Kulturm
White verbreitet gute Laune wie im Wohnzimmer

William Whites Auftritt lebte von starken Texten und entspannter Musik. An seinem Konzert im Kulturturm spricht und singt er über Gott und die Welt. Er ist ein Weltverbesserer und möchte, dass Menschen wieder lernen miteinander zu leben.

Melanie Riedi
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Der «Weltverbesserer»mit karibischen Wurzeln brachte den Wohlfühlfaktor unter die «Kulturm»-Kuppe

Der «Weltverbesserer»mit karibischen Wurzeln brachte den Wohlfühlfaktor unter die «Kulturm»-Kuppe

Hansjoerg Sahli

Die massive Steinkuppel des Kulturms ist in rot-gelb-grünes Licht getaucht, als William White die Bühne betritt. Da ist schnell vergessen, dass das Konzert mit einer Viertelstunde Verspätung beginnt. Denn der gebürtige Barbadier, der Musik im Stil von Bob Marley und Ben Harper macht, legt gleich richtig los. Seine gefühlvolle Performance lebte einen ganzen Abend lang von starken Texten, entspannender Musik und persönlichen Anekdoten.

Als der 43-Jährige das Konzert mit dem Song «Piece» des Albums «Undone» eröffnet, breitet sich eine wohlig warme Stimmung im Kuppelsaal aus. Er singt mit geschlossenen Augen, gefühlvoller Stimme und spielt klassische Gitarre dazu. Damit packt er das Publikum von Anfang an, erntet grossen Applaus und freudige Pfiffe. Dies scheint White gutzutun. Denn wie er später verrät, ist er beim ersten Auftritt nach einer zweimonatigen Konzertpause sichtlich nervös. Gut bemerkt er nicht, dass eine unkonzentrierte Gruppe Zuhörer fast ununterbrochen plaudert.

Mit Tiefgang und Charme

Die meisten Lieder, die White spielt, kennen die eingefleischten Fans schon lange. Seine Songs haben Tiefgang und stimmen nachdenklich. Mit seinem charmanten Schweizerdeutsch und leichtem englischen Akzent spricht er immer wieder zum Publikum. So erzählt er, wie er sich als junger Erwachsener nach seiner Ankunft in der Schweiz fühlte.

«Früher setzte sich wegen meines exotischen Aussehens im Zug niemand neben mich. Das war mal besser, heute ist es aber wieder genau gleich. Das macht mich traurig», sagt White und spricht damit die trüben, aktuellen Weltgeschehnisse an. «Sprecht miteinander und schliesst die Ausländer nicht aus», ist seine Botschaft, die er mit dem Song «Let it sink in» unterstreicht. Damit will er sagen, dass man Probleme selbst in die Hand nehmen und nicht untätig wegschauen soll.

White hat die teils schnellen Wechsel zwischen leisen und lautstarken Passagen im Blut. Er bringt sogar die Männer zum Tanzen und die Pärchen zum Turteln. Wäre er in den Gassen Solothurns als Strassenmusiker unterwegs, würde definitiv nicht nur Anja Lauper, Anlassleiterin und Mitglied des Kulturm-Teams stehen bleiben und zuhören: «Ich mag solche Weltverbesserer wie ihn».

«Besonders schöne Stimmung»

Es sind über hundert Konzertbesucher da und trotzdem gleicht die Atmosphäre einem Privatkonzert im eigenen Wohnzimmer. Das gefällt auch Emely Schmid aus Lüterkofen: «Ich habe White schon mehrmals auftreten sehen. Heute war die Stimmung besonders schön.» Zum Schluss darf sich das Publikum von dem Mann, mit dem man über Gott und die Welt philosophieren könnte, noch einen Song wünschen. Und dann klingt der Abend mit einem schönen Wort aus: «Freedom» – Freiheit.