Solothurn
WG-Probleme, Schuldenberge und eine fiese Idee

Mitglieder der Theatergruppe Phare aus Olten, verstärkt mit Kräften des Teatro Mobile, bringen mit «Mitbewohnerin gesucht» eine amüsante Komödie über eine Frauen-WG auf die «Mausefalle»-Bühne.

Helmuth Zipperlen
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Da ist Feuer unterm Frauen-WG-Dach. Gibts eine Lösung?

Da ist Feuer unterm Frauen-WG-Dach. Gibts eine Lösung?

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Es ist verhältnismässig früh am Morgen. Lisi (Yvonne Wigger) sitzt am Tisch, streift sich durch die langen blonden Haare. Hannah (Evelyn Binkert) kommt und rafft umherliegende Sachen, auch Unterwäsche, zusammen. Sie hat Sorgen, denn der Berg an unbezahlten Rechnungen steigt von Tag zu Tag an. Mit der Zeit trudeln auch Marlene (Cristina Walter), Rita (Isabelle Henzmann) und Esther (Sarah Schmid) ein. Nur Letztere macht einen aufgestellten Eindruck, denn sie will möglichst schnell weg, um an einer Demonstration teilzunehmen. Hannah versucht, ihren Mitbewohnerinnen den Ernst der Lage klar zu machen.

Doch jede hat noch so ein ganz kleines persönliches Problemchen, so dass Hannahs Appell praktisch ungehört verhallt. Nur Marlene denkt noch darüber nach und weiss einen Ausweg. Sie müssten eine Mitbewohnerin suchen, welche reich ist und ihnen die Schulden, vor allem den ausstehenden Mietzins, bezahlt. Und damit ist denn die Komödie lanciert, welche mit einigen Überraschungen und unerwarteten Wendungen gespickt ist. Dabei bekommen die fünf jungen Single-Frauen Besuch. Da wäre dann die neugierige Nachbarin Frau Stoll (Anne-Catherine Kramis), welche die fünf am Liebsten los wäre.

Mit der Life-Style-Beraterin Dominique (Sonja de Simoni) kommt eine Mischung von «Sex and the City» und Esoterik ins Haus. Auch Lisis Cousine Vero (Naomi Eggli) besucht die WG und möchte vielleicht länger verweilen. Schliesslich aber meldet sich als Folge des Inserates Adelgard von Oberthal zu Haldenglut (Dominique Lysser) als neue Mitbewohnerin. Sie macht den Anschein einer vermögenden jungen Frau, hat aber falsche Erwartungen.

Sieben Darstellerinnen haben seinerzeit den durch Reto Sperisen erteilten Theaterkurs an der Kantonsschule Olten, besucht und Freude am Theaterspielen bekommen. Vor zwei Jahren haben sie mit der Matura abgeschlossen und sind jetzt entweder im Studium oder sonst im Arbeitsprozess. Weil sie das Theaterspielen vermisst haben und der Kontakt zu Reto Sperisen nicht abgebrochen ist, kam es nun zu dieser Wiedervereinigung und zu einer Neueinstudierung dieser Komödie unter der Leitung und Regie von Reto Sperisen. Die damaligen Kantonsschülerinnen haben dieses Theaterstück selber geschrieben. Vor der Niederschrift haben sie viel improvisiert und dabei die unterschiedlichen fünf Charaktere entwickelt. Wir begegnen so einer recht bodenständigen Hannah, einer immer quasselnden Lisi, einer schüchternen Marlene, einer etwas durchschnittlichen Rita und der linksintellektuellen Esther.

Die Dialoge, in Hochdeutsch, sind in gut getroffener Umgangssprache und wirken nie gekünstelt. Klischees werden weitgehend vermieden, so dass das Ganze originell daherkommt. «Es wäre im richtigen Leben lustig, in einer solchen WG zu wohnen,» meint denn auch Yvonne Wigger nach der Premiere.

Das Bühnenbild zeigt den Gemeinschaftsraum der WG (die Wände von den Spielerinnen selber gestrichen) und weist verschiedene Spielstätten auf. Wenn sich am Tisch einige Frauen unterhalten, so kann durchaus auch in der Couch-Ecke eine Handlung stattfinden. Insofern ist der Raum optimal genutzt und das Publikum kann die Blicke schweifen lassen. Für die Technik zeichnet Reto Sperisen verantwortlich. Alle Darstellerinnen (und Autorinnen) zeigen eine ausgewogene Ensemble-Leistung, vermögen sowohl sprachlich als auch mimisch zu überzeugen. (mgt)

Weitere Daten Fr, 21. und Sa, 22. Dezember, 20 Uhr, «Mausefalle»