Wenn man Zeit hat, denkt man nach. Und ganz viel Zeit hat, wer abends über die Westumfahrung fahren will. Vom Kanu-Häuschen geht’s langsam zum Saudan, schleppt sich die Rampe rauf beim Aldi, quält sich über die Brücke, wälzt sich in den Tunnel und tuckert zur Ampel. Das Auto steht, wenig geht. Und als ich so stand, fragte ich mich: Wollten wir das wirklich? «Wir» haben ja diese Umfahrung, die den Verkehr gängeln und beschränken soll, beschlossen. Und irgendwann wusste ich nicht mehr genau, wer wir eigentlich sind, wenn wir etwas beschliessen, das wir nicht wollen. Die Ampel stand gerade auf Rot.

Wir könnten das ja jetzt ganz einfach machen: Politiker sind schuld. Die da oben, wir da unten. Aber wir da unten wählen ja die da oben, die dann Dinge machen, die wir angeblich nicht wollen. Vielleicht sind wir also eine etwas gespaltene Persönlichkeit. Wir wollen ja auch umweltfreundlich sein, aber selbst nicht im Stau stehen. Wir wollen unsere Ruhe, aber doch ein Nachtleben. Wir wollen (selbst) faire Löhne, aber den Preis nicht dafür bezahlen. Statt in der Altstadt einzukaufen, wird die Ware aus dem Ausland geholt, ohne dass einer fragt, was für Löhne der dortige Händler bezahlt. Statt dass die Ware einen Wert hat, kommen wir gerade vom Black Friday und rennen nun zum Sale. Dumm fühlt sich, wer noch einen normalen Preis zahlt.

Vielleicht haben Sie noch keinen Vorsatz fürs neue Jahr. Aber wenn Sie manchmal auch zweifeln, wer wir, die mitbestimmen, eigentlich sind: Beginnen Sie doch und engagieren Sie sich. Ich kann Ihnen sagen: Es braucht nicht viel, um teilzuhaben. Es gibt sie zuhauf in Solothurn, die Parteiversammlungen, die nur wenige Geister anlocken. Wer dort mitreden will, braucht keine besonders laute Stimme. Lächerliche 100 Unterschriften braucht es, damit das Kantonsparlament sich mit einem Anliegen aus dem Volk beschäftigen muss. Und der viel belächelte Christian Baur, der an jeder Gemeindeversammlung die Flüchtlingsunterstützung fordert, zeigt, dass Ideen einzubringen, problemlos machbar ist. Vielleicht möchten Sie dort ja mal noch über etwas anderes abstimmen. Aber immerhin: Wir könn(t)en verdammt viel beschliessen. Jetzt müssen wir nur noch wissen, was wir wollen.