Fussballmatch

«Wer ist der Goalie?» – Diese Männer jonglieren besser mit Worten als mit dem Ball

Das Fussballspiel zwischen der Schriftsteller-Nationalmannschaft und der Spielvereinigung Rakete Solothurn im Solothurner Stadion war denkwürdig.

«Wer ist der Goalie?» So lautete die entscheidende Frage auf dem langen Fussmarsch von der Kabine im Mittleren Brühl ins Solothurner Stadion. Pedro Lenz versprach, dass die Schweizer Schriftsteller-Nationalmannschaft am Problem arbeite und sich eine Lösung abzeichne.

Immerhin verriet der Langenthaler Poet: «Der Goalie bi nid ig.» Zehn Minuten vor dem Anpfiff wurde noch schnell ein Mann von der Spielvereinigung Rakete Solothurn zu den Literaten transferiert. «Carlo Spiller ist der Goalie», verkündete wenig später der Literaten-Präsident Patrick Tschan.

«Tschutte wie früecher»

Als sich Ehrengast Peter Bichsel zum Ankick in den Mittelkreis begeben wollte, bemerkte noch einer, dass nun ein Ball ins Spiel kommen müsste. Der Platzwart des Solothurner Stadions konnte zum Glück aushelfen. Zurück auf der Ersatzbank zündete Bichsel eine Zigarette an und genoss den Match mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht: «Das isch nid Fuessbau, das isch Tschutte wie früecher. Eifach schön.»

Wenn die Literaten Fussball spielen, ist das grandios wie Donald Trumps Lesung aus seinen neusten Gedichten. Wären diese Schriftsteller so wortgewandt wie sie geschmeidig mit dem Ball umgehen, dann brächten sie Vierwortsätze zu Papier. Es wären aber grossartige Vierwortsätze, sicher die besten der Welt.

Aber wie Romário, der brasilianische WM-Held von 1994, einst am Strand der Copacabana in schwarzen Minibadehöschen seinem härtesten Kritiker Pelé antwortete, als dieser ihn zum sofortigen Rücktritt aufforderte: «Der schweigende Pelé ist ein Poet. Er ist der beste Fussballer aller Zeiten. Aber bevor er zu reden beginnt, sollte er sich einen Fussballschuh in den Mund stecken.»

Ohne Ambitionen

Auf der einen Seite setzte die SpVgg nordkoreanische Langstreckenrakete zu einem Höhenflug an, der Kim Jong Un zu einem Freudentanz inspiriert hätte. Das Konzept, das hinter dieser Mannschaft steckt, war klar zu erkennen: «Wir haben keine Ambitionen.»

Auf der anderen Seite versuchte die Nationalmannschaft, zusammengestellt aus elf Schweizer Erstaugustraketen mit feuchter Lunte, ein Feuerwerk zu zünden. Wäre Fussball ein Schulfach, hätte die Lehrerin sofort den Heilpädagogischen Dienst alarmiert.

«Wir schiessen jetzt rasch das Anschlusstor», sagte Spielertrainer Marco Todisco in der Pause, als es 0:2 stand. Doch seine Männer jonglieren besser mit Worten als mit dem Ball. Und wie so oft im Leben ist es einfacher, etwas auf ein Blatt Papier zu schreiben als es dann auch wirklich zu tun: Wenig später lagen die Literaten 0:5 zurück. Da besannen sich die Schriftsteller auf ihre Stärken. Besser ist die Steigerungsform von schlecht. Gegen Ende des munteren Gekickes schossen sie tatsächlich noch zwei Tore zum 2:5-Schlussresultat.

Fussball ist wie Sex

In Romários Sinne müssten sich nun also die Literaten einen gespitzten Bleistift in die Wade stossen und sich fortan nur noch dem widmen, was sie können. Aber dann gibt es da auch noch das geflügelte Wort eines Journalisten, der selber nie höher als in der Solothurner 5. Liga gespielt hat: «Fussball ist wie Sex. Beides muss man nicht wirklich gut können, um Spass daran zu haben.» Und so freuen wir uns auf die Revanche in einem Jahr, wenn die Spielvereinigung Rakete Solothurn die Schriftsteller-Nati zu einem weiteren denkwürdigen Fussballspiel empfangen wird.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1