Panini-Bilder tauschen ist zurzeit hoch im Kurs. Doch darum ging es den Organisatoren des Alten Spitals nicht, als sie bei der Planung des diesjährigen Aktionsmonates «Platz da?! – Öffentlicher Raum für alle», ans Tauschen dachten und gleichzeitig einen überaus gut besuchten Flohmarkt ins Programm aufnahmen.

Tauschen lässt sich bekanntlich alles: Pflanzen, Kleider, Lebensmittel, Briefe und einiges mehr. Das konnten all jene hautnah miterleben, die am Pfingstsamstag gezielt oder zufällig über den Kreuzacker- oder Dornacherplatz gingen.

Warum nicht Überzähliges aus dem Garten mit anderen tauschen, dachte sich die Hobby-Gärtnerin Claudia Stephani vor drei Jahren. Eine zündende Idee, wie sich an der Tauschbörse herausstellt: Auf ihren Holztischen stehen Töpfe mit Tomaten, Kräutern, Erdbeeren, Kakteen und Zimmerpflanzen. Stets kommt Neues dazu, anderes verschwindet im Velokörbli oder in weiten Einkaufstaschen. «Der Lauch ist besonders gefragt», sagt sie.

Briefe schreiben wie früher

Ein antikes Holztischchen mit einem Schirmlämpchen und einer alten Olivetti-Schreibmaschine steht mitten auf dem Kreuzackerpark und lädt zum Schreiben ein. Auf einem anderen Tisch liegen Farbstifte, Papier, Zeitungsschnitzel, Leim, Bücher und Fotos. Kreativität ist gefragt. Lange vorbei sind die Zeiten, als man sehnsüchtig auf einen Brief vom Liebsten oder einem Freund wartete.

Die Bernerinnen Olivia Hübscher und Silja Bähni wollen das ändern. Wer Zeit hat, soll sich hinsetzen und einen Brief schreiben – an Unbekannt. Mit positiven Botschaften oder aufmunternden Worten. «Daraus ergeben sich spannende Geschichten und gar Freundschaften fürs Leben», sagen die beiden Studentinnen.

Vor Ort ist auch der Verein Restessbar Solothurn, die ihren Sitz im Alten Spital hat. «Haben Sie noch Brötchen?», fragt eine Passantin, und ihr Wunsch geht sofort in Erfüllung.

Sich auch mit wenig reich fühlen

Drüben beim Flohmarkt auf dem Dornacherplatz setzt sich eine Frau mittleren Alters in ein Strassencafé. In der Tasche hat sie eine dunkelblaue, elegante Wolljacke – beste Qualität. Sie ist überglücklich. «Ich bin eine Workingpoor und kaufe immer Secondhand», sagt sie und ergänzt: «Man fühlt sich auch mit wenig reich.» Neben ihr hat ein Bekannter Platz genommen und legt zwei Kassetten auf den Tisch. «Eigentlich wollte ich ein Velositzli kaufen, aber dann bin ich zufällig auf die Kassetten gestossen.»

Nach dem Preis des alten Bordeaux, den er unter einem Stand entdeckt hatte, hat er nicht gefragt. Das mobile Solothurner Radiostudio «Radiologisch» bringt Stimmung in die Menge, und die Currywurst beim Guerilla Catering findet reissenden Absatz. Das Flanieren, Tauschen, Stöbern und Feilschen hat sich gelohnt.