Wie jedes Jahr am Nationalfeiertag lud auch die Stadt Solothurn die Bevölkerung wieder zu den 1.-August-Festivitäten auf dem Schanzenareal ein. Trotz der Absage des grossen Feuerwerks, das wegen der anhaltenden Trockenheit nicht stattfinden konnte, erschienen auf dem Festgelände hinter der Rythalle viele Besucher. Bereits ab 19 Uhr bestand die Möglichkeit, es sich in der Festwirtschaft beim Soldatendenkmal gut gehen zu lassen. Bei einem kühlen Bier oder einer Bratwurst konnten die Besucher den warmen Sommerabend ausklingen lassen und die Wartezeit bis zu den weiteren Programmpunkten leicht überbrücken.

Wie es bereits seit 1899 Tradition ist, begannen um 20 Uhr die Glocken der Stadtkirchen zu läuten. Vor 119 Jahren hatte der Bundesrat die Kantone aufgefordert, zur Feier des damals noch nicht offiziellen Nationalfeiertags die Glocken aller Kirchen läuten zu lassen.

Nächster Programmpunkt war der eigentliche Festakt, bei dem die Stadtmusik Solothurn und der Tambourenverein Solothurn auftraten und die Zuhörer beim Soldatendenkmal unterhielten. Weiter ging es mit der alljährlichen Festrede. Die Ehre wurde in diesem Jahr dem Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller zuteil, der als Gastredner eingeladen wurde.

Luzerner Gastrede

Müller freute sich zu Beginn seiner Rede, dass er als Liberaler in einer liberal geprägten Stadt wie Solothurn seine Rede halten darf. Der Ständerat führte diese Solothurner Offenheit auf die von den Franzosen geprägte Geschichte der Stadt zurück, die während 250 Jahren als Ambassadorenstadt fungierte.

Weiter ging Müller auf die Schweizer Geschichte der letzten 220 Jahre ein und untermauerte dabei den Einfluss Napoleons, der 1798 in die Schweiz einmarschierte und Frieden in die von Religionsstreitereien und politischen Differenzen bewegte Eidgenossenschaft brachte. Müller bezeichnete den Einmarsch Napoleons in die zerrüttete Schweiz an dieser Stelle als Glücksfall und zitierte Napoleon, der damals sagte: «Ich würde mich selbst für unfähig halten, die Schweiz zu regieren.».

In der Folge unterstrich Müller die immense Wichtigkeit der Bundesverfassung, die die Schweiz 1848 revolutionierte. «Die Niederlassungsfreiheit, die Handels -und Gewerbefreiheit oder die Pressefreiheit, alle diese Freiheiten sind heute so selbstverständlich, dass wir sie uns gar nicht mehr wegdenken könnten. Aber damals waren sie neu», so der Ständerat. Weiter lobte Müller die Wandlungsfähigkeit der Bundesverfassung, in der von Anfang an Instrumente festgelegt wurden, mit denen sie sich laufend an die Geschehnisse und Neuerungen der Welt anpassen kann.

Müller betonte in seiner Rede den grossen Einfluss, den die Bundesverfassung damals auf die Schweizer Wirtschaft und ausländische Investoren hatte. «Denken wir nur an Nestlé, an die Herren Brown und Boveri, die Gründer der heutigen ABB, oder an Georg Wander, ohne den wir heute keine Ovomaltine hätten», so Müller.

Was Tradition ausmacht

Im Schlussteil seiner Rede mahnte Müller die Zuhörer, die Traditionen und Werte, die die Schweiz ausmachen, zu bewahren. Damian Müller: «Traditionen sind nämlich Wertesysteme, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.» Mit diesen Worten schloss der Ständerat und setzte bereits früher als eigentlich geplant den Deckel auf die 1. August Feierlichkeiten. Denn das Feuerwerk musste ja bekanntlich auf das nächste Jahr verschoben werden.