Raiffeisen Solothurn
Wer ist der «Wunschpartner» der Bank?

Die Raiffeisenbank Solothurn hegt Fusionsgedanken – für mehr Handlungsspielräume. Verhandlungen hat man aber noch keine aufgenommen.

Andreas Kaufmann
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Für den Verwaltungsrat unter Vorsitz von Matthias Miescher gilt es erneut anzupacken. Aber nach dem Spatenstich bei der Hauptfiliale gibt es diesmal keine bauliche, sondern eine strategische Baustelle.

Für den Verwaltungsrat unter Vorsitz von Matthias Miescher gilt es erneut anzupacken. Aber nach dem Spatenstich bei der Hauptfiliale gibt es diesmal keine bauliche, sondern eine strategische Baustelle.

Wolfgang Wagmann

Die Raiffeisenbank Solothurn richtet ihren Blick auf die regionale Nachbarschaft – und auf eine mögliche «Heirat» mit einem anderen Partner aus dem Kreis der Raiffeisenbanken. Dies geht aus einer entsprechenden Medienmitteilung der genossenschaftlichen Bank hervor. Der Verwaltungsrat sei «zur Auffassung gelangt, dass die Raiffeisenbank Solothurn sich bei der heutigen Grösse nicht genügend weiterentwickeln kann.»

Als kennzeichnende Grösse nennt Verwaltungsratspräsident Matthias Miescher dabei die Bilanzsumme, die aktuell bei rund 510 Mio. Franken liegt. Die Raiffeisen Schweiz, an der alle 316 Schweizer Raiffeisenbanken teilhaben, legt aber als Vorgabe eine Mindestbilanzsumme von 600 Mio. Franken fest. «Ideal wären gar 1,5 Mia. Franken», kommentiert Miescher und erklärt: «Für die Diversifizierung des Angebots braucht es denn auch eine gewisse Grösse.»

Schnelles Wachstum kaum möglich

Auch nach den positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre – wie der Zuwachs an Kunden und an Kundengeldern – hegt Miescher Zweifel, dass man trotz Wachstum auf die nötige Grösse kommen könne. «Ein stärkeres Wachstum wäre mit Risiken und mit schwierigen Geschäften verbunden», so der VR-Präsident weiter. Stattdessen verfügt die Raiffeisenbank Solothurn über mehr Anleger als Ausleihungen und somit einen Überschuss an Passiven. «Wir sind also keine Bank, die explosionsartig wachsen kann.» Eine Diversifizierung wäre indes im Anlagekundengeschäft oder im Hypothekargeschäft zu finden, «dort, wo nicht jede Genossenschaft eine eigene Lösung auf die Beine stellen könnte.»

Indes habe kein Leidensdruck aus der Vergangenheit dazu geführt, nun laut über eine Fusion nachzudenken. Zur Erinnerung: Vor fünf Jahren hatte die Bank 7,5 Mio. Franken Verlust eingefahren, weil Derivatengeschäfte von Kunden gescheitert waren und interne Kontrollen der Bank versagt hatten. Später mussten mehrere Geschäftsstellen wegen zu geringer Nutzung geschlossen werden. Heute sei die Lage besser: «Wir haben mittlerweile wieder gute Zahlen, auch heuer, und der Konkurrenzdruck hat nicht spürbar zugenommen», so Miescher.

Über einen allfälligen «Wunschpartner» schweigt sich die Genossenschaftsbank noch aus, geschweige denn, dass man schon Verhandlungen aufgenommen hätte. «Wir werden nächstes Jahr Gespräche mit Raiffeisen Schweiz und Banken in der Nachbarschaft aufnehmen.» Die Filiale Flumenthal, die ebenfalls Raiffeisen Solothurn angehört, sei von den Fusionsbestrebungen indes nicht betroffen: «Der Standort Flumenthal mit ländlichem Image neben der topmodernen Stadtbank hat sich gut entwickelt. Und an diesem Konzept wollen wir nichts ändern.»

Richard Burgener geht

Was sich allerdings noch ändern wird, betrifft die Bankleitung: So will sich deren bisheriger Vorsitzende Richard Burgener ausserhalb der Raiffeisenbank Solothurn beruflich neu orientieren. Bereits ab sofort vertritt Giancarlo Grifone, stellvertretender Bankleiter, den zurzeit im Krankenstand befindlichen Burgener.

Übernommen hat Burgener die Leitung der Bank 2007 als Change Manager und stieg 2009 in den Vorsitz der Bankleitung auf. Er habe zur Stabilisierung der Banksituation beigetragen und den Neubau am Kronenplatz begleitet, lässt die Medienmitteilung verlauten. Seine reguläre Nachfolge soll erst geregelt werden, sobald die anstehenden Fusionierungsvorhaben abgewickelt sind.