Wie schon vor fünf Jahren sind es auch diesmal zwei Stadtsolothurner, die für die Amtsgerichtspräsidentenwahl vom 10. Februar in einer Kampfwahl gegeneinander antreten. Einen weiteren Anlauf holt Herbert Bracher (SP), nachdem er bei den Wahlen 2014 gegen Yves Derendinger (FDP) unterlegen war. Zudem steigt neu Nicole Mattiello (CVP) um den Sitz des abtretenden Rolf von Felten (CVP) ins Rennen ein. Von Felten war im vergangenen Herbst zum Oberrichter gewählt worden, womit sein Sitz vakant wurde.

«Transparente Arbeit»

«Für eine gut funktionierende Justiz mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung», möchte sich die 43-jährige Juristin Nicole Mattiello einsetzen. So soll die Richterarbeit transparent, verständlich und nachvollziehbar sein. Und: «Als Ehefrau und Mutter verfüge ich über Lebenserfahrungen sowie Sozialkompetenz, die auch für ein Richteramt wichtig sind.» Schon jetzt weiss sie: «Die Arbeitslast am Amtsgericht ist sehr hoch.» Als Anwältin einer international tätigen Anwaltskanzlei sei sie jedoch für solche Lasten gewappnet. Konkreter zeigt es beispielsweise der Rechenschaftsbericht 2017 der kantonalen Gerichtsverwaltung: Nicht weniger als 730 zivil- oder strafrechtliche Verfahren erledigte jeder der beiden Amtsgerichtspräsidenten im vorletzten Jahr. Dennoch weiss sie: «Auch das Amtsgericht funktioniert nur im Team. Und so gehören auch Führungsaufgaben zum Amt des Amtsgerichtspräsidiums.»

Mit «Eine Solothurnerin für unser Amtsgericht» ist Mattiellos Wahlprospekt untertitelt. Damit will sie zweierlei ausdrücken: «Mit dem ‹-in› möchte ich darauf hinweisen, dass alle bisherigen Präsidenten an unserem Amtsgericht Solothurn-Lebern ausschliesslich durch männliche Kollegen gestellt wurden.» Zum anderen ist es ein Statement über ihr Herzblut für die Region: «Ich bin hier aufgewachsen, bin hier verwurzelt und habe Jurasüdfuss-DNA.» Die gute Vernetzung gibt Mattiello Rückenwind für die anstehende Kandidatur. Rückhalt erfährt sie dabei nicht nur von der CVP. Auch die FDP und Personen mit Bezug zu anderen Parteien gaben ihr Zuspruch.

«Man muss zuhören können»

Als ein «Diener der Recht suchenden Mitmenschen» versteht sich indes der 60-jährige Herbert Bracher. «Das heisst, dass ich für die Menschen da bin.» Für ihn macht es einen Amtsgerichtspräsidenten aus, eine natürliche Autorität zu besitzen: «Eine Person in diesem Amt muss zudem zuhören und verhandeln können sowie die seelische Kraft besitzen, Urteile zu fällen, die immer mindestens einer Partei nicht gefallen.» Im Wahlprospekt zeigt sich Herbert Bracher als Velofahrer: «Das Foto bringt meine innere Dynamik, die Bereitschaft, auch schwierige Dinge anzupacken, als Metapher gut zur Geltung.» Stadtbekannt ist, dass Herbert Bracher in Solothurn praktisch ausschliesslich mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs ist.

Vergeblich sucht man übrigens auf seinen Wahlunterlagen das Partei-Logo der SP: «Die Amteipartei hat mich zwar nominiert. Sollte ich aber gewählt werden, so bin ich einzig dem Recht verpflichtet und sicher nicht der Partei.» Und dann erinnert sich Herbert Bracher auch an seine Wahlniederlage vor fünf Jahren: «Was mache ich heute anders als damals? Ich vertraue heute mehr darauf, dass mein Berufs- und Lebensweg und meine Persönlichkeit sowie die Erfahrung die Wählerinnen und Wähler überzeugen werden.»