ihr zur Seite der oft in die Defensive gedrängte Gatte von David Gnägi, der aus Rücksicht auf seine geliebte Frau ein Geheimnis nicht preisgeben kann. Mit Robert Darlington, mit aristokratischer Diktion von Gregor Wild gegeben, betritt ein Dandy den Schauplatz und möchte Lady Windermere verführen. Ganz hervorragend Zora Drieghe, welche der klatschhaften Mrs. Berwick ein schlangenhaft verführerisches Profil zu geben vermag.

Ihr Bruder, Augustus, wird von Sven Witmer als Raubein gespielt, was die Figur gegenüber den anderen etwas abhebt. Schliesslich wäre da noch die mysteriöse Mrs. Erlynne. In dieser Rolle irgendwo zwischen gefallenem Engel und Femme fatale angesiedelt, kann Anne Catherine Kramis-Traut ihr Können ausspielen, denn diese Figur trägt die Züge einer rachsüchtigen Frau wie auch einer alles verstehenden Mutter.

Trotz Märetfescht und Fussball-WM war die Premiere bei etwas kühler Witterung so gut besucht, dass noch Stühle herbeigeschafft werden mussten. Das sich gut amüsierende Publikum spendete reichen Beifall.